Nienborger Bischöfe feiern Goldenes Priesterjubiläum
„Karriere nach unten gemacht“

Nienborg -

Im Jahre 1953 machten sie sich gemeinsam auf den Weg: Josef Haring und Martin Lammers wechselten als Jugendliche von der Volksschule Nienborg zum Missionsgymnasium St. Antonius nach Kloster Bardel. Am heutigen Samstag feiern die beiden – inzwischen emeritierte Bischöfe – in ihrer neuen Heimat Brasilien ihr Goldenes Priesterjubiläum. In wenigen Wochen wird ihr gemeinsamer Lebensweg sie danach wieder zusammenführen.

Samstag, 22.07.2017, 15:07 Uhr

Bischof Martin Lammers (2.v.l.) und Bischof Josef Haring (r.) beim Jubiläum 800 Jahre Nienborg mit Pastor Wilhelm Niehaves (l.) und Weihbischof Jansen.
Bischof Martin Lammers (2.v.l.) und Bischof Josef Haring (r.) beim Jubiläum 800 Jahre Nienborg mit Pastor Wilhelm Niehaves (l.) und Weihbischof Jansen. Foto: Walter Garbe

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Martin Lammers (Jahrgang 1939) in Nienborg und Josef Haring 1940 in Gronau geboren. Für den Besuch des Gymnasiums musste Schulgeld gezahlt werden, was den Familien wohl nicht leichtfiel. Schwer war für die beiden Jungs damals sicher die lange Trennung von Zuhause. Nur in den Ferien ging es heim. Für Josef Haring war in der Freizeit das Flügelhornspiel in der Schülerkapelle willkommene Abwechslung, Martin Lammers engagierte sich bei den Pfadfindern.

Geprägt wurden beide von Pater Timotheus, einem Onkel von Josef Haring, der in Brasilien tätig war. Nach dem Abitur folgte das Noviziat, das Probejahr im Orden. Hier reifte ihr Entschluss, Pater zu werden. Nach Erhalt ihres Missionskreuzes wurden sie schließlich vor 55 Jahren ausgesendet.

Die Missionsarbeit steht in einer langen Tradition des Franziskanerordens. „Wie der Heilige Franziskus haben die beiden eine Karriere nach unten gemacht, indem sie das wohlhabende Deutschland verlassen und sich auf die Seite der Armen gestellt haben. Sie haben den Armen und Leidenden in Brasilien gezeigt, dass sie nicht von Gott und der Welt verlassen sind“, schrieb Pater Wilhelm Ruhe (Kloster Bardel) vor einigen Jahren in einem Bericht über seine Mitbrüder.

In Lateinamerika werden Bischöfe nicht durch eine staatlich eingezogene Kirchensteuer bezahlt. Sie bestreiten ihre Ausgaben zum Wohl der dort lebenden armen Menschen von dem, was sie erwirtschaften, von Zuwendungen kirchlicher Hilfsaktionen und Spenden.

Mit dem belgischen Frachtschiff Lufira kamen die beiden Münsterländer seinerzeit mit weiteren Missionaren im brasilianischen Recife an. Im Studium der Philosophie und Theologie legten sie den Grundstein für das Priesteramt. Das Ewige Gelübde legten sie 1965 ab. Am 22. Juli 1967 wurden sie in der Klosterkirche der Franziskaner in Salvador (Bahia) durch Bischof Valfredo Tepe zum Priester geweiht.

Für Josef Haring, der den Titel Pater Teofilo oder Teofilius trug, ging es danach zunächst zurück nach Deutschland. Bis 1971 studierte er mit dem Ziel „Studienrat“ in Bochum und unterrichtete danach 13 Jahre als Lehrer am Missionsgymnasium Bardel.

1984 führte sein Weg zurück nach Brasilien und er wirkte als Pfarrer und Hausoberer in Joao Pessoa-Paraiba, später in Arracaju.

Am 19. Januar 2000 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Limoeiro do Norte ernannt, das im Nordosten von Brasilien liegt. „Keine ausschließen, alle einladen mitzumachen, so habe ich meinen Dienst immer verstanden“, hat Josef Haring seine Aufgabe stets nach seinem bischöflichen Leitwort „Vereint im selben Glauben“ verstanden. Sein vorrangigstes Ziel war es, selbst Priester und Katecheten auszubilden.

