Niemals geht man so ganz . . .
Diakon Harald Schneider bleibt Kirchengemeinde trotz Ruhestand erhalten

Heek -

Eine gute Portion Leidenschaft gehört für Diakon Harald Schneider zu seinem Beruf hinzu. Nun verlässt er mit 63 Jahren den aktiven Dienst in der Kirchengemeinde Heilig Kreuz. In vielen Bereichen bleibt er ihr aber trotzdem erhalten.

Samstag, 23.03.2019, 06:00 Uhr
Sein Büro im Kreuzzentrum wird Harald Schneider vorerst behalten, mitsamt der Literatur, die sich dort in all den Jahren angesammelt hat. Trotzdem verlässt er den aktiven Dienst in der Pfarrei und wird offiziell am 31. März verabschiedet.
Sein Büro im Kreuzzentrum wird Harald Schneider vorerst behalten, mitsamt der Literatur, die sich dort in all den Jahren angesammelt hat. Trotzdem verlässt er den aktiven Dienst in der Pfarrei und wird offiziell am 31. März verabschiedet. Foto: Mareike Meiring

Wenn Diakon Harald Schneider erst einmal loslegt, ist er nur schwer zu stoppen. Gestenreich und mit Leidenschaft spricht er über seine Entscheidung, als Diplom-Ingenieur zunächst Priester werden zu wollen und dann auf die Ausbildung zum Pastoralreferenten umzusatteln, über seine vielen Jahre in der Jugendarbeit in der Kirchengemeinde Heilig Kreuz, über die Gespräche mit jungen Eltern, wenn sie ihre Kinder taufen lassen wollen.

Wenn es dann aber um die Missbräuche in der Kirche oder den Skandal um den Bischof von Limburg spricht, mischt sich Wut in seine Stimme. „Man tut so viel, um die Leute vor Ort zu erreichen, und dann passieren solche Dinge. Das ist für uns wie ein Schlag ins Gesicht“, meint Schneider. „Das macht mir zu schaffen, das bewegt mich.“ Und das wird ihn weiterhin bewegen. Auch nach seinem Renteneintritt zum 1. April.

Denn Harald Schneider verlässt mit 63 Jahren zwar am 31. März den aktiven Dienst in der Kirchengemeinde. In vielen Bereichen bleibt er ihr aber trotzdem erhalten. Für den Dienst bei Beerdigungen, Trauungen, Silber- und Goldhochzeiten, Taufen, als Notfallseelsorger für die Feuerwehr sowie in der Organisation „Dienst am Nächsten“ und der Hospizgruppe. Doch dafür werden die regelmäßigen Termine weniger werden, ihm bleibt mehr Zeit für die Familie und für Reisen, zum Lesen und für die Gesundheit.

Dabei ist Harald Schneider Umbrüche in seinem Leben gewohnt. Denn sein Lebensweg verlief alles andere als geradlinig. Immer wieder bog er ab, änderte noch einmal die Richtung. Als Architekt entschied er sich, die Ausbildung zum Priester zu beginnen, kurz vor der Weihe justierte er noch einmal neu und begann eine Ausbildung zum Pastoralreferenten (siehe Kasten). Auf diesem Weg ist er geblieben. Und dieser führte ihn vor 26 Jahren nach Heek. Seitdem ist er der Pfarrei Heilig Kreuz erhalten geblieben, stieß viele Veränderungen an, stellte unter anderem die Jugendarbeit auf breitere Füße.

Harald Schneiders Werdegang

Der heute 63-jährige Harald Schneider ist in der Stadt Moers am Niederrhein aufgewachsen. Nach der Schule studierte er Architektur und arbeitete danach als Ingenieur in einem Büro. Dort habe er gemerkt, „das kann nicht alles sein“, sagt Schneider und entschied sich, doch noch Priester zu werden. Also begann er mit dem Studium der Katholischen Theologie an der Uni Münster. Doch kurz vor der Weihe wurde ihm klar, dass ihn die Lebensform als Priester unglücklich machen würde, er damit weder der Gemeinde noch nicht selbst gerecht werden würde. Und trotzdem war die Arbeit genau das, was er suchte. Also begann der Diplom-Theologe kurz vor der Weihe die Ausbildung zum Pastoralreferenten. Diese beendete er mit 32 Jahren, kurz danach heiratete er, mittlerweile ist er Vater von vier Kindern.Drei Jahre war er zunächst Pastoralassistent am Niederrhein, danach kam er nach Heek, im Alter von 37 Jahren. Ein Jahr später kam auch Pfarrer Josef Leyer in die Kirchengemeinde, beide kannten sich bereits aus ihrer Zeit im Borromaeum, dem Priesterseminar in Münster. Vor elf Jahren wurde Harald Schneider im Dom zu Münster zum Diakon geweiht.

