Vor dem Amtsgericht
Skurrile Begründung nach „Raub“

Heek -

Ein 53-jähriger Heeker soll nach einer durchzechten Nacht die Geldbörse eines Taxifahrer „geraubt“ haben. Die Rechtfertigungsversuche vor Gericht waren kurios.

Dienstag, 16.07.2019, 16:42 Uhr aktualisiert: 16.07.2019, 16:48 Uhr

Ein kurioses Verfahren spielte sich am Dienstag im Amtsgericht Ahaus ab. Angeklagt war ein 53-jähriger Heeker. Zur Last gelegt wurden ihm räuberischer Diebstahl und vorsätzliche Körperverletzung. Nach einer phasenweise skurrilen Beweisaufnahme wurde der 53-Jährige schlussendlich wegen der vorsätzlichen Körperverletzung zu einer Schmerzensgeldzahlung von 400 Euro an den Geschädigten verurteilt.

Abgespielt hat sich die Angelegenheit in der Nacht des 1. Dezember 2018. Nach einer durchzechten Nacht ließ sich der Angeklagte von einem Taxifahrer zurück in die Nähe seiner Wohnung in Heek fahren. Dies schilderten Angeklagter und Geschädigter übereinstimmend.

Doch mit Blick auf das, was nach dem Bezahlen der Taxifahrt vonstatten ging, waren sich die Beteiligten nicht immer einig. Der Angeklagte gab an, nachdem er bezahlt und das Taxi verlassen hatte, bemerkt zu haben, dass seine Geldbörse weg gewesen sei.

Daraufhin habe er die Taxibeifahrertür wieder geöffnet und gesehen, wie der Taxifahrer sich der verloren gegangenen Geldbörse bemächtigt haben soll. „Der wollte sich die gerade in die Gesäßtasche schieben“, so der Angeklagte. Daraufhin habe er den Taxifahrer in den Sitz gedrückt und ihm die Geldbörse entrissen.

Der Geschädigte sagte hingegen aus, der Angeklagte habe ihm die Geldbörse mit zwei Händen unmittelbar nach dem Bezahlen entrissen. Dabei sei die Beifahrertür noch nicht verschlossen gewesen. Und: „Das war nicht seine Geldbörse, sondern meine. Das war Diebstahl.“

So oder so: Nachdem der Angeklagte sich der Geldbörse bemächtigt hatte, verließ er das Taxi. Der Geschädigte nahm daraufhin die Verfolgung auf. In diesem Punkt stimmten die Aussagen wieder überein. Unmittelbar hinter dem Taxi sei die Sache dann gewalttätig geworden.

„Der Typ hat mir eine Ohrfeige gegeben und mich getreten“, so der Geschädigte. Daraufhin habe er vom Angeklagten abgelassen und die Polizei gerufen. Der Angeklagte gab an, seine Wohnung in besagter Nacht nur kurz betreten und die Folgestunden „woanders“ verbracht zu haben. „Ich hatte keinen Bock auf Polizei.“

Schlussendlich, das belegen Polizeiprotokolle, meldete sich der Angeklagte am Morgen nach dem Vorfall in einer Polizeiwache und gab das Portemonnaie des Geschädigten ab – ohne etwas entwendet zu haben. Das bestätigte der Geschädigte auf Nachfrage des Richters.

Der Angeklagte erklärte dem Gericht dieses Vorgehen wie folgt: Er habe gemerkt, dass sein Verhalten ein Fehler gewesen sei. Und seine eigene Geldbörse habe er am nächsten Morgen auch wiedergefunden.

Diese Börse sehe der des Taxifahrers eben sehr ähnlich. Die ganze Sache sei nur eine Verwechslung unter Alkoholeinfluss gewesen. Ein Vergleich der Geldbörsen vor Gericht belegte die Ähnlichkeit tatsächlich.

Unter Berücksichtigung aller Fakten stellte der Richter letztlich fest: „Ein räuberischer Diebstahl lässt sich hier nicht nachweisen.“ Dem stimmten auch Staatsanwalt und Verteidiger zu.

Übrig blieb somit die vorsätzliche Körperverletzung. Für diese wurde der 53-jährige Heeker zu einer Zahlung von 400 Euro Schmerzensgeld an den Geschädigten verurteilt. Das Verfahren ist damit vorläufig eingestellt.

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