Graffiti auf Ortsnetzstation
Ehrenkodex schützt vor Vandalismus

Heek -

Aus grau, trist und farblos wurde bunte, beeindruckende Kunst. Die Ortsnetzstation am Heeker Kreisverkehr Richtung Legden ist ein Blickfang geworden. Die dahinter steckenden Ideen sind vielfältig.

Donnerstag, 17.10.2019, 19:00 Uhr
Die Ortsnetzstation am Kreisel an der Legdener Straße ist von den Lackaffen künstlerisch aufgewertet worden.
Die Ortsnetzstation am Kreisel an der Legdener Straße ist von den Lackaffen künstlerisch aufgewertet worden. Foto: Till Goerke

Lange fristete sie ein trauriges Dasein, wurde beschmiert und war alles andere als ein Hingucker: die Ortsnetzstation an der Legdener Straße am Kreisverkehr in Heek. Doch im Laufe des Augusts hat sich der graue Kasten in ein kleines Kunstwerk verwandelt (wir berichteten).

Bunte Farben und Flüecks Mühle zieren seitdem die Netzstation. Verantwortlich für die Verwandlung waren die Lackaffen, Graffiti-Künstler aus Münster. Auf ganz unterschiedlichen Ebenen mussten viele Arbeitsschritte bewältigt werden. „Die Idee, das Objekt zu verschönern, ist schon etwa ein Jahr alt“, sagt Ralf Münstermann , Vorsitzender des Heimatvereins Heek auf Nachfrage. Eher zufällig kam der Kontakt mit dem Betreiber der Netzstation zustande. „Auf einem Termin sind wir mit der Westnetz ins Gespräch gekommen“, so Münstermann.

Die Station sei in der Vergangenheit immer wieder als Probeleinwand genutzt worden, sprich Unbekannte beschmierten wiederholt die Fläche. Reinigungsarbeiten durch Westnetz kosteten Zeit und Geld. „Irgendwann waren wir an einem Punkt, wo wir gesagt haben: ‚Jetzt reicht‘s!‘“, erklärt Ruth Brand von der Pressestelle. Deshalb stieß der Heimatverein mit seiner Idee der Verschönerung hier auf offene Ohren.

„Wir hoffen, dass die Fläche so dauerhaft sauber bleibt“, so Brand. Kunst dient dabei als Schutz vor Vandalismus. Denn oberstes Credo, eine Art Ehrenkodex, unter Sprayern ist: Crosse (übermale – Anm. d. Red.) niemals ein Bild, das besser ist, als dein eigenes. Angesichts der künstlerischen Arbeit auf der Ortsnetzstation ist es unwahrscheinlich, dass sich dort jemand mit gutem Gewissen herantraut.

Lackaffen-Geschäftsführer Philipp Scharbert 

Lackaffen-Geschäftsführer Philipp Scharbert  Foto: Lackaffen

Die Sache mit dem Kodex bestätigt auch Philipp Scharbert, Geschäftsführer und Inhaber der Lackaffen: „Es ist ein schönes, kleines Objekt mit lokal-regionalem Bezug. Das ist meist ein Garant für die Akzeptanz in der Bevölkerung.“

Dass die Lackaffen, die mittlerweile über 700 Objekte und Flächen in Kunstwerke verwandelt haben, für die Arbeit ausgewählt wurden, war kein Zufall. „Wir arbeiten schon seit Jahren mit ihnen sehr erfolgreich zusammen“, berichtet Ruth Brand. „Da lag es auf der Hand, sie zu engagieren.“

Auf Wunsch des Heimatvereins Heek wurde für die Verzierung des Ortsnetzstation Flüecks Mühle ausgewählt. Den Grund erklärt Ralf Münstermann: „Die Mühle steht einfach für Heek und zugleich symbolisch für Erneuerbare Energien.“

30 Stunden Vorarbeit waren nötig, ehe Florian Dohnhauser und Simon Carvelius von den Lackaffen vor Ort zur Sprühdose griffen. „Wir haben nach den Wünschen des Kunden anhand von historischen Bildern einen digitalen Entwurf erstellt“, erklärt Philipp Scharbert. An der Ortsnetzstation selbst waren die Künstler inklusive der notwendigen Vorarbeiten 14 Stunden beschäftigt und verbrauchten dabei gut 30 Spraydosen.

Die Gemeinde Heek hat mit diesem Kunstwerk derzeit ein Alleinstellungsmerkmal in der Region, so Ruth Brand. Und: „Die Kosten für die Arbeiten haben wir übernommen.“ Auf welche Summe sich diese belaufen, darüber hüllt sich Brand in Schweigen.

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