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Für ihn ist vor allem eines wichtig: dass die Kirche und die Menschen, die für sie arbeiten, authentisch sind. „Jesus wird spürbar durch die Menschen, dadurch, wie sie miteinander umgehen“, meint er. Es gebe so viele Menschen, die sich im guten Sinne für die Kirchen und den Glauben einsetzen. „Die Kirche ist so gut wie die Menschen, die in ihr leben“, findet er. Dabei scheut er auch keine kritischen Gespräche mit Gemeindemitgliedern. Ganz im Gegenteil: Ihm gefällt es, wenn sie sich mit dem Glauben auseinandersetzen und ihn an ihren Gedanken teilhaben lassen.

Fragt man Harald Schneider danach, wie er sich die Kirche in 100 Jahren wünscht, muss er nicht lange überlegen. Die hierarchischen Strukturen sollten aufgeweicht werden, Laien sollten mehr Mitsprache, die Ortskirche sollte mehr Gewicht bekommen. Damit meint er nicht nur die Kirchengemeinden, sondern auch das Bistum sowie die Länder. „Die deutsche Kirche ist ja schon eine ganz andere wie zum Beispiel jene in Indien“, sagt er. Und überall würden andere Themen diskutiert. Während etwa in Deutschland das Zölibat scharf kritisiert werde, sei das in Indien kaum ein Thema.

Und noch etwas treibt ihn um: „Ich würde mir wünschen, dass das Zölibat in der aktuellen Form aufgehoben wird“, sagt er. Vielmehr solle man es den Menschen freistellen, ob sie diese Lebensform wählen möchten. Und gleichzeitig sollten Frauen mehr Mitsprache bekommen, auch das Recht haben, als Priesterin zu fungieren.

Doch wenngleich er der Meinung ist, dass in der Kirche „dringend etwas passieren muss“, weiß der 63-Jährige, dass das nicht von heute auf morgen passiert. „Die Kirche ist sehr hierarchisch, da dauert so etwas länger. Das ist nicht schön, aber das ist so.“ Die Kirche sei als Weltkirche mitten in einem Spannungsverhältnis, über Staatsgrenzen und Kontinente hinweg.

Zudem sieht er jeden einzelnen am Zug. „Wir müssen etwas für unseren Glauben tun“, findet Schneider. Sich selbst sieht er nur als Impulsgeber, nicht als der Mann, „der weiß, wo es langgeht“. Explizit richtet er seine Worte dabei auch an die jüngeren Gemeindemitglieder: „Ich würde mir wünschen, dass die Jugendlichen den Mut haben, nach vorne zu gucken, auch in der Kirche.“

Es gelte stets, eine Verbindung zu schaffen zwischen dem heutigen Leben und den Inhalten der Bibel. Schneider sagt: „Das ist zwar manchmal schwierig. Aber man bekommt es hin.“

►Zur Verabschiedung von Diakon Harald Schneider lädt die Kirchengemeinde am 31. März (Sonntag) alle Gemeindemitglieder um 11 Uhr zu einem Dankamt in die Ludgeruskirche ein. Dabei stellt Harald Schneider seine Predigt unter den Titel „Alles hat seine Zeit (Koh 3)“.

Nach dem Gottesdienst besteht die Möglichkeit zur Begegnung im Kreuzzentrum am Kirchplatz. Anstelle von Geschenken bittet Harald Schneider um eine Spende für das St.-Elisabeth-Hospiz in Stadtlohn und das ambulante Hospizteam in Heek.

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