Frau erstochen und in Teich versenkt
Elfeinhalb Jahre Haft für Ehemann

Münster/Heek -

Er hatte seine Ehefrau erstochen und in einem Teich in Heek versenkt. Der 32-jährige Asylbewerber aus Russland konnte es nicht ertragen, dass seine Frau ihren eigenen Weg gehen wollte. Der Exsoldat fühlte sich in seiner Rolle als Mann gekränkt.

Freitag, 17.05.2019, 00:00 Uhr aktualisiert: 17.05.2019, 21:35 Uhr
Der 32-jährige Ehemann verdeckte sein Gesicht mit einer Aktenmappe und zog zudem die Kapuze seiner Jacke über den Kopf. Weitgehend regungslos nahm er das Urteil entgegen: elf Jahre und sechs Monate Haft.
Der 32-jährige Ehemann verdeckte sein Gesicht mit einer Aktenmappe und zog zudem die Kapuze seiner Jacke über den Kopf. Weitgehend regungslos nahm er das Urteil entgegen: elf Jahre und sechs Monate Haft. Foto: Falko Bastos

Das Medieninteresse war groß zur Urteilsverkündung am Freitag im Landgericht Münster . Und im Zuschauerbereich flossen die Tränen. Nur einer verfolgte das Geschehen erneut weitgehend regungslos: der 32-jährige Ehemann der Heekerin, der des Totschlags angeklagt war. Der in der russischen Provinz Dagestan aufgewachsene Mann hatte eingeräumt, seine Frau erstochen und die Leiche im Ententeich des Stiegenparks versenkt zu haben.

Geständnis wirkte strafmildernd

Das Geständnis wirke sich erheblich strafmildernd aus, erklärte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Dass es aus Reue geschah, nahm sie ihm allerdings nicht ab. „Erst nach einem Appell an die Ehre und den Glauben sind Sie gekippt.“ Für die Staatsanwältin Ausdruck der Persönlichkeit des 32-Jährigen: „Ein Mann, der meint, das Maß der Dinge zu sein.“

Sein Verhalten im Gerichtssaal, er hatte seine Schwiegermutter mehrfach beleidigt, zeige, „wie Sie sich im Leben positionieren“. Seine Frau habe wenig zu sagen gehabt. Am Ententeich habe sie ihm dann zum ersten Mal Paroli geboten. „Es ging um Besitz. Sie hat sich nicht verhalten, wie von ihnen erwartet. Und damit sind Sie nicht klargekommen.“

"Normaler Toschlag"

Es sei ein „normaler Totschlag“, sagte sie zur rechtlichen Bewertung. Mordmerkmale seien nicht festzustellen, insbesondere deshalb, weil es nicht zu widerlegen sei, dass die Ehefrau das Messer selbst mitgebracht haben soll.

Auch sein Vorgehen nach der Tat, als er die Frau mit Netzen und Steinen beschwert auf dem Grund des Teichs versenkte, spreche nicht für einen Affekt. „Das war sehr folgerichtig und überlegt.“ Dies spreche trotz seines Kokainkonsums am Tattag für eine volle Schuldfähigkeit.

Schwiegermutter "abschlachten"

Gegen ihn spreche zudem, dass er vorher strafrechtlich in Erscheinung getreten war und die Brutalität des Vorgehens. Dass er seine Schwiegermutter beleidigt hatte, zeuge von wenig Einsicht. Schon bei der Übergabe der drei kleinen Kinder soll er ihr gedroht haben, sie „abzuschlachten“. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren und neun Monaten.

Der Rechtsanwalt, der die Familie des Opfers als Nebenkläger vertrat, widmete sich der Persönlichkeit des Angeklagten. „Ehre und Respekt würde ich als Überschrift wählen.“ So hatte der Angeklagte seiner Frau vorgeworfen, zu wenig Respekt gegenüber ihm und seinem Sohn gezeigt zu haben.

Sie hat ihm drei Kinder geschenkt und diese alleine versorgt. Wie viel mehr Respekt kann man zeigen?

Rechtsanwalt

Auch die Beleidigungen passten nicht zu diesem Anspruch. „Schlimmer geht es nach meinen moralischen Vorstellungen nicht. Das zeigt Ihren Respekt“, sagte er. „Reue? Null. Kein Wort der Entschuldigung. Wenn das Ihr Respekt ist, dann hoffe ich, Sie bleiben damit allein auf der Welt.“ Der Vertreter der Nebenklage schloss sich der Forderung der Staatsanwaltschaft an.

„Es ist eine wahrhaft schreckliche Tat“, erklärte Verteidigerin Susanne Tombrink . In Dagestan sei er nach traditionellen religiösen Wertvorstellungen erzogen worden. In der Heimat habe er seine Rolle als Familienoberhaupt ausleben können, weil er als Soldat seine Angehörigen ernährt habe.

Nicht mehr der "Ernährer"

Nach einer Haftstrafe sei diese Welt zusammengebrochen. „Er konnte nicht bleiben“, so die Verteidigerin. In der deutschen Gesellschaft sei er aber nie angekommen – ohne Sprachkenntnisse und auf die Hilfe anderer angewiesen. „Er war nicht mehr der Ernährer.“ Auch dass er in Deutschland nicht mit seiner Frau und den Kindern zusammenleben konnte, habe ihn frustriert. Während er als Asylbewerber dem Kreis Mettmann zugewiesen wurde, lebte seine Familie in Heek. Ein Antrag auf Zusammenführung scheiterte, weil die Asylanträge abgelehnt waren.

"Männlichkeit" infrage gestellt

„Er ist begrenzt intelligent, aber stark geprägt durch seine Rolle als Mann.“ Und genau diese sei zunehmend infrage gestellt worden. Kurz vor der Tat habe sie ihn als „Lappen“ beleidigt und das Messer gezogen. „Diese Frau tut, was er noch nie erlebt hat, weicht nicht zurück, probt den Widerstand.“ Als er realisiert habe, dass es kein gemeinsames Leben geben würde, sei dies für ihn „bedrohlich und endgültig“ gewesen. Und in dieser Situation habe er zugestochen.

Kann man mehr Reue zeigen, als sich das Leben zu nehmen?

Verteidigerin

„Ich möchte nur Verständnis aufkommen lassen – nicht für die Tat, sondern für einen Mann, der nicht aus seiner Rolle herauskam“, so Tombrink. Mit der Tat komme der 32-Jährige selbst nicht zurecht. Er müsse nun mit dieser fürchterlichen Schuld leben, deshalb habe er auch versucht, sich in der JVA das Leben zu nehmen. „Kann man mehr Reue zeigen, als sich das Leben zu nehmen?“ Die Verteidigerin bat um ein mildes Urteil.

„Es tut mir unendlich leid, dass ich meinen Kindern ihre Mutter genommen habe. Ich bereue das“, gab der Angeklagte mithilfe des Dolmetschers zu Protokoll.

Ohne Gefühlsregung nahm der Ex-Soldat das Urteil zur Kenntnis: elf Jahre und sechs Monate Haft.

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