Mangel an Vergünstigungen
Familienpass fristet ein Schattendasein

Heek -

Seit 19 Jahren gibt es einen Familienpass in der Gemeinde. Doch der praktische Nutzen für Familien ist begrenzt, denn es mangelt an attraktiven Angeboten. Beworben wird er daher nicht mehr.

Montag, 13.05.2019, 07:00 Uhr
Im vergangenen Jahr ist nur noch ein Familienpass ausgestellt worden. Die Karte fristet ein Schattendasein.
Im vergangenen Jahr ist nur noch ein Familienpass ausgestellt worden. Die Karte fristet ein Schattendasein. Foto: dpa

Fast ist der Familienpass in der Gemeinde in Vergessenheit geraten. Selbst ein Hinweis auf seine Existenz ist nicht leicht zu finden. Auf der Gemeindehomepage findet er keine Erwähnung. Ende 2000 wurde er auf CDU-Antrag angeführt. Damaliges Ziel war es, Familien in der Gemeinde Vergünstigungen zu bieten, um sich als familienfreundliche Gemeinde zu präsentieren.

Die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Mittwoch nutzte die CDU-Fraktion nun, um nachzufragen, was aus der Karte geworden ist. Zunächst habe die Fraktion nur die Bezugsbedingungen anpassen wollen. Denn sie gilt für Familien erst ab dem dritten Kind. „In Ahaus hat man auf veränderte Familienverhältnisse reagiert und bietet sie schon ab dem ersten Kind an“, so Ingo Trawinski ( CDU ). „Darauf haben wir uns die Situation angesehen und festgestellt, dass das Thema bei uns sehr stiefmütterlich behandelt wird.“ Deshalb richtete die Fraktion einen Fragenkatalog an die Verwaltung. Welche Vergünstigungen angeboten werden, wie viele Familienpässe zuletzt ausgestellt wurden und wie der Familienpass beworben wird, wollte sie unter anderem wissen.

Die Antwort fiel ernüchternd aus. Lediglich das katholische Bildungswerk rechne mit der Gemeinde Vergünstigungen auf ihr Kursprogramm ab. „Weitere Ermäßigungen sind aktuell nicht bekannt“, heißt es in der Vorlage. Nach der Ausstellung von 312 Familienpässen bis 2017 werde inzwischen keine Liste mehr geführt. Ein einziger Familienpass sei im laufenden Jahr ausgestellt worden. Und weiter: „Aktiv beworben wird der Familienpass aktuell nicht.“

„Das Kernproblem ist nicht die Information sondern, die Frage, was man damit machen kann“, erklärte Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff . „Wir haben nicht viele Angebote, die wir bieten können.“ Schließlich gebe es keine klassischen öffentlichen Einrichtungen, die Vergünstigungen anbieten können, wie etwa ein Schwimmbad. Andere Angebote seien ohnehin kostenlos und auch das Kindertheater könnte künftig kostenlos werden.

Ziel sei es daher, das Familienangebot auf Kreisebene zu bündeln, doch dies umzusetzen gestalte sich schwierig. „Da spielen die großen Kommunen nicht mit“, so Weilinghoff. „Denn die haben die attraktiven Angebote“. Entsprechend seien dann Kostenbeteiligungen fällig.

Realistischer sei daher eine Zusammenarbeit mit kleineren Nachbargemeinden wie Legden und Schöppingen, um ein gemeinsames Angebot zu schaffen. Aber auch da gelte: „Uns fehlt noch die Idee, was wir anbieten können. Aber wir wollen etwas machen.“ Denn grundsätzlich sei ein Familienpass ein tolles Angebot für Neuankömmlinge. „Aber es muss einen Mehrwert geben. Etwas zu bewerben, was man nicht hat, macht keinen Sinn.“ Erst müsse das Angebot attraktiver werden, bevor es beworben werde, gab Trawinski ihm recht.

Und so bleibt der Familienpass wohl vorerst ein theoretisches Angebot. Der Ausschuss beauftragte den Bürgermeister, die Interessen der Gemeinde in der Bürgermeisterrunde für eine Vereinheitlichung der Angebote zu vertreten und bis Jahresende Bericht zu erstatten.

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