Goldprüfer in Heek
Michael Maurer lässt beim Goldpreis nicht mit sich handeln

Heek -

Ein Experte bewertet Edelmetalle im Heeker Schmuckgeschäft Pieper. Nüchterne Taxierung und emotionaler Wert – bei der Bewertung prallen Welten aufeinander.​

Donnerstag, 11.04.2019, 06:00 Uhr
Michael Maurer ermittelt den Wert von Edelmetall. Die Geschichte hinter dem Schmuck spielt für den Goldexperten dabei keine Rolle.
Michael Maurer ermittelt den Wert von Edelmetall. Die Geschichte hinter dem Schmuck spielt für den Goldexperten dabei keine Rolle. Foto: Falko Bastos

Am Ende nennt Michael Maurer nur eine Zahl. 107,31 Euro, aufgerundet 108 für drei Familienerbstücke. Zwei Goldringe und eine Kette. Die junge Frau nimmt es mit Humor: „Dann brauche ich sie ja nicht einzuschließen.“ Verkaufen wollte sie die Schmuckstücke ohnehin nicht. „Da hängen zu viele Erinnerungen dran.“ Stattdessen hat sie den Schmuck-Experten nur aufgesucht, um eine Vorstellung vom Wert zu bekommen.

Michael Maurer ist aus Bremen gekommen, um beim Heeker Uhren- und Schmuckhändler Pieper Edelmetalle zu bewerten. Im Auftrag des Ladens macht er Angebote und wickelt die Geschäfte ab – im Nebenzimmer. Diskretion ist wichtig. „Das ist ein heikles Thema“, sagt Jutta Kösters vom Heeker Schmuckladen. „Manche müssen ihren Schmuck aus Not verkaufen. Und vielen ist es extrem peinlich.“

„Das ist schon eine Überwindung, hier das Zahngold auf den Tisch zu legen“, bestätigt Experte Maurer. Dennoch herrscht reger Betrieb am Mittwochvormittag. Eine Golduhr, einen Silberarmreif, mehrere Ringe, eine vergoldete Brosche, ein Münzanhänger hat Maurer den Kunden schon abgekauft. Für 210 Euro. „Das ist der absolute Standard“, sagt der gelernte Goldschmied, der seit zehn Jahren als Berater durch die Republik fährt. Echte Raritäten sind selten in seinem Beruf.

„Es gibt kaum etwas, das noch verkauft werden kann“, verrät er. Das heißt: Ihn interessiert nicht die Geschichte hinter dem Schmuck, sondern nur der Materialwert. „Das würde heute keiner mehr kaufen“, ist einer seiner häufigsten Sätze. Ist der Schmuck nicht wieder zu verkaufen, wird er recycelt, also eingeschmolzen.

Oft muss er die Kunden enttäuschen. Denn viele kommen mit hohen Erwartungen, trennen sich von den Schätzen, die ihre Großeltern hinterlassen haben. Leid tut Maurer das aber nicht: „Wer sich entschließt zu verkaufen, will in der Regel loslassen.“

Ohnehin lässt ihn die emotionale Bedeutung des Edelmetalls kalt. Er selbst trägt keinen Schmuck. „Ich brauche das nicht und fühle mich ohne Schmuck wohler.“ Seine Armbanduhr ist aus Kunststoff.

Entsprechend nüchtern fallen die Beratungsgespräche aus. Mauer prüft das Material und die Legierung, wiegt und rechnet. Ist die Legierung nicht erkennbar eingestempelt, greift Maurer zum Säuretest. Auf einem Naturstein reibt er einen 333er-Ring, der seine Spuren hinterlässt. Anschließend pinselt er eine Säure zur Prüfung einer 585er-Legierung auf. „Der Strich löst sich auf, weil das Material unterlegiert ist“, erklärt Maurer. Ist die Legierung bekannt, geht es nur noch um das Gewicht. Und dann nennt Michael Maurer eine Zahl.

Verhandelbar ist die nicht. Denn weil er sich am aktuellen Goldpreis orientiere, gebe es keinen Spielraum zum Feilschen. Dazu komme „eine kleine Marge.“Rund 37 Euro kostet ein Gramm Gold derzeit. Seit 1973 hat sich der Preis verzehnfacht. „Deshalb kommen viele Leute und wollen eine Schätzung.“ Dabei gebe es auch manch positive Überraschung. Aber eben nicht immer.

Die nächste Kundin hat ein zwölfteiliges Silberbesteck-Set dabei. Ein Erbstück. „Das lag 30 Jahre unbenutzt in meinem Schrank. Wenn es sich lohnt, verkaufe ich es“, sagt sie. „Denn weitervererben will ich es auch nicht. Wer benutzt schon Silberbesteck?“ Geputzt habe sie es nicht, erklärt sie dem Experten. „Müssen Sie auch nicht, das wird komplett eingeschmolzen“, antwortet der, bevor er das Kästchen öffnet.

Seine Lupe braucht Michael Maurer nicht. Auf den ersten Blick erkennt er: „Das ist versilbertes Messing.“ Dabei sei der Silber-Anteil extrem gering. Auch das Gewicht der Messer täuscht ihn nicht. „Die sind mit Gips und Sand gefüllt.“ Michael Maurer nennt seine Zahl: 20 Euro. „Ist ja der Hammer“, entgegnet die überraschte Frau und packt ihr Besteck wieder ein.

Manchmal ist es eben doch nicht das Material allein, das zählt.

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