Josef Haring und Martin Lammers war es in all den Jahren besonders wichtig, den Kontakt zu ihrer Heimat Nienborg zu pflegen. Hierzu gehören regelmäßig Heimaturlaube und das Übersenden von Briefen zu Weihnachten. Lammers nahm auch sein Jubiläum zum Anlass, zusätzlich einen Brief zu schreiben. Darin heißt es unter anderem: „Danken muss ich dafür, dass der Herr mich in all den Jahren im Amt angenommen hat. Danken muss ich besonders dafür, dass er mir die Kraft für 45 Jahre Amazonien gegeben hat.“

Er blickt in dem Brief zurück auf das Jahr 1968. Ein Jahr nach seiner Priesterweihe und Tätigkeit als Krankenhausseelsorger wurde er nach Alenquer an den Amazonas beordert. In der „Grünen Hölle“ leistete er als junger Pfarrer Pionierarbeit. Acht Jahre später übernahm er das junge Bistum in Obidos, im Bundesstaat Para, im Norden Brasiliens. „Das Bistum war ohne jede Eigenleistung zum Eigenunterhalt. Da seid ihr eingesprungen. Danke dafür.“

In Amazonien übernahm Lammers nach dem Konzil viele Aufgaben. Im Hinterland bildeten sich kleine Gemeinschaften nach Art deutscher Bauerschaften, nur weiter voneinander entfernt. Hierfür mussten Laien für die Leitung und Katechese ausgebildet werden. Das war Lammers Hauptaufgabe als Bischof von Obidos. Hierzu wurde er am 8. August 1979 durch Papst Johannes Paul II. ernannt und am 4. Oktober des Jahres, am Festtag des Heiligen Franz von Assisi, zum Bischof geweiht. Vor acht Jahren wurde er emeritiert.

Seine Arbeit als Bischof versah er weniger am Schreibtisch. Er war viel zu den Gläubigen seiner 184 000 Quadratmeter großen Diözese unterwegs und nahm dabei große Strapazen auf sich. Teilweise bis zu 15 Stunden war er über Land und auf dem Fluss unterwegs, um die Menschen zu besuchen. Martin Lammers hat stets nach seinem Wahlspruch „Diener Eurer Freude“ gehandelt. „Mein dankbarer Rückblick auf den Tag macht den Abend schön. Ein herzliches vergelt‘s Gott für alles Gute und Schöne,“ blickt er in seinem Brief dankbar zurück.

Dankbarkeit gab und gibt es aber auch von Seiten der Nienborger: „Aber Ihr habt auch uns etwas mit auf den Weg gegeben. Was uns an Euch beeindruckt, ist Eure Freude und Gelassenheit. Euer Weg ist nicht verbissen geplant“, sagte Pfarrer Wilhelm Niehaves in seiner Predigt beim Silbernen Priesterjubiläum. Dieses feierten die Bischöfe in ihrem Heimatort.

Ihren heutigen Festtag feiern sie in ihrer neuen Heimat. Josef Haring begeht diesen Festtag mit den Gläubigen und Priestern seiner Diözese. Ende August kommt er auf Heimaturlaub nach Nienborg. Martin Lammers ist an seinem Festtag in Obidos. In diesem Jahr wird er nicht nach Nienborg reisen.

Josef Haring ist froh, dass Papst Franziskus seinem Rücktrittsgesuch entsprochen hat. Am 8. Juli 2017 wurde sein Nachfolger, Herz-Jesu-Priester Pe André Vital Felix da Silva, aus Recife, zum Bischof geweiht. Am 29. Juli 2017 wird Dom André als sechster Bischof von Limoeiro das Amt von Dom José Haring übernehmen.

In wenigen Wochen sind die Nienborger Bischöfe wieder vereint unter einem Dach. Bischof Martin Lammers lebt und arbeitet seit ein paar Jahren im Kloster im franziskanischen Wallfahrtsort Canindé in Nordost-Brasilien. Bischof Josef Haring wird auch dorthin ziehen. „Canindé ist der große Wallfahrtsort der Armen. Ich wünsche beiden Bischöfen, dass sie noch viele Jahre segensreich in Canindé wirken können“, wünscht ihnen Pater Wilhelm.

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