Vortrag im Heimathaus
Der Amtstechniker Josef Bruns

Nienborg -

„Wer war Josef Bruns?“ Mit dieser Frage beschäftigt sich seit einiger Zeit Johannes Buss, Archivar im Heimatverein Nienborg. Details aus dem Leben des Amtstechnikers wird er am Sonntag (25. Februar) ab 17 Uhr im Haus Hugenroth präsentieren.

Mittwoch, 21.02.2018, 06:02 Uhr

Aus dem Leben des Amtstechnikers Josef Bruns berichtet Johannes Buss am Sonntag im Heimathaus. Eine Bronzetafel zu Ehren der Verdienste von Josef und Klara Bruns hängt bereits an deren altem Haus in der Hauptstraße.
Aus dem Leben des Amtstechnikers Josef Bruns berichtet Johannes Buss am Sonntag im Heimathaus. Eine Bronzetafel zu Ehren der Verdienste von Josef und Klara Bruns hängt bereits an deren altem Haus in der Hauptstraße. Foto: Archiv Heimatverein Nienborg/Martin Mensing

Josef Bruns und seiner Tochter Klara war 2009 „für den mutigen Einsatz zum Schutz jüdischer Mitbürger in der Zeit des Nationalsozialismus“ die Gemeindeplakette „Für besondere Verdienste“ verliehen worden. Sie hatten das am 9. August 1937 nach einer Zwangsräumung obdachlos gewordene jüdische Ehepaar Siegmund und Rosa Gottschalk bei sich aufgenommen und bis zu ihrer Deportierung im Dezember 1941 bei sich wohnen lassen. Das nahm der Heimatverein im November 2015 zum Anlass, beide mit einer Bronzetafel an ihrem Haus Nummer 23 in der Hauptstraße zu ehren.

Im vergangenen Heimat- und Rathausspiegel hat Johannes Buss einen Artikel über Josef Bruns‘ Arbeit als Amtstechniker in Epe und Nienborg von 1904 bis 1911 veröffentlicht. Recherchegrundlage war die Akte C 723 aus dem Gemeindearchiv. „In der Zwischenzeit konnte ich viele Dokumente zum Leben von Josef Bruns sichten“, verweist Johannes Buss auf Schulzeugnisse, viele Arbeitszeugnisse, Aktennotizen aus dem Archiv der Gemeinde und des Heimatvereins und aus privaten Beständen. Diese geben vieles über das berufliche wie auch private Leben von Josef Bruns preis.

Johannes Buss hat eine Abhandlung über Bruns‘ Leben verfasst, die mittlerweile 124 Seiten umfasst. „Es war ein sehr spannendes und abwechslungsreiches Leben. Daraus möchte ich nun weitere Begebenheiten vorstellen“, lädt Johannes Buss zu seinem Vortrag ein.

Kurz bevor Josef Bruns seine Arbeit in Nienborg und Epe aufnahm, hatte er die Baugewerkschule (Hochbauabteilung) in Münster mit Prädikat und die Meisterprüfung als Zimmerer mit der Note „gut“ bestanden.

Seine Aufgaben waren es dann, alle technischen Arbeiten auf dem Gebiet des Hoch- und Tiefbaus, nach Anweisung des Amtmannes, auszuführen. Er musste Gutachten und Berichte verfassen, Kostenvoranschläge erstellen und prüfen, Bauarbeiten leiten und bei Feuerschauen mitwirken.

Bruns war verpflichtet, sich an zwei Tagen wöchentlich den Amtsarbeiten zu widmen. Als jährliches Gehalt waren 300 Mark vereinbart. Zwei Jahre später war ihm die Anstellung mit kündbaren Privatverträgen nicht mehr angemessen. So wurde er als Beamter eingestellt, unter der Bedingung, dass Bruns nicht die Pläne begutachte, die von ihm selbst angefertigt wurden. Diese seien dem Kreisbauamt zur Prüfung vorzulegen.

Doch nur kurze Zeit später kam es zwischen Bruns und seinem Dienstvorgesetzten, Freiherr von Dalwigk, zu Spannungen. Bruns wurde vorgeworfen, seine vereinbarten Bürostunden nicht einzuhalten.

„Ob die umfangreiche private Betätigung dem Amtmann von Dalwigk nicht passte oder ob sonst etwas das Verhältnis des Amtstechnikers Bruns zu seinem Vorgesetzten belastete, sodass dem Amtmann der Kragen platzte, kann man nicht mehr genau nachvollziehen. Jedenfalls schickt von Dalwigk in einem geharnischten Brief am 4. August 1909 die fristlose Kündigung“, sagt Johannes Buss.

Einige der Gründe waren wohl, dass der Amtstechniker Unterlagen nicht rechtzeitig fertiggestellt hatte und einigen Arbeiten auf bestimmten Wegen nicht nachkam. So konnten die Berichte an die Königliche Regierung und das Königliche Landratsamt nicht erstattet werden. Bruns wandte sich mit einem Schreiben „An die Amtsvertretung Nienborg“. Darin gibt er als Entschuldigung Mangel an Zeit, Überlastung und Erkrankung an. Beim Radfahren habe er sich einen Herzfehler geholt.

Nach weiteren Schreiben reicht Bruns im Februar 1910 sein Entlassungsgesuch ein. „Damit strapazierte er sicher die Geduld vom Landrat in Ahaus und vom Nienborger Amtmann“, erläutert Johannes Buss. Die Amtsversammlung beschloss, Bruns aus dem Dienst zu entlassen.

Das Kapitel „Amtstechniker Josef Bruns“ war damit aber noch nicht abgeschlossen. Im Sommer 1910 schickte er eine Rechnung über 165 Mark für die Projektanfertigung Schulneubau Heek und Wichum der Gemeinde Heek. Diese lehnte die Zahlung ab, woraufhin Bruns Klage beim Gericht einreichte. Schlussendlich erhielt er sein Geld, und die Auseinandersetzung über die Zahlung der Sondervergütung für die Schulprojekte konnte abgeschlossen werden. Einem Arbeitszeugnis mag man entnehmen, dass die Streitpunkte zwischen dem Amt Nienborg bzw. der Gemeinde Heek und Josef Bruns vollständig ausgeräumt wurden. Im Januar 1911 beendet er auch seine Tätigkeit beim Amt Epe.

► Der Eintritt zum Vortrag ist frei. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

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