Eichenprozessionsspinner
Härchen bilden Gefahr für Vierbeiner

Nienborg -

Seit etlichen Wochen ist der Eichenprozessionsspinner eines der bestimmenden Themen. Die Giftraupe kann Menschen das Leben zur Qual machen. Für Haustiere ist die Situation noch prekärer.

Montag, 08.07.2019, 18:00 Uhr
Was bei Menschen lästig oder gefährlich sein kann, ist bei Hund oder Katze nicht groß anders: Auch die Haustiere sind vor den Härchen der Eichenprozessionsspinnern nicht gefeit.
Was bei Menschen lästig oder gefährlich sein kann, ist bei Hund oder Katze nicht groß anders: Auch die Haustiere sind vor den Härchen der Eichenprozessionsspinnern nicht gefeit. Foto: Leonie Sauerland

Mit unzähligen Brennhaaren ist jede Giftraupe ab dem dritten Larvenstadium übersät. Wer mit diesen in Kontakt kommt, der hat keine Freude. Denn die Haare enthalten das Nesselgift „Thaumetopein“. Die Folgen beim Kontakt als kleiner Auszug: Juckreiz, Hautentzündungen, Schwellungen oder Reizung der Atemwege.

„Das ist bei Haustieren nicht anders als beim Menschen. Im Gegenteil, es ist sogar noch gefährlicher“, sagt Tierarzt Björn Becker aus Nienborg. Der Grund: Tiere kommen in der Regel schneller in Kontakt mit der Giftraupe als der Mensch. „Hunde schnüffeln rum, bei Katzen kann es der Spieltrieb sein“, erklärt der Tierarzt, der auch in Bad Bentheim eine Praxis betreibt. Erschwerend komme hinzu, dass man Tieren eben nicht vermitteln könne, welche Gefahr von der fiesen Raupe ausgeht.

Besonders gefährlich wird es, wenn die Brennhaare in den Mund der Tiere gelangen. „Das führt zu Verätzungen der Zungen“, so Björn Becker. Auch könne es zu akuter Atemnot kommen. „Der Rachen schwillt an, das Atmen wird dadurch für das Tier kritisch.“ Die Atemwege sind zu. Die Lunge verkrampft. „Sobald man bemerkt, dass das Tier Atemprobleme hat, sollte man unverzüglich einen Tierarzt aufsuchen.“ Ganz nach der Devise: Lieber einmal zu viel als zu wenig. Zudem sei es ratsam, den Hund nur an der Leine auszuführen.

Auf freien Hautstellen kann es auch bei Tieren zu roten Pusteln kommen. „Mit Fell bedeckte Stellen sind eigentlich gut geschützt.“ Aber: Da gibt es ein anderes Problem. „Tiere putzen sich ja auch.“ Wenn sich also zum Beispiel eine Katze sich das Fell leckt, in dem Brennhaare hängen, hat sie diese danach unweigerlich im Maul.

Für Katzen, die Freigänger sind, sei die Situation ohnehin besonders prekär. Denn der Tierhalter bekommt nicht zwangsläufig mit, wenn das Tier in Kontakt mit den Brennhaaren kommt und der Rachen anschwillt und Atemnot einsetzt.

All diese geschilderten Folgen hat Björn Becker in diesem Jahr schon in seinen Praxen gesehen. „Wir hatten schon einige Tierhalter hier, bei deren Tieren die Brennhaare der Grund der Beschwerden waren.“

Über Augenreizungen, Pusteln auf der Haut, verätzte Zungen bis zu akuter Atemnot – all das musste der Tierarzt in diesem Jahr schon behandeln. „Viele Tierhalter sind dann verständlicherweise sehr beunruhigt. Wir als Team müssen dann auch mental den Haltern helfen.“ Auch Pferde behandelt der Tierarzt. Die Vorfälle hier seien jedoch nicht ganz so dramatisch gewesen.

Die Behandlung der Haustiere erfolgt mit Kortisonsalben, Anti-Allergiemitteln und durch eine Stabilisierung des Kreislaufes. Sorgen, dass die Medikamente ausgehen könnten, braucht sich kein Tierhalter zu machen. „Wir haben immer genug auf Vorrat.“

Das gelte nicht nur für die akute Giftraupenzeit. Im vergangen Herbst sei, so Björn Becker, ein Hundehalter in die Praxis gekommen, dessen Tier noch unter den Folgen der Brennhaare der Giftraupe litt: „Die Brennhaare sind ja nicht auf einmal weg.“

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