Naturschutzgebiete in Nienborg
Trockenheit macht Natur zu schaffen

Nienborg -

Es ist nicht die beste Jahreszeit, um mit neugierigen Augen durch die hiesigen Naturschutzgebiete auf die Pirsch zu gehen. „Im April sieht man mehr“, sagt Hermann Mers, vom Kreis Borken ernannter Naturschutzbeauftragter für Nienborg. Die WN haben sich dennoch mit ihm auf den Weg durch die Areale Dinkeltalung, Wexter Wäldchen, Auf der Ammert und Füchte Kallenbeck gemacht. Dabei gab es Überraschendes zu entdecken.

Dienstag, 13.08.2019, 18:04 Uhr aktualisiert: 13.08.2019, 19:01 Uhr
Hermann Mers ist als Naturschutzbeauftragter in den Nienborger Schutzgebieten unterwegs.
Hermann Mers ist als Naturschutzbeauftragter in den Nienborger Schutzgebieten unterwegs. Foto: Alex Piccin

Die Brut ist geschlüpft, die Jungtiere haben die Nester bereits verlassen. Die Wiesen in der gut 14 Hektar großen Dinkeltalung scheinen teilweise der Trockenheit getrotzt zu haben: Sattes Grün grenzt an ausgedorrte braune Halme. Der Kinnbach führt etwas Wasser – viel zu wenig, merkt Mers an und verweist auf die Jahre, in denen der kleine Wasserlauf prall gefüllt war: „Das waren hier früher Überschwemmungsgebiete.“

Zwischen den Weidepfosten haben sich Nischen entwickelt, die Kleinsttieren noch als Rückzugsort dienen. Der kleine Teich hingegen ist von Gänsen im Beschlag genommen. „Die verteidigen ihr Revier recht aggressiv“, warnt der 64-Jährige. Das Schnabelvieh versucht so, etwaige Räuber und Störenfriede zu verjagen oder auch den Menschen auf Distanz zu halten. Grundsätzlich sei das Betreten der Naturschutzgebiete abseits der Wegführungen verboten, erklärt Mers. Er appelliert an die Hundehalter, ihre Vierbeiner an der Leine auszuführen, um eine Störung der Tiere zu vermeiden. Die wilden Müllkippen sind ihm aber ein viel größerer Dorn im Auge. Am Eper Damm sticht sogleich eine Stelle ins Auge, in der Bauschutt abgeladen wurde.

Ich befürchte, dass es zu einem Baumsterben kommt. Buchen werden wohl eingehen.

Hermann Mers

Der Wassermangel bleibt während der Tour durch die Nienborger Naturschutzgebiete ein omnipräsentes Thema. „Ich befürchte, dass es zu einem Baumsterben kommt. Buchen werden wohl eingehen“, sagt Hermann Mers. Wie auf Kommando wird seine Sorge sichtbar: Auf dem Weg zum Wexter Wäldchen fällt eine Buche auf, die inmitten ihrer grün belaubten Schwesternbäume mit rotem und braunem Blattwerk auffällt.

Auf der Pirsch durch die Naturschutzgebiete in Nienborg

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  • Trotz der Jahreszeit gibt es in den Nienborger Naturschutzgebieten viel zu entdecken. Foto: Alex Piccin
  • Trotz der Jahreszeit gibt es in den Nienborger Naturschutzgebieten viel zu entdecken. Foto: Alex Piccin
  • Trotz der Jahreszeit gibt es in den Nienborger Naturschutzgebieten viel zu entdecken. Foto: Alex Piccin
  • Trotz der Jahreszeit gibt es in den Nienborger Naturschutzgebieten viel zu entdecken. Foto: Alex Piccin
  • Trotz der Jahreszeit gibt es in den Nienborger Naturschutzgebieten viel zu entdecken. Foto: Alex Piccin
  • Trotz der Jahreszeit gibt es in den Nienborger Naturschutzgebieten viel zu entdecken. Foto: Alex Piccin
  • Trotz der Jahreszeit gibt es in den Nienborger Naturschutzgebieten viel zu entdecken. Foto: Alex Piccin
  • Trotz der Jahreszeit gibt es in den Nienborger Naturschutzgebieten viel zu entdecken. Foto: Alex Piccin
  • Trotz der Jahreszeit gibt es in den Nienborger Naturschutzgebieten viel zu entdecken. Foto: Alex Piccin
  • Trotz der Jahreszeit gibt es in den Nienborger Naturschutzgebieten viel zu entdecken. Foto: Alex Piccin

