Landgericht spricht Partnervermittlerin vom Betrug frei
Statt Liebe gibt‘s dicke Rechnung

Münster/Heek -

Er wollte die große Liebe. Doch was er bekam war eine Rechnung über 8500 Euro. Ein 75-jähriger Heeker fühlte sich von einer Partnervermittlerin aus Essen betrogen, weil diese ihn nicht über den vollen Preis der Vermittlung aufgeklärt habe.

Montag, 24.06.2019, 18:58 Uhr aktualisiert: 25.06.2019, 15:30 Uhr
Der 75-jährige Heeker suchte über eine Partnervermittlung eine neue Frau. Am Ende gab es jedoch nur eine Rechnung über 8500 Euro. Das bestätigte am Montag das Landgericht Münster, das damit ein Urteil des Amtsgerichts Ahaus aufhob.
Der 75-jährige Heeker suchte über eine Partnervermittlung eine neue Frau. Am Ende gab es jedoch nur eine Rechnung über 8500 Euro. Das bestätigte am Montag das Landgericht Münster, das damit ein Urteil des Amtsgerichts Ahaus aufhob. Foto: Colourbox

Der Fall hatte zunächst das Amtsgericht Ahaus beschäftigt, das die Vermittlerin wegen Betrugs zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt hatte. Dagegen jedoch legte die Angeklagte Berufung ein, sodass der Fall am Montag vor dem Landgericht Münster neu aufgerollt wurde.

Unstrittig ist, dass der 75-Jährige sich im September 2017 auf eine Anzeige in einem Wochenblatt gemeldet hatte. Nach eigener Aussage, um direkt mit der im Inserat genannten Person in Kontakt zu treten. „Ich habe gedacht, die Dame kommt. Aber gekommen ist die Angeklagte“, so der Witwer.

Zu Hause besuchte ihn die 49-jährige Angeklagte, die auf Honorarbasis für eine Koblenzer Partnervermittlungsagentur arbeitet. Dabei unterschrieb er einen Vertrag, der ihn zur Zahlung von 8500 Euro verpflichtete. Doch wie dieser zustande gekommen war, darüber erzählten die Beteiligten zwei verschiedene Versionen.

„Die Frau hat mir allerhand erzählt“, gab der Heeker zu Protokoll. „Dann sollte ich irgendwas unterschreiben.“ Er habe auf seinen Sohn verwiesen, der alles Schriftliche für ihn regele. Diesem solle er sagen, die Versicherung sei da gewesen, habe ihn die Frau gedrängt. Von 1000 Euro Gebühr sei die Rede gewesen. Als er die tatsächliche Summe gehört habe, sei er aus allen Wolken gefallen. „Sonst hätte ich nie unterschrieben. Ich wollte die Dame ja nicht kaufen“, so der Rentner. Nur etwa 20 Minuten sei die Frau bei ihm gewesen. Eine Durchschrift des Vertrages hinterließ sie nicht.

Die brachte am nächsten Tag eine Kollegin der Angeklagten. Empfangen wurde sie vom Sohn des Heekers, der sich als Polizeibeamter zu erkennen gab.

Die Essenerin wies alle Vorwürfe von sich. Die volle Summe habe sie immer genannt. Eine Verschleierung nütze ihr nichts. Schließlich werde sie auf Provisionsbasis bezahlt und erhalte kein Geld für nachträglich angefochtene Verträge. 1600 Euro pro Vertragsabschluss erhalte sie von der Agentur. Sieben bis acht Kunden in der Woche besuche sie, von denen etwa jeder zweite unterschreibe. Rund drei Stunden Zeit habe sie sich für den Heeker genommen. „Das war alles ordnungsgemäß.“ In Schriftgröße 8 war die Summe auf dem Vertrag vermerkt.

Von 1000 Euro sei der Rentner ausgegangen, wie er vor Gericht angab. Mal sprach er von 1200 Euro, mal von 1300 Euro. Sein Sohn sprach von „Tausendirgendwas“. In der ersten Instanz waren von 1500 und 1800 Euro die Rede gewesen. Und auch sonst waren die Erinnerungen des Heekers löchrig. Den Vertrag mit seiner Unterschrift habe er so nie zu Gesicht bekommen. Ein Hörgerät, das er inzwischen trägt, habe er damals noch nicht besessen.

Die unklaren Angaben, kostete der Verteidiger genüsslich aus. „1000 Euro, 1200 Euro, 1500 Euro, 1800 Euro – wir haben hier schon alle Varianten gehört.“ Auch habe der Rentner wohl schon schlecht gehört. „Es gibt so viele Zweifel an den Aussagen des Zeugen.“

Trotz deutlichen Zweifels an der Version der Angeklagten, forderte auch der Staatsanwalt ihren Freispruch. „Das ist schon ein schmieriges Geschäftsmodell.“ Das fange bei der irreführenden Anzeige an. Auch das Verhältnis von Leistung und Gegenleistung sei „zivilrechtlich bedenkenswert“.

Auch der Richter kritisierte das Geschäftsgebaren der Partnervermittlung. Aber: „Uns fehlt Hand und Fuß für eine Verurteilung. Es geht nur um die Frage, ob wir eine Täuschung nachweisen können und das können wir nicht. Daher kann es nur ein Urteil geben.“ Freispruch.

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