Wohnen im Alter
Gemeinde kann Vorreiter werden

Nienborg -

Wohnkonzepte gibt es viele. Jüngst stellte ein Architekturbüro ein spezielles Konzept für die Gemeinde Heek vor. Es soll Seniorenfreundlichkeit und Gemeinschaft vereinen. Die Hintergründe.

Dienstag, 09.07.2019, 18:10 Uhr aktualisiert: 11.07.2019, 18:20 Uhr
Das von den Architekten vorgestellte Konzept für Wohnen im Alter warf bei den Bürgern viele Fragen auf.
Das von den Architekten vorgestellte Konzept für Wohnen im Alter warf bei den Bürgern viele Fragen auf. Foto: Verena Hasken

„Wir haben das Konzept schon lange auf dem Tableau“, sagte Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Eigenständiges und selbstbestimmtes Wohnen im Alter, im kleineren Maßstab und ohne Verlust der Privatsphäre – von solch einem Konzept ist hier die Rede.

Zahlreiche Bürger waren zur Ausschusssitzung gekommen, um sich die Idee der Heimspiel Architekten aus Münster erläutern zu lassen. Das Konzept der Architekten ist komplex, setzt im Grundsatz aber auf deutlich kleinere Grundstücke für das Eigenheim sowie eine Bausteinbauweise. Verschiedene vorgefertigte Wohnelemente können, je nach Bedarf, beliebig kombiniert werden.

Gedacht ist dieses Konzept für zukünftige Baugebiete. „Diese könnte man dann mit unserem Konzept von Beginn an durchplanen“, sagte Marc Matzken vom Architekturbüro. Dazu gehören unter anderem ein spezielles Klimaschutz- und Energiekonzept sowie öffentliche Plätze oder auch ein gemeinsames Wegenetz.

Am perspektivisch geplanten Baufeld Hoffstätte II in Nienborg führten die Architekten ihre Berechnungen durch. Im Durchschnitt seien die Grundstücke in der Gemeinde derzeit zwischen 500 und 600 Quadratmeter groß. Das Konzept der Architekten sieht eine drastische Verkleinerung der zukünftigen Flächen auf durchschnittlich 250 Quadratmeter vor. Matzken: „Höhere Dichte ist absolut möglich, ohne dadurch Lebensqualität zu verlieren.“

Die Nachfragen der Ausschussmitglieder ließen nicht lange auf sich warten. Wie das Ganze denn seniorengerecht sei, wollte zum Beispiel Hermann-Josef Schepers (SPD) wissen. Antwort Matzken: „Da sind Sie als Gemeinde gefragt.“ Mario Strehlow (CDU) merkte an: „So ein Konzept können wir als Gemeinde nicht alleine stemmen.“ Da sei vielleicht ein Investoren-Modell die Lösung, lautete die Antwort der Architekten.

Zudem wurde die Sitzung aufgrund des großen Bürgerinteresses unterbrochen, damit diese ihre Fragen stellten konnten. Ein Bürger hakte nach: „Haben Sie dieses Konzept schon mal wo anders realisiert?“ „Nein“, antwortete Matzken. „Wir wären also ein Versuchskaninchen?“ – „Eher ein Vorreiter.“

Letztlich, so der Eindruck, warf das vorgestellte Konzept mehr Fragen als Lösungen auf. Denn auch der Frage nach den Kosten für ein Haus in Bausteinweise wichen die Architekten aus. „Das kann man pauschal nicht sagen.“

Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff stellte deshalb klar: „Was nicht geht, ist, wenn sich Bürger von ihrem Altbestand lösen und sich für das neue Heim verschulden müssten.“ Eine Nullrechnung sei da aus Sicht der Bürger schon interessanter.

Immerhin: Fachbereichsleiter Herbert Gausling ließ wissen, dass das Konzept prinzipiell baurechtlich umsetzbar sei. Ob und wie das für die Gemeinde Heek mal relevant werde, müsse sich noch zeigen.

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