Kurz vor der Begehung des knapp drei Hektar großen, vorwiegend mit Fichten bewachsenen Wexter Wäldchen ist Mers davon überzeugt, die Brutstätten von diversen Reihern zu sehen, obwohl der Wald ramponiert wirkt: „Im Frühjahr habe ich um die 20 Stück gezählt.“ Seine Stimmung sollte bald einen Dämpfer erhalten. Zehn Minuten stapfen wir durch den kleinen Forst, den Blick immer wieder in die Fichtenkronen gerichtet - doch von den Nestern fehlt jede Spur. „Ich bin selbst erstaunt, um nicht zu sagen erschrocken“, sagt Mers. Jahrzehntelang seien sie im Wexter Wäldchen heimisch gewesen. Mit ein Grund für den Abschied der Reiher könnte der hohe Krähenbestand sein, schätzt der Naturschutzbeauftragte. Die schwarzen Vögel gelten als Nesträuber.

Hinweise auf Rotwild gibt es hingegen genügend. Auch ein Stück einer Wabe, in der eine einsame Biene eisern ihren Dienst verrichtet, findet sich auf dem belaubten Boden. Es ist ruhig zwischen den Bäumen, Sturmschäden von Kyrill 2007, Niklas 2015 oder Friederike 2018 sind sichtbar, es wurde bewusst nicht aufgeräumt. An noch stehenden, abgestorbenen und kahlen Fichten sind die Arbeiten des Spechtes sichtbar. Dieser Altholzbestand sei auch für andere Flugtiere wie Fledermäuse sehr interessant. „Laut Nabu bleibt dieses Naturschutzgebiet erhalten“, so Mers.

Kleine Parzellen

Das Naturschutzgebiet Füchte Kallenbeck im Nordosten ist mit gut 190 Hektar das größte auf Nienborger Areal. Es ist noch die kleinteilige Gliederung sichtbar, die bis in die Nachkriegszeit das Gesamtbild hier geprägt hat. „Die Nienborger Bürger hatten hier ihre kleinen Felder, mit denen sie sich selbst versorgten. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung verkauften sie ihre Grundstücke“, erklärt Hermann Mers. Die typische Flurbereinigung der 1960er bis 1970er Jahre fand nicht statt. Wohl aber wurden vereinzelt Wallhecken versetzt und einige kleinere Areale zusammengelegt.

„Das Gebiet ist bis heute mit zahlreichen Hecken und Baumreihen gegliedert. Damit ist es ein typisches Beispiel für die münsterländische Parklandschaft“, beschreibt die Biologische Station Zwillbrock das Naturschutzgebiet. Unter naturschutzorientierten Bewirtschaftungsauflagen ist es an Landwirte zur Nutzung verpachtet. Füchte Kallenbeck ist Bestandteil des Europäischen Vogelschutzgebietes „Feuchtwiesen im nördlichen Münsterland“. Feucht ist es allerdings auch hier eher weniger. Der geteerte Weg durch das Gebiet ist mit Laub bedeckt.

Auch die Ammert ist trocken

Die Tour führt uns abschließend nach Norden in die Ammert. Bis zum vergangenen Jahr stand dort, genauer gesagt im Naturschutzgebiet Auf der Ammert, ein 1997 nachgebautes und mit Reet gedecktes Pfostenhaus aus Germanischer Zeit. Tier und Mensch lebten damals gemeinsam darin. 2018 wurde es abgebrochen. Insgesamt bietet sich auch hier ein ähnliches Bild wie in den anderen Naturschutzgebieten: Der mangelnde Regen hat die Wiesen und Weiden vertrocknen und das Gras gelb werden lassen. Kleine Rindergruppen suchen sich die letzten nahrhaften Bissen heraus.

Der trockene Boden hat auch für die Vogelpopulation Folgen. Da dieser mangels Feuchtigkeit an Härte zunimmt, bleiben die Kleinsttiere wie Regenwürmer unter der Erde und entkommen ihren geflügelten Fressfeinden.

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