40 Jahre Bischofsweihe
Nähe zum Menschen steht für Bischof em. Martin Lammers über alles

Nienborg/Bardel -

Der gebürtige Nienborger Martin Lammers hat vor 40 Jahren die Bischofsweihe empfangen. Im Kloster Bardel, der Ursprung seiner geistlichen Reise wird ihm am Sonntag in einer Messe gedacht. Anekdoten aus dem Leben seines Bruders liefert Josef Lammers.

Donnerstag, 03.10.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 04.10.2019, 16:45 Uhr
Bischof em. Martin Lammers (2.v.l.) im vergangenen Jahr bei seinem vorerst letzten Heimaturlaub einen entspannten Nachmittag mit (v.l.) seinem Schwager Hubert Benölken und seinen Brüdern Josef, Heinz und Manfred Lammers.
Bischof em. Martin Lammers (2.v.l.) im vergangenen Jahr bei seinem vorerst letzten Heimaturlaub einen entspannten Nachmittag mit (v.l.) seinem Schwager Hubert Benölken und seinen Brüdern Josef, Heinz und Manfred Lammers. Foto: privat

Fast auf den Tag genau vor 40 Jahren ist der gebürtige Nienborger Martin Lammers zum Bischof geweiht worden. Es war der 4. Oktober 1979. Aus diesem Anlass feiert der Franziskanerorden im Kloster Bardel am Sonntag (6. Oktober) um 9.30 Uhr eine Heilige Messe, zusammen mit dem Franziskaner- und Erntedankfest. Martin Lammers wird an jenem Ort gedacht, an dem seine geistliche Reise begann. Er selbst wird dann in seiner Wahlheimat Brasilien sein.

„Seine Geschichte ist eng mit Bardel verbunden“, sagt Pater Wilhelm Ruhe. Zehn Jahre verbrachte Martin Lammers bei den Franziskanern, ehe er sich für die Missionsarbeit gen Südamerika aufmachte. Lange Zeit war er alle zwei Jahre zu Besuch in Deutschland. „Er gehört weiter zu uns“, so Pater Wilhelm. „Wir regeln beispielsweise alle Formalitäten von hier aus.“

Im vergangenen Jahr war Martin Lammers fünf Wochen auf Heimaturlaub. Möglich, dass es die letzte Stippvisite gewesen ist, wie sein Bruder Josef Lammers darlegt: „Ich bin mir gar nicht sicher, ob er überhaupt noch einmal wieder kommt.“ Sein Bruder sehe sich gegen den langen Interkontinentalflug und dem beengten Sitzen im Flieger an. Eine Buchung der Businessklasse entspräche zudem nicht den Werten der Franziskaner. Ob sich Josef und Marin Lammers persönlich noch einmal wiedersehen, ist auch offen, denn der ein Jahr ältere Bruder hält es ähnlich mit der Fliegerei.

Mit dieser Aufgabe wurde mein Leben eine ewige Reiserei über die Seen und durch die Wälder.

Bischof em. Martin Lammers

Kontakt halten die beiden ganz klassisch per Luftpost. „Ich habe diese Woche noch einen Brief losgeschickt und hoffe, der erreicht ihn auch“, sagt Josef Lammers. Dies sei in Brasilien nicht selbstverständlich und könne auch mal einige Wochen dauern. Telefonisch sei der emeritierte Bischof schlecht erreichbar: „Komischerweise lief das besser, als er noch im Amazonas war.“ Multimedialen Kontakt pflegen Josef Lammers Enkelkinder, sein Sohn und die Schwiegertochter. Der emeritierte Bischof schreibt aber regelmäßige Briefe in die alte Heimat an Freunde und Bekannte. „Mit dieser Aufgabe wurde mein Leben eine ewige Reiserei über die Seen und durch die Wälder“, schreibt er darin und spielt auf seine vielfältigen Aufgaben in der 182 000 Quadratkilometer großen Diözese Óbidos an.

