Gemeindefusion vor 50 Jahren
Letztlich siegt die Vernunft

Heek -

Eines stellt Josef Schepers gleich klar: „Das war eine Zwangsehe.“ Gemeint ist die Gemeindefusion zwischen Nienborg und Heek. In diesem Sommer ist es 50 Jahre her, dass die beiden Gemeinden sich zur neuen Gemeinde Heek zusammenschlossen. Dieses Jubiläum will die Gemeinde mit einem Fest am 23. Juni (Sonntag) begehen.

Freitag, 07.06.2019, 10:57 Uhr aktualisiert: 07.06.2019, 11:00 Uhr
Sie haben gemeinsam das Gemeindearchiv durchforstet: (v.l.) Anne Dirks, Ursula Vinkelau, Wilhelm Brüning, Heidi Schiller, Josef Schepers und Bernhard Woltering (v.l.). Es fehlt Heinz Schaten.
Sie haben gemeinsam das Gemeindearchiv durchforstet: (v.l.) Anne Dirks, Ursula Vinkelau, Wilhelm Brüning, Heidi Schiller, Josef Schepers und Bernhard Woltering (v.l.). Es fehlt Heinz Schaten. Foto: Falko Bastos

Und damit die gemeinsame Geschichte der beiden Ortsteile auch erlebbar wird, gibt es für die Besucher eine Ausstellung mit historischen Bildern und Texten. Dafür hat eine Arbeitsgruppe in den Tiefen des Gemeindearchivs gewühlt und Fotos, Urkunden und Zeitungsartikel gesichtet. Fünfmal traf sie sich für mehrere Stunden im Archiv. „Wir sind alle Großprojekte der Gemeinde durchgegangen“, sagt Zeitzeuge Wilhelm Brüning .

„Der größte Aufwand war die Sichtung der Fotos“, verrät Gemeindearchivar Bernhard Woltering . „Denn die waren nicht chronologisch geordnet.“ Zahlreiche Kisten mit Bildern durchwühlte die Arbeitsgruppe. „Dabei gab es viele Aha-Effekte“, sagt Woltering. „Denn plötzlich erinnert man sich wieder.“

Diese Aha-Effekte sollen nun auch den Besuchern zugänglich gemacht werden. Die Bilder werden auf Leinwand gedruckt und auch über den Festtag hinaus im Rathaus ausgestellt. Ursprünglich war eine parallele Veranstaltung in Nienborg geplant. „Aber in der Landesmusikakademie hätten wir die Bilder nur einen Tag ausstellen können. Deshalb haben wir uns für einen Standort entschieden“, so Organisatorin Heidi Schiller.

Für Wilhelm Brüning war die Arbeit im Archiv auch eine Reise in die eigene Vergangenheit. „Es war eine Entscheidung aus bitterer Not“, erinnert sich der ehemalige Kämmerer und stellvertretende Bürgermeister. Denn die Landesregierung hatte eine kommunale Neugliederung beschlossen. Und weder Heek noch Nienborg konnten die geforderte Mindestgröße von 5000 Einwohnern vorweisen.

„Da hieß es ‚friss oder stirb‘“, so Brüning. Denn auch eine Eingliederung nach Gronau oder Ahaus war nicht ausgeschlossen. „Es waren alle Denkspiele möglich.“ Und: „Es standen riesige Aufgaben an, die als kleine Gemeinde nicht zu stemmen waren.“ So etwa die zentrale Wasser- und Abwasserversorgung, die Müllabfuhr und der Bau einer Hauptschule. „Wie sollte das gehen?“, fragt Brüning.

„Da hat man sich in beiden Räten besonnen“, berichtet er. Um der Zwangs-Neugliederung zuvorzukommen, entschied man sich für den freiwilligen Zusammenschluss. Bemerkenswert: In beiden Räten fiel das Urteil für den Zusammenschluss einstimmig aus. „Obwohl es vorher viel Theater gab“, so Brüning. Und hinterher. Vor allem die Namensgebung sorgte noch lange für Ärger in Nienborg.

Eine Vernunftehe aus Angst vor der Zwangsehe. Und diese feiert nun goldene Hochzeit. Kleinere Ehe-Streitigkeiten gehören wohl dazu. „Heute sieht man die Rivalität eher mit einem Augenzwinkern“, sagt die Nienborgerin Heidi Schiller. „Aber früher war das eine ernste Angelegenheit“, ergänzt Bernhard Woltering. Nicht für Josef Schepers: „Ich habe als Heeker meine schönsten Dienstjahre in Nienborg verbracht“, so der ehemalige Bauamtsleiter.

Mehr zum Thema
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6671522?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F27962%2F
Kanalbrücke: Der Neubau ist ein „Schmalhans“
Bei einer ersten Infoveranstaltung stellte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rheine am Mittwoch in Münster die Pläne für die neue Kanalbrücke der Wolbecker Straße vor. Bis 2021 soll alles fertig sein (v.l.): Heinz-Jakob Thyßen sowie die Bauleiter Franziska Finke und Daniel Feismann.
Nachrichten-Ticker