„Geist“ in der Flasche
Mit alter Urkunde puzzeln

Nienborg -

In einer Sektflasche steckte das Dokument. Bei der Demontage des Ehrenmals wurde diese Zeitkapsel vor einigen Monaten in Nienborg gefunden

Donnerstag, 16.11.2017, 08:11 Uhr

Nur wenige Meter stehen das alte und das neue Kriegerehrenmal auf dem alten Friedhof auseinander.
Nur wenige Meter stehen das alte und das neue Kriegerehrenmal auf dem alten Friedhof auseinander. Foto: Martin Mensing

Alpha PX Omega – Anno Domini MDCCCCXXV. Diese Überschrift trägt die Urkunde, die Theo Franzbach, Vorsitzender des Heimatvereins, in seinen Händen hält. Dabei handelt es sich um eine Reproduktion einer aus dem Jahre 1925 stammenden Urkunde, die bei der Grundsteinlegung für das Umsetzen des alten Kriegerehrenmals an der Hauptstraße in einer grünen Flasche in dem Baukörper hinterlegt wurde.

Bei der Demontage des Ehrenmals wurde diese Zeitkapsel vor einigen Monaten gefunden. „Die Sache kam ins Rollen, als mich Sabine Nöldemann vom Bauamt anrief und sagte, dass eine grüne, beschädigte Sektflasche mit einem aufgeweichten Schriftstück gefunden worden sei“, sagt Theo Franzbach.

Die Urkunde beinhaltet unter anderem folgende Zeilen: „Im Jahre des Heiles dem Jubeljahre unser römisch kathl. Kirche 1925, als Sr. Heiligkeit Pius XI römischer Papst, Lampen Pfarrer von Nienborg, Krabbe Amtmann des Amtes Nienborg und Depenbrock Vorsteher der Gemeinde Nienborg war, hat unsere Gemeinde heute durch den hierfür gewählten und hier unterzeichneten Ausschuss den Grundstein zu dem Ehrenmal ihrer Mitbürger, die im Weltkriege ihr Leben zum Opfer brachten gelegt, mit dem Wunsche und Gebet daß der glorreich Erstandene auch ihnen glorreiche Auferstehung gewähre.“

Entworfen und angefertigt wurde das Denkmal vom Billerbecker Bildhauer Dirks. Den Standort vor der Dinkel stellte Bernhard Rosery unentgeltlich zur Verfügung. „Die Kosten des Denkmals betrugen 3500 Goldmark und wurden aus freiwilligen Spenden des Wigbolds Nienborg und den Bauerschaften Callenbeck und Wext aufgebracht. Damals zählte die Gemeinde Nienborg 1300 Seelen“, gibt Theo Franzbach den weiteren Inhalt der Urkunde wieder.

Unterzeichnet wurde die Urkunde durch acht Mitglieder des Nienborger Kriegervereins: Bautechniker Josef Bruns, Rendant und Ortsvorsteher Hermann Depenbrock, Lehrer Heinrich Bruns, Landwirt Heinrich Mers, Klempner August Kötte, Bauunternehmer Josef Woltering, Landwirt Theodor Holtkamp und Landwirt Wilhelm Schlichtmann.

Der Verein wurde am 11. September 1894 gegründet und war ein Zusammenschluss ehemaliger Soldaten. Im Ersten Weltkrieg ruhten die Aktivitäten, 1925 kam es zur Neugründung. Im selben Jahr bildete sich ein Denkmalausschuss mit dem Ziel, ein Ehrenmal zu errichten. Die Einweihung fand am 12. Juli 1925 statt. Im Zuge der Umbauarbeiten im Bereich der Wassermühle erhielt das alte Kriegerehrenmal in diesem Jahr auf dem alten Friedhof einen neuen Standort, nur wenige Meter neben dem neuen Kriegerehrenmal.

„Die Eigentumsverhältnisse der Urkunde sind nicht zweifelsfrei geklärt“, sagt Theo Franzbach und weist darauf hin, dass Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff dem Heimatverein Nienborg das Dokument überlassen hat. Auf Kosten des Heimatvereins wurde die Urkunde im Archivamt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe in Münster restauriert.

„Das war wie ein Puzzlespiel“, gibt Archivamts-Leiterin Birgit Geller ihre vielfältigen Arbeitsschritte mit dem alten Schriftstück wieder. In die beschädigte Flasche war Flüssigkeit eingedrungen, die über einen sehr langen Zeitraum auf die Urkunde einwirkte. Das sehr dünne Papier war zusammengerollt, der mit schwarzer Tusche verfasste Text hatte sich in Teilen gelöst und die Tendenz, sich auf das benachbarte Papier zu übertragen. Das erschwerte Gellers Arbeit.

„Zu Beginn habe ich das Dokument vorsichtig entrollt und im Wasserbad aufgefaltet, da das stark abgebaute Papier ein normales Hantieren nicht zuließ“, beschreibt sie den Beginn ihrer Arbeit. Zum Falten schob sie im Wasserbad einen Teflonspatel zwischen die Papierschichten. Danach wurde das Dokument luftgetrocknet und durch leichtes Besprühen mit Wasser und beschwertes Trocknen geglättet. Soweit wie möglich wurden die Fragmente, die sich gelöst hatten, wieder zugeordnet. Zum Schluss wurde das Dokument auf der Rückseite mit Japanpapier und Weizenstärkekleister kaschiert, die losen Fragmente wurden in den entstandenen Lücken eingefügt.

„Die Urkunde konnte nicht komplett wieder hergestellt werden“, zeigt Theo Franzbach ein paar Lücken in dem Schriftstück. Diese in einem großen Bilderrahmen eingefasste Reproduktion wird künftig im Haus Hugenroth ausgestellt. Das Original verbleibt im Archiv des Heimatvereins.

Volkstrauertag am Sonntag

Vor 40 Jahren fand letztmalig die Kranzniederlegung beim Volkstrauertag am alten Kriegerehrenmal statt. Seit 1978 erfolgt der Festakt am neuen Kriegerehrenmal auf dem Alten Friedhof am Steinweg. In Nienborg beginnen die Gedenkfeierlichkeiten am Sonntag (19. November) um 8.30 Uhr mit dem Hochamt in der St.-Peter-und-Paul-Kirche. Im Anschluss daran treffen sich die Mitglieder des Schützenvereins Wext, Wichum, Ammert und Callenbeck sowie des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Nienborg, die Freiwillige Feuerwehr Heek/Löschzug Nienborg, der Kirchenchor St. Cäcilia Nienborg und der Musikverein Nienborg auf der Burg. Von dort aus erfolgt der Abmarsch zum Kriegerehrenmal. Nach der Kranzniederlegung hält Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff eine Ansprache.

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