Das mit dem persönlichen Kontakthalten war es indes bereits in der Jugend nicht ganz so einfach. Martin Lammers wechselte 1953 als 13-Jähriger von der Volksschule Nienborg zum Missionsgymnasium St. Antonius nach Bardel. Josef Lammers erinnert sich: „Alle vier Wochen fuhren wir mit dem Fahrrad gut 20 Kilometer nach Bardel. Auf dem Gepäckträger hatten wir immer ein Paket mit sauberer Wäsche geschnallt, auf dem Rückweg nahmen wir die dreckige Wäsche wieder mit.“

Martin Lammers ist vor 40 jahren zum Bischof geweiht worden

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  • Bischof em. Martin Lammers (r.) mit Papst Johannes Paul II.

    Foto: privat
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  • Martin Lammers auf Heimatbesuch in Nienborg anlässlich des silbernen Bischofsjubiläums 2004.

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  • „Auf diesem Foto sieht man, wie abgemagert mein Bruder bei seiner ersten Rückkehr nach Deutschland war“, erinnert sich Josef Lammers. Das Foto ist 1969 entstanden.

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  • In der 182 000 Quadratkilometer großen Diözese Óbidos war Martin Lammers viel unterwegs, auch mal auf dem Motorrad.

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  • Am 4. Oktober wurde Martin Lammers zum Bischof geweiht.

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1962 ging es für Martin Lammers auf einem Seefrachter nach Brasilien. Wochenlang war er auf dem Schiff unterwegs, ehe er in Südamerika anlegte. Fünf Jahre später empfing er in Salvador de Bahia die Priesterweihe. Zu diesem Anlass erhielt Martin Lammers Heimatbesuch durch seinen Bruder. 1979 erfolgte die Bischofsweihe, 30 Jahre später nahm Papst Benedikt XVI. seinen vorzeitigen Rücktrittsgesuch an.

Heute lebt Martin Lammers in der Pilgerstadt Canindé im Nordosten Brasiliens und ist weiterhin als Seelsorger tätig. „Er feiert Gottesdienste, predigt oder nimmt die Beichte ab. Das ist mit einer Lebensberatung zu vergleichen“, sagt Pater Wilhelm. „Hier können die Gläubigen beichten und sich beraten lassen. Die Menschen brauchen wirklich Lebensberatung. Das ist eine dankbare Aufgabe für einen alten Mann“, beschreibt der 79-jährige emeritierte Bischof in seinem Brief die seelsorgerische Tätigkeit.

Keine Bischofskutte beim Papst

Vom Auftritt in vollem Ornat hat Martin Lammers nie etwas gehalten, plaudert sein Bruder Josef aus dem Nähkästchen. Er erinnert sich an eine Episode, als Papst Johannes Paul II. in Brasilien gewesen ist, und die Bischöfe zum Abendessen eingeladen hatte: „Mein Bruder ist mit der Franziskanerkutte erschienen, wurde aber nicht reingelassen. Also sei er auf sein Zimmer gegangen. Einen Tag später, beim Empfang des Papstes, hatte er erneut die Kutte an und da bekam Martin vom Heiligen Vater zu hören: ‚So sieht also ein Bischof aus?!‘“

Von der vollen Montur sollen die Geistlichen aber in den folgenden Tagen Abstand genommen haben, als die Tropenhitze immer unerträglicher wurde. Selbst die Mitra, die Kopfbedeckung eines Bischofs, ruhte zwölf Jahre lang im Schrank bei den Lammers‘ in Nienborg. Die menschliche Nähe Bischof Lammers tritt in den Ausführungen seines Bruders immer wieder hervor.

Die vielen Jahrzehnte in Brasilien haben dennoch Spuren an seinem Sprachgebrauch hinterlassen, wie Josef Lammers erklärt: „Man merkt ihm schon an, dass ihm bei einer Predigt auf Hochdeutsch schon mal Worte fehlen. Aber wenn wir untereinander Plattdeutsch sprechen, ist es so, als ob er nie weg gewesen wäre.“

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