LMA-Direktorin Antje Valentin ist die erste weibliche Präsidentin des Rotary-Clubs Gronau-Euregio
In der ganzen Region wirken

Nienborg -

Antje Valentin führt als erste Frau den Rotary-Club Gronau-Euregio. Die 53-jährige Direktorin der Landesmusikakademie NRW löste zum 1. Juli als Präsidentin den Vredener Walter Imping ab. Mit der studierten Instrumental-Pädagogin, diplomierten Kulturmanagerin und Pianistin sprach WN-Redakteur Rupert Joemann über ihre jetzt begonnene einjährige Amtszeit.

Samstag, 29.07.2017, 06:07 Uhr

Als Präsidentin des Rotary-Clubs Gronau/Euregio löste Antje Valentin ihren Vorgänger Walter Imping (Vreden) ab.
Als Präsidentin des Rotary-Clubs Gronau/Euregio löste Antje Valentin ihren Vorgänger Walter Imping (Vreden) ab. Foto: Mathias Engels

Frau Valentin , Sie sind nicht nur die erste Frau an der Spitze des Rotary-Clubs, sondern waren auch das erste weibliche Mitglied. Und das, obwohl Sie gar nicht aus der Region stammen.

Antje Valentin: Stimmt. Ich bin gebürtige Braunschweigerin und habe nach dem Abitur 27 Jahre in Berlin gelebt.

Hat es Sie gewundert, dass Sie 2012 als erste Frau gefragt wurden, ob Sie Mitglied werden möchten?

Valentin: Ja, ich war schon überrascht. Ich hatte ja erst im Juli 2011 die Leitung der Landesmusikakademie übernommen. Es ist aber eine schöne Erfahrung. Man gewinnt Einblicke in ganz andere Lebenswelten und lernt neue Arbeitsfelder kennen. Das ist manchmal sehr, sehr heilsam, weil man sonst zu sehr in seinem eigenen Universum bleibt. Das reißt einen schön raus und weitet den Blick.

Neben Ihnen gehören mit Martina John und Elisabeth Schwenzow mittlerweile zwei weitere Frauen dem Club an.

Valentin: Das ist richtig. Das liegt vielleicht auch daran, dass erst jetzt auch hier im Münsterland mehr Frauen in Führungspositionen kommen. Das ist anders als in Berlin. Als ich dort eine Musikschule leitete, gab es eine viel größere Mischung der Geschlechter in den Leitungsgremien. Es ist mein erklärtes Ziel, mehr Frauen und auch Jüngere für die Rotarier zu gewinnen.

Die Rotarier gelten zuweilen als ein etwas elitärer Club. Frau Valentin, wie haben Sie die Rotarier kennengelernt?

Valentin: Das Kennenlernen geschah durch einen Besuch des Clubs in der Landesmusikakademie. Dass sie elitär sind, finde ich nicht. Die Menschen können uns gerne jederzeit ansprechen. Die Rotarier pflegen ihre Freundschaften und wollen gemeinsam etwas Positives bewirken. Ich weiß nicht, wie die Rotarier in Berlin sind, hier habe ich die Mitglieder aber als sehr erdig und handfest kennengelernt – münsterländisch eben. Die Aufgaben werden selbst erledigt und nicht an Mitarbeiter abgegeben. Das ist auch das weltweite Prinzip der Rotarier.

Gibt es denn große Mentalitätsunterschiede gegenüber Berlin?

Valentin: Eindeutig ja. Im Münsterland gibt es eine Mischung aus kräftigem Arbeiten und kräftigem Feiern. Das wird förmlich zelebriert. In Berlin ist es protestantischer, die Hingabe ans Feiern nicht ganz so ausgeprägt – jedenfalls in meinem Umfeld. Im ersten Sommer hier war ich ganz geplättet. Ich war noch nie so oft zum Grillen eingeladen.

Münsterländer gelten eigentlich als eher verschlossen.

Valentin: Das kann ich nicht bestätigen. Sie sind sehr freundlich. Jeder grüßt einen – egal wo. Aus meiner Sicht zeigt das: Hallo, ich nehm’ dich wahr. Sich gegenseitig wahrzunehmen, ist ein gutes Gefühl, eine Lebensqualität.

Die Rotary-Mitglieder kommen aus allen Berufszweigen und der ganzen Region. Sicher kein Zufall.

Valentin: Die Mitglieder sollen so bunt und gemischt wie möglich sein. Das hilft, ein breites Netzwerk aufzuspannen. So können wir in der ganzen Region wirken und versammeln eine Menge Kenntnisse und Erfahrungen. Die große Mischung an Berufen und das weltweite Netzwerk sind faszinierend.

Und dieses Netzwerk setzen Sie ein, um anderen zu helfen?

Valentin: Rotarier unterstützen nicht nur Projekte in der Welt, sondern auch direkt vor Ort. Wir haben, nur als ein Beispiel, ein Sprachförderprojekt für Kitakinder in Gronau gegründet. Auch mit kleinen Beträgen kann man gut weiterhelfen. In Simbabwe ermöglichen wir in einer durch Nonnen geführten Station mit einer Tröpfchen-Bewässerungsanlage, dass drei Ernten pro Jahr eingefahren werden können. Die Rotarier bieten aber auch den größten Jugendaustausch der Welt an – für Schüler und junge Berufstätige. Dabei ist es natürlich gut, wenn man andere Clubs kennt.

Wobei wir wieder bei der Vernetzung wären.

Valentin: Die wollen wir auch noch hier vor Ort intensivieren. Wir wollen noch stärker die anderen Rotary-Clubs in der Region besuchen, auch unseren niederländischen Partnerclub Rijssen.

Das muss alles organisiert werden. Da kommt viel Arbeit auf Sie zu.

Valentin: Die Aufgabe ist ja nicht von heute auf morgen auf mich zugekommen. Ich wurde vor zwei Jahren gefragt. Ein Jahr vor der Präsidentschaft ist man dann schon im Vorstand. Außerdem habe ich mit Christian Siebert, der selbst schon in einem anderen Rotary-Club als Sekretär Erfahrung gesammelt hat, einen ausgezeichneten Sekretär. Ein halbes Jahr vor dem Start habe ich angefangen, intensiv über das Programm nachzudenken. Man läuft sich warm. Die Eckdaten bis Ende Juni nächsten Jahres stehen eigentlich schon. Man muss nur wachsam bleiben und schauen, wo sich der Club hinentwickelt.

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