So wohnt der Landrat
Das Haus tanzt nicht aus der Reihe

Heek -

Die ehemalige Kreisstraße in Heek wird flankiert von schmucken Einfamilienhäusern. In der Wohnsiedlung im Südwesten tanzt kein Haus aus der Reihe. Auch das des Landrats und seiner Familie nicht.

Samstag, 13.07.2019, 07:00 Uhr
Landrat Dr. Kai Zwicker hat es sich im Wohnzimmer der Familie vor der vollen Bücherwand gemütlich gemacht. Er wohnt in Heek zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern.
Landrat Dr. Kai Zwicker hat es sich im Wohnzimmer der Familie vor der vollen Bücherwand gemütlich gemacht. Er wohnt in Heek zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern. Foto: Christiane Hildebrand-Stubbe

Das Gebäude, das auch schon das Zuhause des Heeker Bürgermeisters Dr. Kai Zwicker war, steht fast symbolhaft für westfälische Tugenden: der rote Klinker für Tradition, Bodenständigkeit, Zuverlässigkeit, die zurückhaltende Architektur der Front mit weiß umrahmten Fenstern, grüner Haustür mit Glaseinsätzen für Bescheidenheit und Zurückhaltung.

In den ovalen Buchsbaum-Beeten blüht Lavendel, die Blumenkästen vor den Fenstern sind bepflanzt mit einem Mix aus Grünpflanzen und Blühern. Alles strahlt münsterländische Gemütlichkeit aus. „Es ist ortstypisch“, sagt der Landrat. Und die Fotovoltaikanlage auf dem Dach ist ein Zeichen für Modernität und Nachhaltigkeit. Wenn es stimmt, dass ein Haus die Visitenkarte seiner Bewohner ist, darf man gespannt sein, ob das auch für die Zwickers gilt.

Bewohnt wird das Haus von Kai Zwicker (51) und seiner Frau Dorothe (51), dem gemeinsamen Sohn Malte (zwölf) sowie Felix (22), dem jüngeren der beiden Söhne Dorothe Zwickers aus erster Ehe. Gebaut wurde es, als Kai Zwicker noch Heeker Bürgermeister war. Damals hatte er sich zusammen mit seiner Frau dazu entschlossen, die gemietete Doppelhaushälfte aufzugeben und selbst zu bauen. „Das Grundstück hatte für uns viele Pluspunkte“, sagt er und nennt einige: „die verkehrsgünstige Lage, das Grün drum herum. Nur die Nähe zur Autobahn hört man, aber man gewöhnt sich schnell daran.“

Solide wirkt die Küche mit den massiven Holzfronten.

Solide wirkt die Küche mit den massiven Holzfronten. Foto: Christiane Hildebrand-Stubbe

In all den Jahren, seitdem die Familie Zwicker hier eingezogen ist, sind noch weitere Pluspunkte hinzugekommen. Kai Zwicker nennt die „prima Nachbarschaft“, die für sie zum Wohlfühlklima beitrage. Das muss jedenfalls so gut sein, dass auch nach der Landratswahl 2009 nicht überlegt wurde, von hier wegzuziehen. „Meine Frau wollte das nicht so gerne, wir fühlen uns hier einfach heimisch.“ Als Landrat sei man ohnehin nur in der Pflicht, im Kreisgebiet zu wohnen. Seine Einsätze, die ihn durch den gesamten Kreis führten, seien von Heek aus problemlos zu regeln.

Die Familie Zwicker gehört zu den 70 Prozent der Heeker, die in den eigenen vier Wänden wohnen. Eine Zahl, die deutlich über dem Landes- und Bundesdurchschnitt liegt. Zwicker ist stolz, dass er zu dieser positiven Entwicklung beitragen konnte und auch persönlich davon profitiert.

Die gesamte Einrichtung ist ein Stilmix. „Wir mögen es ländlich-sittlich“, sagt Dorothe Zwicker. Im Wohnzimmer zum Beispiel dominiert das zeitlose Mobiliar aus wertigem Bücherregal in weißem und dunklen Holz, klassischem Holztisch vor einem ebenso klassischen Ledersofa.

