Atze Schröder in Heek
Attacke auf die Lachmuskeln

Heek -

Das ondulierte Kunsthaar sitzt perfekt, die Pilotenbrille ebenso. „Hallo, Heek! Da bin ich wieder, schön hier in eurer neumodischen, auf alt getrimmten Sporthalle.“ So begrüßte Comedian Atze Schröder sein Publikum am Freitagabend in der ausverkauften Kreuzschulhalle. Der Auftakt zu zwei Stunden nicht immer subtiler Späße.

Sonntag, 15.09.2019, 12:46 Uhr aktualisiert: 15.09.2019, 15:04 Uhr
Atze Schröders Preview-Show in Heek ist zu einer Tradition geworden. Seit Anfang der 2000er-Jahre tritt der Comedian zu Tourbeginn in der Dinkelgemeinde auf.
Atze Schröders Preview-Show in Heek ist zu einer Tradition geworden. Seit Anfang der 2000er-Jahre tritt der Comedian zu Tourbeginn in der Dinkelgemeinde auf. Foto: Alex Piccin

Es war eine sogenannte Preview-Show seines neuen Tour-Programms „Echte Gefühle“. Eine Veranstaltung mit Tradition. „Seit Anfang der 2000er tritt Atze Schröder bei uns in Heek auf“, sagte Heidi Schiller vom Fachbereich I der Gemeinde. Ein Garant für eine volle Hütte bleibt der Kult-Komiker bis heute. Das sollten die über 600 Anwesenden an den eigenen Lachmuskeln leidvoll erleben.

Die Heek-Atze-Beziehung entstand dabei eigentlich zufällig. Auf einer Moonlight-Musiknacht kamen Gemeindevertreter und ein Musiker ins Gespräch, dessen Sohn damals im Management Atze Schröders war. „Der Rest hat sich ergeben“, so Heidi Schiller. Atze zündet sogleich eine Charmeoffensive. Gut zwei Stunden mit neuen und immergrünen Gags vergehen wie im Flug. Dass die Kunstfigur mit Cowboystiefeln und Porsche schon öfter in der Dinkelgemeinde aufgetreten ist, wird in seiner Einführung schnell deutlich: „Ihr seid mir ans Herz gewachsen und ich spiele gerne für euch. Ihr seid meine Leute.“

Ihr seid mir ans Herz gewachsen und ich spiele gerne für euch. Ihr seid meine Leute.

Atze Schröder

Warme Worte sollen das Eis brechen, was eigentlich gar nicht nötig ist. Nur ein kleines Vorgeplänkel, dann legt Atze Schröder los. Subtil sind seine Späße nicht, das erwartet und möchte aber auf den Stühlen wohl auch niemand. So lernen die Zuschauer, dass Frauen audioerotische Wesen sind und einige beim geschlossenen, männlichen Publikumsbrummen schnell „juckig“ werden. Echte Gefühle eben. Da ist der Weg zu den teuren Fußballern nicht weit. Auf die Frage, welcher Mann 222 Millionen Euro wert sei, antwortet eine Stimme aus dem Publikum: „Meiner!“ Atze: „Ja, Heek ist die Hauptstadt der Romantik.“

Lokalkolorit kommt in seiner Show nicht zu kurz. Der Mittfünziger aus Essen-Kray vergleicht das Dorf Münsterland mit der Dating-App Tinder: Digital wie analog wische man in der Legdener Party-Hochburg generell nur nach rechts – die Gefällt-Mir-Funktion. Sein Fett weg bekam auch Michael „der“ Wendler. Offenbar ein guter Ansatz, denn nach der Reaktion des Publikums folgt eine kurze Unterbrechung, in der Atze sich einige Stichpunkte macht. Von ihm wird demnächst wohl noch einiges über den Schlagersänger samt junger Freundin zu hören sein.

Das Alter, der Wandel der Zeit und dass die Jahre auch an einem Atze Schröder nicht spurlos vorübergehen, prägen die nächsten Programmpunkte. Um sich wieder jung zu fühlen, geht es gen Norden zum Wacken-Festival. Heek erfährt, dass Labskaus alles drin hat. Bei überhöhtem Genuss an Hochprozentigem bildet die schleswig-holsteinische Spezialität die letzte Note zur Gewürzsangria Marke Rolle rückwärts.

Heek ist die Hauptstadt der Romantik.

Atze Schröder

Der Komiker gibt eine Episode der Nachbarschaftshilfe für eine syrische Familie zum Besten. Nächstenliebe, auch echte Gefühle. Nicht wie jene, die im TV vorgegaukelt werden. Bachelor, Bauer sucht Frau – gefundenes Bashing-Fressen. In der „familiären Atmosphäre in Heek“, wie Atze sagt, dürfe er auch aus dem Nähkästchen plaudern, was mal bei „Wetten, dass…?“ passiert ist. Eine Geschichte von Warten, Champagner, Matthias Schweighöfer, Lena Meyer-Landrut und einem Wetteinsatz, die in einer so nicht geplanten Autofahrt endete.

Gewohnt prollig gibt Atze Schröder dem Publikum die Devise „Wer angibt, hat mehr vom Leben“ mit auf den Heimweg. Wenn ein Wein möpselt, treibe das den Gastgeber da gerne mal in den Wahnsinn und die eigene Stimmung in die Höhe. Die Zeit für echte Gefühle sei jetzt. Worauf warten, fragt der selbsternannte King of Comedy: „Einfach machen.“

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