Gefährliche Körperverletzung
An den Ursprung des Streits kann sich vor Gericht keiner erinnern

Ahaus -

Wegen Körperverletzung stand ein Nienborger jetzt vor dem Amtsgericht Ahaus. Er soll einen 27-Jährigen im Streit mit einem Stock auf den Kopf geschlagen haben. Das Verfahren wurde eingestellt, weil am Ende aus Sicht des Gerichts zu viele Fragen offenblieben.

Samstag, 24.03.2018, 16:03 Uhr

Vom Amtsgericht Ahaus wurde das Verfahren gegen einen Nienborger wegen gefährlicher Körperverletzung eingestellt.
Vom Amtsgericht Ahaus wurde das Verfahren gegen einen Nienborger wegen gefährlicher Körperverletzung eingestellt. Foto: Rupert Joemann

Als der Angeklagte verspätet mit Jogginghose und Schalke-Mütze den Gerichtssaal betrat, fragte er: „Bin ich hier richtig?“ Als der Richter das Verfahren zwei Stunden später einstellte, hätte er diese Frage auch gut selbst stellen können.

Neun Zeugen hatte der Richter fast zwei Stunden lang vernommen, doch viele Fragen blieben dennoch offen. Der Vorwurf gegen den Nienborger: gefährliche Körperverletzung. Mit einem abgebrochenen Besenstiel soll der Nienborger einem anderen Nienborger im Streit auf den Kopf geschlagen haben, sodass dieser eine Platzwunde und eine Gehirnerschütterung davontrug.

Was bekannt ist: Nach dem Musikfestival auf der Nienborger Burg im Juli kam es zu einem Streit mit mindestens zehn Beteiligten. Was unklar blieb: Wie es dazu kam und was genau sich bei der Auseinandersetzung ereignete.

Der Angeklagte hatte das Festival mit einem Kumpel besucht. Nach Ende der Veranstaltung sei es bereits am Burgtor zur Pöbelei mit sechs Nienborgern gekommen, erklärte er. Der Sicherheitsdienst ging dazwischen und trennte die Gruppen. Doch bereits an der Landesmusikakademie trafen sie wieder aufeinander. Beim dritten Zusammentreffen im Ortskern holte der Angeklagte den Stiel aus seiner Einfahrt.

„Aber auf keinen Fall, um jemanden anzugreifen“, beteuerte der Mann. „Ich wollte die nur einschüchtern, denn ich hatte Angst um meinen Kollegen.“ Der sei von vier Leuten niedergeschlagen worden. „Da habe ich mit dem Stock rumgefuchtelt, um sie zu verscheuchen.“

„Aber sie haben jemanden getroffen“, entgegnete der Richter. „Aber nicht absichtlich“, so der Angeklagte. Alkoholisiert sei er nur minimal gewesen. „0,58 Promille“, las der Richter aus der Akte vor. „Wie viel ist das?“, fragte der Angeklagte. „0,58 Promille.“

Auch der Kumpel konnte nicht zur Aufklärung beitragen. Drei bis vier Leute seien vor seinem Haus auf ihn zugerannt. Dann seien auf beiden Seiten die Fäuste geflogen. An diese Faustschläge konnte sich aber keiner der anderen Kontrahenten erinnern. Überhaupt wollte keiner von ihnen den Streit gesucht haben. So gaben sieben Zeugen nacheinander an, vom Ursprung des Streits nichts mitbekommen zu haben. Dass sie derart unbeteiligt waren, nahm ihnen der Richter nicht ab. Stutzig machte ihn auch, dass einer der unbeteiligten Beteiligten gegen 4.30 Uhr Richtung Tatort gelaufen war, obwohl sein Heimweg in der entgegengesetzten Richtung lag.

„Ich habe den Eindruck, dass nicht alles richtig ist, was Sie sagen“, richtete der Richter an die Zeugen und stellte das Verfahren wegen „geringer Schuld“ ein. Eine Notwehr des Angeklagten sei nicht auszuschließen.

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