Schulalltag an der Kreuzschule
Europa ist auf Sendung

Heek -

Europa ist für die Kreuzschüler kein abstraktes Gebilde, Europa gehört für sie zum Schulalltag. Das soll für die Schüler in Zukunft noch stärker spürbar sein.

Samstag, 11.05.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 12.05.2019, 17:40 Uhr
Beim Markt der Kulturen im Jahr 2017 waren alle Schülerinnen und Schüler der Kreuzschule beteiligt. An 28 Ständen stellten sie die verschiedenen Mitgliedsländer der Europäischen Union vor, inklusive zahlreicher kulinarischer Angebote.
Beim Markt der Kulturen im Jahr 2017 waren alle Schülerinnen und Schüler der Kreuzschule beteiligt. An 28 Ständen stellten sie die verschiedenen Mitgliedsländer der Europäischen Union vor, inklusive zahlreicher kulinarischer Angebote. Foto: Mareike Meiring

Europa ist für die Kreuzschüler kein abstraktes Gebilde, Europa gehört für sie zum Schulalltag. Sie arbeiten mit Schulen grenzüberschreitend an Projekten, sie besuchen sich gegenseitig mit Austauschschülern aus den Niederlanden, sie machen Radiosendungen auf drei Sprachen.

Spricht man zwei der Kreuzschülerinnen auf die Europäische Union an, denken sie nicht als erstes an Brüssel, an das Parlament oder an Richtlinien und Verordnungen. Sie denken an die Menschen, an die verschiedenen Sprachen, an ihren Kontakt zu den niederländischen Austauschschülern. Und haben die Erfahrung gemacht: „Man versteht sich, die Sprachgrenze merkt man gar nicht“, sagt die Neuntklässlerin Victoria Hage über den Austausch mit den Schülern aus dem niederländischen Aalten. Ihre Klassenkameradin Alina Probst pflichtet ihr bei: „Wir haben noch immer Kontakt zu ihnen.“

Ende 2016 war es, als sich die Kreuzschule entschied, den europäischen Gedanken noch stärker in den Schulalltag zu integrieren. Die Lehrer Kai Großkopf und Elisabeth Budde setzten sich hierfür den Hut auf, holten sich die ehemalige Europaabgeordnete Jutta Haug an die Seite, organisierten Projekttage zum Thema Europa, veranstalteten mit der ganzen Schule einen großen Markt der Kulturen auf dem Schulhof. Doch das Projekt Europa sollte nicht nur ein Strohfeuer bleiben – und Lehrer wie Schüler blieben weiter am Ball. Und wollen es auch in Zukunft bleiben, wie sie im Gespräch erzählen.

Standen Rede und Antwort zum Thema Europa: Martina John, Kai Großkopf, Elisabeth Budde und die Schülerinnen Alina Probst und Victoria Haget.

Standen Rede und Antwort zum Thema Europa: Martina John, Kai Großkopf, Elisabeth Budde und die Schülerinnen Alina Probst und Victoria Haget. Foto: Mareike Meiring

Den zwei Schülerinnen Victoria Haget und Alina Probst fällt da als erstes das Schulradio ein, an dem 20 Schülerinnen und Schüler aus dem neunten Jahrgang mitwirken. „Just like you“, heißt das Radio, das als Europa-AG entstanden ist. Dabei befassen sich die Radiomacherinnen und Radiomacher immer wieder auch mit internationalen Themen. Die Kreuzschüler interviewten schon den Enscheder Bürgermeister bei einem Besuch an der Paulusschool, planen aktuell eine Fahrt nach Amsterdam, entwickeln Audiobeiträge an der Schule auf Deutsch, Niederländisch und Englisch, die über QR-Codes abrufbar sein sollen. In einer der nächsten Sendungen wollen sie Deutschland mit anderen Ländern vergleichen. „So können wir das Thema Europa nutzen, um weitere Kompetenzen bei den Schülern zu stärken“, sagt Lehrer Kai Großkopf.

Wohin die Reise beim Schulradio geht, entscheiden die Jugendlichen selbst. „Es ist ein Prozess, den wir mit Freude beobachten“, sagt Kai Großkopf. Dem kann Kollegin Elisabeth Budde nur beipflichten. „Radio hat ja immer auch etwas mit Sprache zu tun. Und da haben die Schülerinnen und Schüler wahnsinnige Fortschritte gemacht.“

Doch die Radio-AG ist nicht die einzige Aktion an der Schule, mit der Europa erlebbar gemacht werden soll. Daneben gibt es auch den stetig wachsenden Austausch mit der Partnerschule aus dem niederländischen Aalten. Zudem hat die Schule die AG „Grenzüberschreitend Forschen“ ins Leben gerufen, bei dem Kreuzschüler und Schüler der Prinseschool aus Enschede an Projekten in Technik, Informatik, Naturwissenschaften und Kunst arbeiten.

Lehrerin Elisabeth Budde schwärmt zudem von der Arbeit mit der Onlineplattform „E-Twinning“ der Europäischen Kommission. Dort sind laut Internetseite über 200 000 Schulen aus ganz Europa registriert, die gemeinsam fast 90 000 Projekte entwickelt haben. Darüber sei etwa schon eine Kooperation mit einer Schule aus Frankreich entstanden, erzählt Budde. „Es ging um Beiträge zum Thema Frühling“, sagt sie. Die Kreuzschüler bekamen so Eindrücke aus Frankreich, ihre eigenen wiederum schickten sie an die Franzosen.

Bewegende Eindrücke sammelten einige Schülerinnen und Schüler aus der zehnten Klasse auch bei einer Fahrt ins französische Verdun, um einen Soldatenfriedhof und eine Erinnerungsstätte zu besuchen. Wenig später wurden sie dann in den Landtag eingeladen, um dort im Plenarsaal zur Festveranstaltung „100 Jahre Ende des Ersten Weltkrieges – 55 Jahre deutsch-französische Freundschaft“ über ihre Eindrücke zu sprechen. „Das war ein unvergessliches Erlebnis“, sagt Großkopf, der mit vor Ort war.

Fürs nächste Jahr visiert Kai Großkopf eine ähnliche Fahrt an. Derzeit stehe er deshalb im Gespräch mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Dabei denkt die Kreuzschule an ein Austauschprojekt mit einer Schule in Belgien, für das sich die Jugendlichen bewerben können. „Dann kann die Begegnung auf Niederländisch stattfinden“, sagt Großkopf. Die Lehrerinnen und Lehrer sind der Meinung: „Etwas wird erst dann gut, wenn die Schüler sich mit Herzblut engagieren.“ Deshalb soll der europäische Gedanke an der Schule von innen heraus wachsen. Getreu dem Motto: Der Weg ist das Ziel.

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