Dozentenkonzert im Rahmen der World Percussion Academy
Das Herz der Percussionswelt

Nienborg -

Sieben Ausnahmemusiker von vier Kontinenten dozieren in dieser Woche an der Landesmusikakademie. Nienborg sei somit der Nabel der Percussionswelt, sagte José Cortijo, der künstlerische Leiter des Projekts, am Sonntagabend zu Beginn des Dozentenkonzerts. Doch das Bild ist schief: Ein Nabel bewegt sich schließlich nicht. Das Herz dagegen pulsiert, ist der Motor des Körpers. Genauso wie die Perkussionsinstrumente die Musik vorantreiben.

Dienstag, 18.07.2017, 07:07 Uhr

José Cortijo  
José Cortijo   Foto: Martin Borck

Aber was heißt hier „die“ Musik? So wie es zahllose Sprachen und Dialekte auf der Welt gibt, so hat auch die Musik ihre eigenen Stile und regionalen Besonderheiten. Der Rhythmus bildet dabei eine wesentliche Basis. Und wie jede Sprache hat auch die Rhythmik ihre spezifischen Ausdrucksmöglichkeiten – nur ohne Worte.

Martin Verdonk

Martin Verdonk Foto: Martin Borck

Martin Verdonks Respekt vor seinen Ko-Dozenten („Das sind richtige Monster.“) war so groß, dass er sich ausbedungen hatte, als erster auf die Bühne zu treten. „Wenn die anderen gespielt haben, haben sie mich vergessen,“ sagte er bescheiden, Der Mann aus Curaçao improvisierte auf den Congas und brachte pulsierendes kubanisches Flair in den Saal.

Ganz anders der Italiener Paolo Rossetti: Aus dem diffusen Rauschen seiner Rasseln

Paolo Rossetti

Paolo Rossetti Foto: Martin Borck

schälte sich ein Rhythmus heraus, den er auf verschiedenen Rahmentrommeln erzeugte. Er benutzte einen Besen, mit dem er über die Felle strich, und Kastagnetten, die einen klackenden Kontrast dazu bildeten. Rosetti zielte mehr auf Resonanzen, seine Töne waren weicher, nicht so scharf umrissen, aber dennoch pulsierend im arabisch angehauchten Stil des Mittelmeerraumes.

Suat Borazan aus der Türkei, zum ersten Mal als Dozent dabei, erzeugte einen

Suat Borazan

Suat Borazan Foto: Martin Borck

gewaltigen Wirbel auf seiner Darbuka, einer einfachen Bechertrommel, deren Fell er mithilfe der Wärme einer Lampe geschmeidig hielt. In einem Wahnsinns-Tempo prasselten seine Finger auf das Instrument. Bei diesem Tempo auch noch Struktur ins Spiel zu bekommen, war schon eine kleine Meisterleistung.

„Und das alles mit zwei Händen!“, meinte José Cortijo anerkennend. Immerhin: An den Händen befinden sich zehn Finger und die Ballen – da lässt sich schon Bewegung erzeugen. Bei Cortijo selbst jedoch kam es tatsächlich auf seine Hände an: Mit seinen Shakern erzeugte er leise, aber umso intensivere Effekte – und sein Triangel-Solo hatte es in sich. Was er aus dem Metallstab herausdengelte, war genial.

Billy Nankouma Konaté

Billy Nankouma Konaté Foto: Martin Borck

Billy Nankouma Konaté holte auf der Djembé Afrika ins Haus. Purer Trommelgenuss, mit dem er dem Mutterland der Percussion seine Reverenz erwies.

Die eigenwillige Rhythmik Indiens wirkt auf europäische Ohren immer noch sehr exotisch, da sie völlig anders aufgebaut ist. Der besondere Reiz, der von den rhythmischen Mustern, den Talas, und dem parallelen Gesang von Vokalisen ausgeht, verfehlte seine Wirkung auch in Nienborg nicht. Das Instrument, auf dem der südindische Perkussionsmeister

Vaidyanathan Suresh

Vaidyanathan Suresh Foto: Martin Borck

Vaidyanathan Suresh spielte, ist nichts anderes als ein tönerner Wasserbehälter. Faszinierend, was er aus dem einfachen Gerät herausholte. Ein musikalisches Stroboskop.

Ganz anders wiederum Dudu Tucci, der mehrere Instrumente der brasilianischen Bateria vorstellte. Eine knackige Angelegenheit. Doch der musikalische Dialekt Südamerikas ist runder, tänzerischer, mit kleinen Sambahüpfern in der musikalischen Linie.

Dudu Tucci

Dudu Tucci Foto: Martin Borck

Faszinierend, dieses polyglotte Sammelsurium geballt an einem Abend zu hören. Im Finale trafen sich alle sieben Musiker auf der Bühne zu einer wirbelnden, pulsierenden Feier des Rhythmus’ an sich.

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