Urteil nach Körperverletzung
Motivfrage bleibt ungeklärt

Heek -

Weil er brutal und nicht zum ersten Mal seine Ex-Partnerin geschlagen hat, stand ein 25-jähriger vor dem Amtsgericht in Ahaus. Dort zeigte sich, wie gewaltbereit der Mann tatsächlich ist.

Montag, 23.09.2019, 18:36 Uhr aktualisiert: 24.09.2019, 17:42 Uhr
Auf der Brinkstraße in Heek soll es im April zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen einem 25-Jährigen und seiner ein Jahr jüngeren Ex-Partnerin gekommen sein.
Auf der Brinkstraße in Heek soll es im April zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen einem 25-Jährigen und seiner ein Jahr jüngeren Ex-Partnerin gekommen sein. Foto: Till Goerke

Besonnen, mit fester Stimme und ohne Umschweife sagte am Montagmorgen eine Heekerin (24) vor dem Amtsgericht Ahaus aus. Angeklagt war ihr Ex-Partner (25), der die junge Frau am 4. April dieses Jahres in ihrer Wohnung in Heek brutal verprügelt haben soll.

„Ich hab an seiner Mimik gesehen, dass er gleich zuschlägt“, sagte die Geschädigte im Zeugenstand aus. Und zur Überraschung des Richters leugnete der Angeklagte die Tat nicht mal. „Das war so. Ich gestehe die Tat ein“, so der 25-jährige Heeker. Die strafrechtliche Quittung: Vier Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung inklusive eines Anti-Aggressionstrainings.

Dabei ist der 25-Jährige alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Denn schon vor der Prügelattacke am 4. April soll der Mann seine Frau mit einer Tupperbox auf den Kopf geschlagen haben. Hinzu kommen etliche Einträge im Strafregister – unter anderem wegen Diebstahl, Einbruch und gemeinschaftlicher Körperverletzung.

Ich hab an seiner Mimik gesehen, dass er gleich zuschlägt.

Geschädigte über den Angeklagten

Dass der Angeklagte ein massives Aggressionsproblem hat, bescheinigte auch der Bewährungshelfer. Auch seine Ex-Partnerin sagte mit den Tränen kämpfend: „Das war nicht das erste Mal, aber wir kennen uns schon so lange. Er soll das nicht alles auf die leichte Schulter nehmen.“ Was letztlich Auslöser des Streits am 4. April war, blieb vor Gericht ungeklärt. Auf den Punkt der gegenseitigen Untreue, wie ihn der Angeklagte anführte, ging die Geschädigte nicht ein. Zunächst sei ohnehin am besagten Tatabend alles gut gewesen.

„Er kam mit einer Pizza zu mir und unseren Kindern“, so die 24-Jährige. Dann jedoch sei „irgendwie“ der Streit entbrannt. Man habe das Geschehen daraufhin ins Schlafzimmer verlagert, damit die Kinder von „der Sache“ nichts mitbekommen. Die Wohnung habe der Angeklagte nämlich trotz Aufforderung nicht verlassen wollen.

Die Prügelattacke selbst hatte für die 24-Jährige gravierende Folgen. Hämatome im Gesicht, eine starke Blutung und viele weitere Beeinträchtigungen. Es dauerte knapp zwei Minuten, ehe der Richter mit dem Verlesen des ärztlichen Befundes fertig war. „Ob er mit der flachen Hand oder der Faust zugeschlagen hat, weiß ich nicht mehr. Ich hatte einfach nur Angst“, so die Geschädigte.

Als der Mann dann nach „etlichen“ Schlägen endlich von ihr abgelassen habe, sei sie, so schilderte es die Geschädigte, in den Hausflur des Mehrfamilienhauses gerannt. Dort sei sie auf Nachbarn getroffen, die ihre Schreie gehört hätten. „Auch mein Ex-Partner ist gekommen und wollte alles erklären, aber davon wollte ich nichts wissen.“

„Was ist dann passiert?“, hakte der Richter nach. „Mein Ex-Partner hat das Haus verlassen“, lautete die Antwort. Erstaunlich: Mittlerweile sei man sich der Kinder zuliebe wieder näher gekommen. „Er übernachtet manchmal bei uns.“

Ein Umstand, der die Strafe nicht milder ausfallen ließ. „Eine Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung ist hier unerlässlich“, stellte die Staatsanwältin klar. Dem folgte das Gericht vollumfänglich. Zudem muss der 25-Jährige eine Antiaggressionstherapie absolvieren und die Kosten des Verfahrens tragen.

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