Verkehrliche Erschließung des Hülsta-Geländes
Ringstraße statt Sackgasse

Heek -

Mehrere gute Nachrichten – und eine schlechte – hatte Verkehrsingenieur Lothar Bondzio im Gepäck, als er am Mittwochabend dem Bauausschuss die Ergebnisse seines Verkehrsgutachtens präsentierte. An sechs Punkten rund um das ehemalige Hülsta-Gelände hatte der Gutachter das aktuelle Verkehrsaufkommen gemessen und daraufhin eine Prognose der zukünftigen Verkehrsbelastung erstellt.

Donnerstag, 11.04.2019, 18:08 Uhr aktualisiert: 11.04.2019, 18:36 Uhr
Besonders Linksabbieger auf die B70 stehen hier lange. Der Verkehrsgutachter empfiehlt eine Ampel.​
Besonders Linksabbieger auf die B70 stehen hier lange. Der Verkehrsgutachter empfiehlt eine Ampel.​ Foto: Falko Bastos

Eines seiner Ergebnisse: Das bestehende Straßennetz sei für die Abwicklung des heutigen Verkehrsaufkommens ausreichend dimensioniert. Durch das geplante Gewerbegebiet hat der Gutachter ein zusätzliches Verkehrsaufkommen von rund 1000 Kfz pro Tag errechnet. Und durch die Kita kämen rund 160 Autos pro Tag hinzu. „Jedes Kita-Kind erzeugt vier Wege pro Tag.“

Zusätzlich hatte er die künftige Wohnbebauung im Baugebiet Strothbach berücksichtigt. Ein Verkehrschaos durch den zusätzlichen Autoverkehr befürchtet er aber nicht. So sei der Verkehr an fünf von sechs Knotenpunkten jederzeit leistungsfähig abzuwickeln. Der einzige Problemfall: Am Knotenpunkt Stroot/B 70 sei dies nicht gegeben. In Schulnoten ausgedrückt erwartet er in der morgendlichen Rush-Hour eine mangelhafte Verkehrsqualität. „Das geht so gerade noch, ist aber mit langen Wartezeiten verbunden“, so Bondzio . Zur nachmittäglichen Spitzenstunde zwischen 16 und 17 Uhr heißt die Note: Ungenügend. Daher bestehe dringender Handlungsbedarf. Das prognostizierte Verkehrsaufkommen könne „nicht mehr leistungsfähig abgewickelt werden“, heißt es im Gutachten.

Schon heute komme es am Nachmittag zu langen Wartezeiten, Note: Mangelhaft. Bauamtsleiter Herbert Gausling sah dies als Argumentationshilfe: „Das haben der Kreis und Straßen NRW immer angezweifelt.“

„Sie werden nicht drum herumkommen, sich damit zu beschäftigen“, so Bondzio. Sein Vorschlag: eine Ampel. Denn einen Kreisverkehr werde der Landesbetrieb mit hoher Wahrscheinlichkeit ablehnen. Mit dieser Maßnahme sei die verkehrliche Erschließung des Geländes gesichert. Auch die geplante Ampel an der A 31 sei da kein Problem. Bis zu einem Abstand von 600 Metern könne man die Ampelschaltung für eine „grüne Welle“ koordinieren, so Bondzio.

Eine Empfehlung bezüglich der beiden zuletzt diskutierten Erschließungs-Varianten, zwei Sackgassen oder eine Verbindungsstraße, enthielt das Gutachten nicht. Beide Varianten hatte der Gutachter berücksichtigt, aber kaum Auswirkungen auf die Verkehrsbelastung festgestellt. „Im Großen und Ganzen ist das keine andere Welt. Eine von der Verwaltung befürchtete „Schleichweg-Funktion“ zwischen den beiden Discountern sehe er nicht. Der erwartete Durchgangsverkehr sei mit rund 20 Autos zu Spitzenzeiten überschaubar. „Dafür ist die Strecke zu umwegig.“ Auch die Ampel zwischen Stroot und B 70 sei unabhängig von der Variante nötig.

Damit war der Weg frei für die Diskussion über die Verkehrsführung. Der Rat hatte den Bauausschuss beauftragt, eine endgültige Entscheidung über den Straßenverlauf auf dem Gelände zu fällen. In mehreren Gremien hatten die Fraktionen über die beiden Varianten gestritten. Die Verwaltung hatte zuletzt eine Variante mit zwei Sackgassen bevorzugt, womit sich die CDU-Fraktion nicht anfreunden konnte. Deshalb legte die Verwaltung zwei Varianten einer Verbindungsstraße vor: entweder über eine Verlängerung des Gleiswegs parallel zur B 70 oder mit einem Durchstich der neuen Planstraße zum Wendehammer am Gleisweg. Dabei bevorzuge sie aus Kostengründen die Verlängerung des Gleiswegs am nördlichen Rand des Geländes.

„Mit dieser Variante können wir uns gut anfreunden, das unterstützen wir“, erklärte Hermann Kösters ( SPD ). Nicht so die CDU-Fraktion: „Unser Ansatz ist: Wir wollen keinen Wendeverkehr von Lkw“, äußerte Susanne Weilinghoff ( CDU ). Daher wolle die Fraktion beide Verbindungswege und damit eine „Ringstraße“. Nun also zwei Verbindungsstraßen statt zwei Sackgassen.

„Ich kann mit beiden Varianten gut leben“, teilte Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff mit. Auch er sei kein Freund von Wendehämmern. Thorsten Meyer vom Bauamt dagegen gab zu bedenken, dass die neue Variante einiges an zusätzlichem Planungsaufwand bedeute: „Möglich ist alles, aber dann müssen wir einiges umwerfen.“

Das wollte Mario Strehlow nicht gelten lassen: „Wir waren schon immer skeptisch gegenüber der Sackgassen-Lösung. Und es hieß immer, eine Änderung der Planungen sei jederzeit möglich.“

SPD-Vertreter Kösters verwies dagegen auf die höheren Kosten einer Ringstraße. „Wir wollen die wirtschaftlichste Lösung“, ergänzte sein Parteikollege Stefan Amshoff. Die Variante mit zwei Durchgangsstraßen sei diejenige mit dem höchsten öffentlichen Flächenverbrauch, erklärte dazu Weilinghoff. Das heiße mehr Kosten für den Straßenbau und weniger veräußerbare Fläche, fügte Gausling hinzu. „Man kann sich an den Kosten aufhängen, aber wir wollen eine optimale Verkehrsführung“, entgegnete Jörg Rosery. „Und wir haben nur einmal die Möglichkeit.“

Der Bürgermeister drängte auf einen Beschluss und warnte vor einer Vertagung des Themas. „Ich habe die Sorge, dass sich das noch mal verzögert.“ Gegen die Stimmen der SPD beschloss der Ausschuss den doppelten Durchstich, den die Verwaltung nun umsetzen soll. Beide Wendehämmer entfallen damit.

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