NRW-Gesundheitsminister informiert sich in der Ludgeri-Apotheke
Laumann: „Da werden wir erpresst“

Heek -

Der Montag begann für NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann mit einem Besuch in der Apotheke. Bei bester Gesundheit konnte er die eigens für ihn hergestellten „Minister-Kapseln“ mit Vitamin C aber dankend ablehnen: „Brauche ich nicht.“ Er nahm sie natürlich doch mit nach Düsseldorf – schließlich hatte er sich zuvor zeigen lassen, wie aufwendig und mit wie viel Handarbeit in den Räumen hinter der Ladentheke die Medikamente hergestellt werden.

Montag, 29.07.2019, 17:36 Uhr aktualisiert: 02.08.2019, 17:12 Uhr
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und Heike Wermer (MdL) studieren mit Gabriele Overwiening die Liste von 300 Medikamenten, die nicht sofort ausgegeben werden konnten.
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und Heike Wermer (MdL) studieren mit Gabriele Overwiening die Liste von 300 Medikamenten, die nicht sofort ausgegeben werden konnten. Foto: Anne Winter-Weckenbrock

Gabriele Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, begrüßte den Minister und die CDU-Landtagsabgeordnete Heike Wermer in der Ludgeri-Apotheke zum Hintergrundgespräch. Overwiening und ihr Mann führen die Ludgeri-Apotheke, die Burg-Apotheke in Nienborg und eine weitere Apotheke in Reken. Konkrete Forderungen und Wünsche an die Politiker formulierte sie am Montagmorgen nicht, erhoffte sich aber, dass von den Informationen und Gesprächen einiges in den Hinterköpfen bleiben wird.

Stichwort Bürokratie: Zum Beispiel bereiten die Rabattverträge mit den Krankenkassen viel Arbeit: Wenn das Medikament nicht vorrätig ist, kann nicht eines vom anderen Hersteller herausgegeben werden: Zwei Nachfragen beim Großhandel müssen dokumentiert werden. Das dauert dann auch noch.

Ein aktuelles Thema, das auch in die Rabattverträge hineinspielt: Anke Vöcking , die die Ludgeri-Apotheke führt, und Gabriele Overwiening hatten eine Liste ausgedruckt mit rund 300 Medikamenten, die sie nicht direkt an die Kunden ausgeben konnten. Karl-Josef Laumann setzte die Lesebrille auf und schaute genau hin. Als dramatisch bezeichnete Overwiening die Lage allgemein nicht: In einigen Fällen könne der Kunde Wartezeit in Kauf nehmen, in anderen könne die Apotheke ein Medikament eines anderen Herstellers herausgeben.

„Aber die Leute sind irritiert. Wir nehmen uns dann viel Zeit für die Beratung“, sagte Anke Vöcking. Denn so einfach ist eine Umstellung nicht immer: Ein Schmerzmedikament mit einer Wirkstoffgröße von 800 mit verzögernder Wirkung könne nicht in jedem Fall und einfach durch zwei 400er-Tabletten ersetzt werden.

Ein anderer Grund für auftretende Engpässe ist, dass Medikamente aus Deutschland abfließen, weil der Verkauf dorthin für die Hersteller lukrativer ist. Was könnte die Politik da machen? Dass der Umgang der Politik mit der Pharmaindustrie nicht immer ganz einfach ist, räumte der NRW-Gesundheitsminister ein. Was die Vorbereitung staatlicherseits auf Pandemien, wie etwa vor Jahren die Vogelgrippe angeht, wird er deutlich: „Da werden wir erpresst.“

Die Bevorratung sei den Herstellern teuer bezahlt worden. „Und dann kommen die Hersteller von Spritzennadeln und sagen, ohne diese könne ja auch der Stoff nicht verabreicht werden. Das ist nicht so einfach“, erinnert er sich an die unselige Zeit. Die Impfstoffe gegen die Vogelgrippe seien ja nicht gebraucht worden. Sie mussten für viel Geld vernichtet werden.

Andererseits habe auch der Staat Interesse daran, dass die Pharmahersteller weiterhin wertvolle Forschungsarbeiten leisten und innovative Medikamente entwickeln. „Das ist ein Vabanquespiel“, fasst er zusammen.

Die Politik könne Rahmenbedingungen mit der Arzneipreismittelverordnung schaffen oder über das Sozialgesetzbuch V sichern, dass jeder gesetzlich Versicherte einen Anspruch auf Medikamente hat. Für einen weiteren Vorschlag, dass Ärzte statt eines bestimmten Medikamentes eines Herstellers besser nur Wirkstoffe verschreiben sollten, zeigte sich Laumann durchaus aufgeschlossen, hielt aber fest: „Dafür kriege ich keine Mehrheit.“

Trotz aller Klagen, so fasste es der Gesundheitsminister zusammen, habe man eine ziemlich sichere Versorgung mit Medikamenten und auch mit Apotheken. Selbst im ländlichen Bereich. Karl-Josef Laumann betonte, worin aus seiner Sicht ein Problem für eine Unterversorgung bestehen könnte: „Die große Gefahr für Apotheken ist, dass kein Arzt mehr vor Ort ist.“ Gabriele Overwiening stimmte ihm zu und nannte gerade mit Nienborg ein passendes Beispiel. „Im Moment können wir von Flächendeckung reden.“

Und das in Zeiten von Online-Apotheken, die natürlich auch Gesprächsthema waren. „Arzneimittelsicherheit. Das ist es. Sonst könnten wir das ja im Einzelhandel machen“, brach Laumann eine Lanze für die Apotheken mit ihrer Beratungsfunktion.

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