Hausaufgabenraum wird dem Offenen Ganztag zugeschlagen
Mehr Platz für OGS-Kinder

Nienborg -

Der Offene Ganztag in Nienborg ist gefragt wie nie. 51 Kinder nehmen daran aktuell teil, im nächsten Schuljahr werden es noch einige Kinder mehr sein. Hinzu kommen über 20 Kinder in der Übermittags-Betreuung. Doch so langsam wird der Platz knapp.

Freitag, 01.03.2019, 19:00 Uhr
Noch findet in dem Raum mit der kleinen Bücherei in der Bischof-Martin-Schule die Hausaufgabenbetreuung statt. Ab dem nächsten Schuljahr soll dieser dem Offenen Ganztag zugeschlagen werden.
Noch findet in dem Raum mit der kleinen Bücherei in der Bischof-Martin-Schule die Hausaufgabenbetreuung statt. Ab dem nächsten Schuljahr soll dieser dem Offenen Ganztag zugeschlagen werden. Foto: Mareike Meiring

„Wir brauchen einfach mehr Räumlichkeiten“, sagt die OGS-Koordinatorin Alexa Kemper. Dafür hat der Schulausschuss in seiner vergangenen Sitzung den Weg geebnet. Dem Offenen Ganztag soll ein weiterer Raum zugeschlagen werden, der derzeit noch für die Hausaufgabenbetreuung genutzt wird.

„Es gibt andere Städte mit Wartelisten“, weiß Schulleiterin Bernadette Nabers . Aber das wollten die Verantwortlichen in jedem Fall vermeiden. Denn muss eine Auswahl getroffen werden, sind die Kriterien in vielen Fällen ähnlich: Kinder mit zwei berufstätigen Eltern haben Vorrang, ebenso wie jene von Alleinerziehenden. Doch es gebe auch andere Kinder, die in der OGS „aus pädagogischen Gründen“ gut aufgehoben sind, findet Nabers: Etwa, weil sie Einzelkinder sind und ihnen Zuhause der Spielpartner fehlt, weil sie Zuhause keine Möglichkeit zum Toben haben, weil sie Zuhause nicht die Ruhe finden, um vernünftig Hausaufgaben zu machen.

Mittlerweile sind es zu Stoßzeiten rund um den Mittag fast 80 Kinder, die sich in den Räumen des Offenen Ganztags aufhalten. Das sei zu viel für die aktuellen Räume, sagt Nabers. Deshalb haben Förderverein, Schulleitung und OGS in Nienborg nach einer effektiven Lösung für die Raumnot gesucht. Und eine gefunden.

Der Raum für die Hausaufgabenbetreuung soll der OGS zufallen, die Betreuung findet stattdessen in verschiedenen Klassenräumen statt, die nachmittags nicht für den Unterricht genutzt werden. Dafür muss der Raum aber umgerüstet werden. Es braucht einen neuen Teppichboden, zusätzliche Möbel, neues Spielzeug. Das Waschbecken soll abgebaut werden, die PCs sollen in das Schulnetz integriert werden. Zudem soll der Raum mittels Schrankwänden zweigeteilt werden. Die Kosten liegen bei rund 13 000 bis 15 000 Euro, über die der Rat noch beschließen muss. Gehen die OGS-Zahlen entgegen der Erwartung in den nächsten Jahren wieder zurück, könnte der Gruppenraum als Multifunktionsraum auch anderweitig von der Grundschule genutzt werden.

Auch das Personal soll sich nach oben entwickeln. Eine zusätzliche Kraft soll eingestellt werden, die das jetzige zehnköpfige Team unterstützt. Hinzu kommen zumeist noch ein Praktikant oder eine Praktikantin sowie ein Bundesfreiwilligendienstler (Bufdi). Einige der Mitarbeiterinnen haben eine Ausbildung zur Erzieherin oder Kinderpflegerin, andere haben verschiedene Weiterbildungen gemacht, erzählt Koordinatorin Kemper.

Nach Angaben von Bernadette Nabers sind es fast 60 Prozent der Schüler, die eines der Betreuungsangebote nach dem Unterricht nutzen. Und die Zahlen steigen seit Jahren. „Es hat sich einfach rumgesprochen“, begründet es die Schulleiterin. Für immer mehr Familien werde es zur Normalität.

Hinzu komme die gute Qualität zu niedrigem Preis. Nur 35 Euro zahlen Eltern pro Monat für ein Kind in der OGS der Grundschule, hinzu kommen 45 Euro fürs Mittagessen. Die Übermittagsbetreuung bis 13 Uhr kostet 25 Euro pro Monat. Dafür hat die OGS so einiges im Angebot. Mittagessen von Apetito, das durch frische Beilagen angereichert wird, allerlei Spielzeug, Hausaufgabenbetreuung, verschiedene AGs – die Kinder können aus zahlreichen Angeboten wählen.

Doch die Mitarbeiterinnen wissen auch: „Besonders die Kleinen sind nach dem Unterricht und dem Mittagessen platt und wollen einfach nur spielen“, sagt Kemper. Und dafür gibt es in der Schule und auf dem Hof zahlreiche Möglichkeiten – und in Zukunft wohl noch einige Quadratmeter mehr.

Kommentar: Höhere Beiträge wären gerechtfertigt

Durchgehende Betreuung bis kurz vor 16 Uhr, massig Platz zum Spielen und Toben, allerlei AGs und qualifizierte Hausaufgabenhilfe: Was den Kindern in der OGS in Nienborg geboten wird, ist vorbildlich. Und das – ohne die Kosten fürs Mittagessen – für gerade mal 35 Euro pro Monat und Kind. Schon allein ein Blockflötenkurs bei einer Musikschule könnte preislich mit diesem Angebot nicht mithalten. Und der findet nur einmal die Woche statt. Nicht nur Eltern in Städten wie Münster müssen da ordentlich mehr berappen. Auch in Gronau liegen die Beiträge je nach Einkommen der Eltern zwischen 29 und 174 Euro pro Monat. Die niedrigen Beiträge in Heek hatten unlängst auch die Gemeindeprüfungsanstalt auf den Plan gerufen. Sie rät nicht nur, die Beiträge nach Einkommen zu staffeln, sondern auch, sie generell zu erhöhen. Ein richtiger Vorschlag. Zumal jene, die ein Recht auf Bildungs- und Teilhabeleistungen haben, ohnehin von den Beiträgen befreit sind.

Bleiben die Beiträge dagegen so niedrig, wird die derzeitige Qualität des Offenen Ganztags mitsamt des pädagogischen Fachpersonals zukünftig kaum noch zu bezahlen sein. Oder die Kommune muss umso tiefer in die eigene Tasche greifen.

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