Im Bücherregal, eigentlich Bücherwand, ist kein Platz mehr frei. Aber kommt der Landrat angesichts seines vollen Terminkalenders überhaupt zum Lesen? „Ohne geht’s nicht, abends im Bett lese ich eigentlich immer“, sagt er und versichert, dass es sich dabei nicht um Unterlagen aus dem Amt handelt. Er nimmt eines seiner für ihn wichtigen Bücher heraus: „Meines Vaters Land“ der gerade verstorbenen Wibke Bruhns.

Das Haus aus der Besuchersicht.

Das Haus aus der Besuchersicht. Foto: Christiane Hildebrand-Stubbe

Überall im Haus wurde Hand angelegt, liebevoll dekoriert. Im hölzernen schmalen Regal stehen Bilder von Familienmitgliedern zusammen mit einer weißen Terrine und steinernen „Artischocken“, über einem Vertiko hängt ein golden eingefasster Spiegel. Und ständig sieht man Blumen und Pflanzen.

In der offenen Wohnküche trifft sich die Familie am massiven großen Holztisch, an dem ganz moderne Stühle stehen. Besonders stolz sind Kai und Dorothee Zwicker, dass Sohn Felix, der wie sein Bruder Jan eine Tischlerlehre absolviert hat, ihn selbst gezimmert hat. Die Küche selbst hat massive Holzfronten und eine Mittelinsel mit Schränken und Regalen.

Im oberen Stock sind die Schlafzimmer und noch darüber liegt ein ganz besonderer Raum, den man fast als „Männerzimmer“ bezeichnen könnte: Playstation, PC, Sitzgelegenheiten und ein BVB-Banner lassen vermuten, dass sich hier die männlichen Familienmitglieder gerne zurückziehen. Der Landrat stellt aber schnell klar, dass auch ein Schalke-Fan zur Familie gehört.

Im Garten setzt sich der Wohnstil fort. Auf der Terrasse ist am großen Tisch Platz für Familie und Freunde. Der Strandkorb bietet sich als Ruheinsel an. Wie zufällig taucht in einem Beet eine verwitterte Büste und eine ebensolche „antike“ Vase auf, gleich dahinter wurde ein verrostetes Eisengitter platziert. Auf einer Sitzbank haben ein Weidenkranz und ein Pflanzkorb Platz genommen. In einem Korb davor blühen Petunien und Geranien. Es ist eine Welt voller Kontraste, in der sich aber auch scheinbar Gegensätzliches harmonisch zusammenfügt.

Ein Blick vom Wohnzimmer in die Wohnküche. Am Klavier sitzt eigentlich nur Sohn Malte.

Ein Blick vom Wohnzimmer in die Wohnküche. Am Klavier sitzt eigentlich nur Sohn Malte. Foto: Christiane Hildebrand-Stubbe

Überall draußen grünt es. Dominiert wird der Garten von einem mächtigen Kirschbaum. Bei der Ernte der Früchte ist der Landrat auch selbst tätig.

Ansonsten aber trägt das Haus die Handschrift von Dorothee Zwicker, hier ist sie die Chefin und Macherin. „Da müssen sie meine Frau fragen“, ist die meist gehörte Antwort.

Die Zwickers leben traditionell: Er hat als Landrat des Kreises Borken ein unglaubliches Aufgabenfeld zu absolvieren, sie kümmert sich um Haus, Kinder, Gartenarbeit. Ein nicht minder komplexes Feld. „Anders ginge es auch gar nicht“, sagt der Landrat über die klassische Aufgabenteilung.

Dorothe Zwicker ist sportlich höchst aktiv, verschafft sich hier Entspannung. Mitunter findet aber auch der Ehemann Zeit fürs gemeinsame Joggen oder Tennisspiel. Er ist im Schützenverein aktiv und auf der Jagd findet er außerdem Entspannung zum aufwendigen Arbeitsleben.

Nach diesem Besuch ist klar, dass das Haus der Zwickers das ausstrahlt, was seine Bewohner leben.

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