Pflegebedarfsplanung des Kreises
Die Zukunft der Pflege ist gesichert

HEEK -

Die gute Nachricht gab es gleich zu Beginn: „Sie können sich glücklich schätzen“, sagte Christian Tewiele von der Stabsstelle Soziales bei der Kreisverwaltung Borken.

Dienstag, 13.02.2018, 18:02 Uhr

Bis zum Jahr 2032 ist die Heeker Bevölkerung mit Pflegeplätzen gut versorgt, so die Zahlen des Kreises.
Bis zum Jahr 2032 ist die Heeker Bevölkerung mit Pflegeplätzen gut versorgt, so die Zahlen des Kreises. Foto: dpa

Die gute Nachricht gab es gleich zu Beginn: „Sie können sich glücklich schätzen“, sagte Christian Tewiele von der Stabsstelle Soziales bei der Kreisverwaltung Borken. Der Verfasser des Entwurfs für die Fortschreibung der Pflegebedarfsplanung im Kreisgebiet war nach Heek gekommen, um den Mitgliedern des Schul- und Sozialausschusses einen Ausblick auf die Situation bis 2032 zu geben. Und der sieht für die Heeker gut aus: „Sie leben im jüngsten Sozialraum kreisweit.“

Mit frappierendem Unterschied bei den Konsequenzen: „In anderen Sozialräumen steigt der Bedarf an Pflegeplätzen bis 2032 um 21 Prozent“, erklärte Tewiele. In der Gemeinde Heek seien es gerade gut drei Prozent. Fazit: „Weitere Einrichtungen sind nicht notwendig.“

Dazu passten auch die Zahlen, die in der gleichen Sitzung von einer Mitarbeiterin der in Nienborg ansässigen Tagespflege-Einrichtung St. Anna präsentiert wurden. „Wir sind zu 70 bis 80 Prozent ausgelastet“, erklärte Annette Krampe . „Wir glauben aber, dass der Bedarf zu 100 Prozent da ist“, sagte sie, „es aber nicht so wahrgenommen wird.“

Die Tagespflegeeinrichtung werde von Mitbürgen aus Nienborg, aber auch aus Ahaus, Ahle, Epe und Legden genutzt, erklärte sie auf Fragen aus dem Ausschuss. Meist kämen die Gäste zunächst zu einem Schnuppertag. Wie oft sie dann kämen, sei individuell ganz unterschiedlich. „Da sind wir total flexibel“, betonte Annette Krampe.

Politik und Verwaltung zeigten sich froh, dass die Gemeinde neben der vollstationären Pflegeeinrichtung St. Ludgerus in Heek, diese „kleine aber feine“ Einrichtung (Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff) einen „Zusatz-Nährwert für die Gemeinde“ biete.

Wie wertvoll der ist, machten die von Christian Tewiele und Pflegeaufsicht Ruth Weddeling skizzierten Entwicklungen im gesamten Kreisgebiet deutlich. Während Heek, Legden und Schöppingen, die zu einem Sozialraum zusammengefasst wurden, zum Teil aktuell „überversorgt“ sind, sieht es etwa im Südkreis-Sozialraum mit der Kreisstadt Borken und den Gemeinden Heiden, Raesfeld und Reken dramatisch aus: Schon 2020 werden, ausgehend von der Altersstruktur der aktuellen Bevölkerung 22 Pflegeplätze fehlen. Bis 2032 sind es fast 150. Noch dramatischer sieht es beim Pflegepersonal aus. Bis 2032 werden kreisweit 1243 Pflegekräfte benötigt – vorausgesetzt, diese arbeiten in Vollzeit. „Aber nur 15 Prozent der Beschäftigten in den Pflegeeinrichtungen arbeiten aktuell in Vollzeit“, rechnete Tewiele vor. „Und 40 Prozent davon sind 50 Jahre und älter.“

Mit anderen Worten: 40 Prozent der aktuell in der Pflege beschäftigten Personen kommen bis dahin selbst ins Rentenalter. Es fehlen also weitaus mehr Kräfte, wie Tewiele und Weddeling deutlich machten, vermutlich etwa 3000 bis 4000 „Köpfe“, wie Tewiele erklärte. „Das sind die eigentlich alarmierenden Zahlen“, kommentierte Matthias Alfert (SPD). Tewiele nickte. „Wenn man hört, dass die Groko 8000 neue Stellen schaffen will, sieht man hier, wie viel das ausmacht.“

Noch nicht absehbar sei, wie die Entscheidung des Kreistags im Sommer über die Fortschreibung der Pflegebedarfsplanung ausfalle – werde sie als verbindlich verabschiedet, könne das den Ausbau verzögern, so Tewieles Einschätzung. Die Förderung über das Pflegewohngeld sei dann nur möglich, wenn der Bedarf dokumentiert ist. Sonst gebe es diese Gelder nicht. „Das ist dann für Investoren nicht attraktiv.“

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