Klimaschutz
Klimanotstand ist kein Thema

Heek -

Dass wir das Klima schützen müssen, steht außer Frage. Doch wie gehen das die einzelnen Kommunen an? Heek ist diesbezüglich schon sehr weit.

Dienstag, 17.09.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 18.09.2019, 17:30 Uhr
Von einem Klimanotstand möchte die Gemeinde Heek nichts wissen. Dass weiter in den Klimaschutz investiert werden muss, ist dennoch klar. Die Gemeinde hat allerdings ein gutes Zeugnis in Sachen erneuerbarer Energien ausgestellt bekommen.
Von einem Klimanotstand möchte die Gemeinde Heek nichts wissen. Dass weiter in den Klimaschutz investiert werden muss, ist dennoch klar. Die Gemeinde hat allerdings ein gutes Zeugnis in Sachen erneuerbarer Energien ausgestellt bekommen. Foto: Carsten Rehder/dpa

Gut vier Monate ist es her, dass die Stadt Konstanz den sogenannten „Klimanotstand“ ausgerufen hat – als erste Kommune in Deutschland. Diesem Beispiel sind seitdem viele Städte gefolgt, unter anderem Düsseldorf, Bielefeld oder Münster. Allein in NRW sind es mittlerweile 30 Kommunen.

Etwas anders sieht die Sache im Westmünsterland aus. So haben es Reken, Bocholt und Ahaus bereits abgelehnt, den Klimanotstand auszurufen. Und auch in der Gemeinde Heek wird dieser Notstand (vorerst) keine Rolle spielen. Die Gemeinde verzichtet auf einen Ausruf. Obwohl vor einiger Zeit der Antrag eines Heeker Bürgers bei der Gemeinde einging. Allerdings kommt der Antrag als solches ziemlich „nüchtern“ daher. In der Mail steht lediglich: Sehr geehrter Herr Bürgermeister der Gemeinde Heek, hiermit erkläre ich den Klimanotstand unserer Kommune ….

Doch dieser „Symbolpolitik“ wird man in Heek nicht nachkommen. Runtergebrochen bedeutet Klimanotstand nämlich, dass eine Kommune eine Klimakrise einräumt und eingesteht, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichen, diese zu begrenzen. Dass dem in der Gemeinde Heek aber nicht so ist, stellt Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff klar: „Wir befassen uns in vielen Bereichen mit dem Thema Klimaschutz und brauchen uns mit dem, was wir tun, nicht zu verstecken.“

Die Aussage des Bürgermeisters stützt sich auf viele Aspekte. Nicht zuletzt auf die zahlreichen Windkraft- und Photovoltaikanlagen im Gemeindegebiet. Zudem hat die Gemeindeverwaltung im Juli 2018 „Integrierte Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept“ bei der Gertec GmbH Ingenieurgesellschaft aus Essen in Auftrag gegeben.

Ziel des mit Bundesmitteln geförderten Konzeptes ist es, den Klimaschutz in Heek durch gezielte Maßnahmen und Projekte zu stärken. Dinge, die den Klimaschutzprozess der kommenden Jahren prägen sollen. Das Konzept ist komplex und enthält viele Maßnahmenvorschläge, deren Umsetzbarkeit nun geprüft werden muss. Zentral dabei ist die Stelle des Klimaschutzmanagers. Dieser soll alle Prozesse vor Ort begleiten, anstoßen und – wenn nötig – regulierend eingreifen. „Ohne diese professionelle Begleitung habe ich die Sorge, dass wir nicht richtig vorwärtskommen“, sagt Franz-Josef Weilinghoff.

Problematisch an diesem Posten ist letztlich, trotz der Förderung, die Finanzierung. Eine Gesamtsumme von etwa 500 000 Euro steht in den ersten drei Jahren für solch eine Stelle im Raum. Verbrieft sind die Zahlen nicht. So oder so – denkbar wäre es aus Gemeindesicht, dass man sich den Klimaschutzmanager mit einer Nachbarkommune teilen kann. Vielleicht mit Legden. Zwar ist die Gemeinde noch nicht soweit wie Heek, aber auch in Legden ist das Thema Klimaschutzkonzept seit 2017 akut. Möglich, dass die Erstellung eines Konzeptes 2020 angegangen wird. „Wir werden noch viele Gespräche führen müssen. Wichtig ist, dass wir das Leitbild des Konzeptes im Kopf behalten“, so Weilinghoff.

Fakt ist: Mit Blick auf die bereits erfolgten Klimaveränderungen, die auch in Heek zu spüren sind, muss noch mehr passieren als bisher – lokal und global. Beispielhaft für Heek wertete Gertec auf Basis der seit den 1950er-Jahren erfassten Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes die klimatischen Veränderungen für die Gemeinde aus. Die Ergebnisse müssen wachrütteln. Ein Auszug: Rückgang der Schneetage pro Jahr um zwei bis vier Tage. Die mittlere Temperatur ist um 0,8 Grad gestiegen. Auch die Anzahl heißer Tage (über 30 Grad) ist um drei bis fünf gestiegen. Und die Werte werden bis 2100, so die Prognose, jeweils noch deutlich weiter steigen. Alleine die mittlere Temperatur um weitere zwei Grad.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Sabine Lohoff, Diplom-Ingenieurin für Raumplanung und Prokuristin bei Gertec, erklärt: „Die Gemeinde Heek produziert eine große Menge erneuerbare Energien. Mehr, als in der Gemeinde verbraucht wird. Das ist beachtlich.“ An dieser Stelle gilt es anzusetzen. So sollen laut Konzept noch mehr Photovoltaikanlagen installiert werden, das Radwegnetz weiter ausgebaut und eine zentrale Beratungsstelle für die energetische Sanierung von Wohngebäuden eingerichtet werden. Viel Arbeit, die auf die Gemeinde zukommt.

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