St.-Ludgerus-Kirche
Die Glocken schweben zu Boden

Heek -

Die Frauen aus der Geburtstagsrunde im Café des Seniorenzentrums recken ihre Köpfe. Gerade ist ein imposanter Kran vor die St.-Ludgerus-Kirche gefahren. Zwei Transporter samt Anhänger folgen.

Dienstag, 02.10.2018, 19:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 02.10.2018, 18:21 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 02.10.2018, 19:00 Uhr
Vier Glocken sind am Dienstag durch die Fensterluke zu Boden gelassen worden. Sie sollen aufbereitet werden. Nur die Totenglocke hängt noch in der St.-Ludgerus-Kirche.
Vier Glocken sind am Dienstag durch die Fensterluke zu Boden gelassen worden. Sie sollen aufbereitet werden. Nur die Totenglocke hängt noch in der St.-Ludgerus-Kirche. Foto: Markus Gehring

Zwei Mitarbeiter der Dorstener Spezialfirma Diegner und Schade für Turmuhren und Glockenantriebe steigen aus, beratschlagen sich mit dem Kranführer. Die Glocken sollen ohne große Gefahr durch das enge Kirchturmfester nach unten gehievt werden.

„Eigentlich sollte eine Spedition vor Ort sein, die die Fracht direkt nach Bayern bringt, wo die Glocken überholt und ausgebessert werden“, sagt einer der Helfer. Allerdings tauchte das Unternehmen nicht am Morgen auf. Deshalb galt es, schnell umzudisponieren. „Wir laden je zwei Glocken auf unsere Anhänger und bringen sie zu unserem Firmensitz. Von dort sollen sie nachmittags abgeholt werden.“

Auf dem Weg nach oben in den Glockenturm zeugen Zementklümpchen und Schlammreste von intensiven Arbeiten in der vergangenen Woche.

Stück für Stück war die Ausstattung in dem engen Turm auseinander genommen worden. Die Stahlkonstruktion, an denen die fünf Glocken hingen, ist in Einzelteile zerlegt. Ein Steinmetz hatte zudem am Dienstag noch die Fensteröffnung verbreitert. „Zuerst gehen diese Stahlteile heraus, damit wir Platz haben, die Glocken zu bewegen“, bestimmt der Kranführer.

Mit dem Steuergerät in der Hand fährt er die Eisenkette durch die offene Fensterluke und befestigt die Transportbänder an den schweren Trägern. Einer nach dem anderen schwebt förmlich aus luftiger Höhe zu Boden.

Inzwischen sind die Stahlträger sicher auf dem Vorplatz platziert. Jetzt kommt die erste Glocke an die Reihe. Mit viel Fingerspitzengefühl steuert der Kranfahrer mit der bronzenen Last den Anhänger an. Bedächtig setzt er die erste der vier Glocken ab. „Geschafft“, atmen die Helfer erleichtert auf und schnappen sich die bereitliegenden Gurte, um das wertvolle Stück zu sichern.

„Hier in Heek ist der Glockenstuhl noch recht ansehnlich und intakt“, bescheinigen die Facharbeiter. „Wir sind in ganz Deutschland unterwegs und haben da schon ganz andere Ausstattungen gesehen.“

Nur, die Totenglocke wird – wenn erforderlich – auch in den nächsten Wochen ertönen. Die anderen vier Glocken jedoch schweigen: bis Weihnachten. Dann sollen sie wieder an ihrem angestammten Ort hängen – und besser klingen als zuvor.

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