Ausgrabungen bei Cramer
Archäologen machen Sensationsfund

Nienborg -

Viele Monate führten die LWL-Archäologen um Dr. Ingo Pfeffer Grabungen auf einem Firmengelände in Nienborg durch. Das, was schlussendlich zum Vorschein kam, übertraf alle Erwartungen.

Freitag, 05.07.2019, 18:00 Uhr
Ausgrabungsleiter Dr. Ingo Pfeffer (re.) und Grabungstechniker Christopher Hentzelt hatten bereits im vergangenen Jahr Reste einer eisenzeitlichen Siedlung auf dem Gelände der Firma Cramer gefunden und geborgen. Der jüngste Fund lieferte noch wichtigere Erkenntnisse aus der Geschichte an der Dinkel.
Ausgrabungsleiter Dr. Ingo Pfeffer (re.) und Grabungstechniker Christopher Hentzelt hatten bereits im vergangenen Jahr Reste einer eisenzeitlichen Siedlung auf dem Gelände der Firma Cramer gefunden und geborgen. Der jüngste Fund lieferte noch wichtigere Erkenntnisse aus der Geschichte an der Dinkel. Foto: Alex Piccin

Es gleicht fast ein wenig einem Sechser im Lotto, was die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) um Dr. Ingo Pfeffer bei ihren Ausgrabungen in Nienborg auf dem Gelände der Firma C. Cramer zu Tage gefördert haben. Eigentlich rechneten sie ausschließlich mit weiteren Funden aus der Eisenzeit (800 vor Christus). Denn bei mehreren Probegrabungen 2016 und 2017 entdeckten die Forscher fast auf der gesamten Fläche Spuren einer jahrtausendealten Besiedlung. Keramikscherben gaben dabei einen genauen Anhaltspunkt über das Alter der Siedlung.

Doch bei den fast einjährigen Grabungen kam es letztlich zur Sensation. Das Team um Dr. Pfeffer stieß auf mehrere Gräber aus der Jungsteinzeit samt Grabbeigaben.

„Das bedeutet, dass schon vor 5000 Jahren Menschen in Heek und Nienborg gelebt oder zumindest ihre Angehörigen dort begraben haben“, so Jens Schubert, der für die Öffentlichkeitsarbeit der LWL-Archäologie zuständig ist.

Ein Fakt, der selbst die erfahrenen Archäologen staunen ließ. „Die Entdeckung eines solchen Gräberfeldes ist ein Glücksfall“, sagt Dr. Bernhard Stapel von der LWL-Archäologie. Dass die Forscher überhaupt auf dem Gelände gegraben haben, liegt an der geplanten Erweiterung des Gewerbegebietes. „Darum war es ganz wichtig, dort zuvor die Zeitzeugnisse zu sichern“, erklärt Schubert.

Zu den gefundenen Grabbeigaben gehören reich verzierte Keramikgefäße in unterschiedlichen Formen sowie Beile und Pfeile aus Feuerstein. Knochen der Bestatteten fanden die Forscher jedoch nicht. „Der Boden ist hier sehr sandig“, so Grabungsleiter Dr. Pfeffer. Der Sand entzieht den Knochen schneller das Kalzium, wodurch diese wiederum schneller zerfallen.

Der feuchte Sandboden hat zudem den Keramikgefäßen zugesetzt. Diese sind darum sehr brüchig. Die Archäologen bargen die Gefäße daher im Block. Dafür legten sie die Funde weiträumig frei und gipsten diese mit dem umgebenden Boden ein. Auf diese Weise war es möglich, die Objekte im Ganzen zu bergen.

Um die 5000 Jahre alten Zeitzeugnisse während der Bergung nicht zu beschädigen, gipst das Archäologen-Team des LWL die Fundstellen blöckeweise ein. Im Labor werden sie dann detailliert untersucht.

Um die 5000 Jahre alten Zeitzeugnisse während der Bergung nicht zu beschädigen, gipst das Archäologen-Team des LWL die Fundstellen blöckeweise ein. Im Labor werden sie dann detailliert untersucht. Foto: LWL

Die Ausgrabungen in Nienborg selbst sind seit Ende vergangener Woche abgeschlossen. „Die Arbeit geht jetzt in der Restaurierungswerkstatt weiter“, erklärt Schubert. Dort wollen Restauratoren die Keramikgefäße vorsichtig aus dem Gipsblock holen und stabilisieren. „Die Gefäße aus den Blockbergungen dürften uns noch einige spannende Informationen über die Jungsteinzeit hier vor Ort liefern“, so Dr. Pfeffer.

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