Gericht verurteilt 57-jährigen Nienborger trotz ungeklärter Details
Schläge und Tritte auf der Kirmes

Nienborg -

Die Nienborger Kirmes wurde 2017 von einem brutalen Übergriff auf zwei Sicherheitsmänner am Sonntagabend überschattet. Verantwortlich für diesen Gewaltexzess soll ein 57-jähriger Nienborger gewesen sein.

Dienstag, 12.11.2019, 18:08 Uhr aktualisiert: 13.11.2019, 17:08 Uhr

Die Anklage: Der Nienborger soll seinen Sohn und weitere Bekannte angestachelt haben, die Security-Männer anzugreifen, da diese ihn zuvor wegen einer Pöbelei ermahnt hätten. Bei dem Übergriff soll der 57-Jährige auch selbst mehrfach zugeschlagen haben. Erst durch den Einsatz von Pfefferspray des zweiten Sicherheitsmannes seien die Angreifer in die Flucht geschlagen worden.

Bereits Ende April dieses Jahres wurde der Fall vor dem Amtsgericht Ahaus verhandelt. Da wurde jedoch noch kein Urteil gefällt, weil die Aussagen der beiden Security-Männer nicht immer deckungsgleich waren und somit die exakte Rolle des Angeklagten zunächst nicht eindeutig zu klären war.

Nach einer fast dreistündigen Beweisaufnahme wurde der Angeklagte wegen gemeinschaftlicher Misshandlung und gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten auf Bewährung, einer Zahlung von 2000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung sowie 500 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

Jede Aussage verweigert

Ohne mit der Wimper zu zucken und wortlos nahm der Nienborger den Schuldspruch zur Kenntnis und verließ den Gerichtssaal. Ein Verhalten, das er während des gesamten Prozesses an den Tag gelegt hatte, indem er jede Aussage verweigerte.

Dafür fand das Opfer, der 27-jähriger Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes, deutliche Worte: „Der Typ hat einen Blick wie Anthony Hopkins“, spielte er auf den Darsteller des Filmbösewichts Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ an. „Das vergesse ich nicht mehr. Der saß auf mir und hat immer wieder zugeschlagen.“ Der 27-Jährige trat derweil nicht nur als Zeuge, sondern auch als Nebenkläger auf.

Der saß auf mir und hat immer wieder zugeschlagen.

Der Geschädigte

Eigentlich, so hatten es sich Gericht und Staatsanwaltschaft ausgemalt, sollte eine Zeugin, die in einer benachbarten Pizzeria arbeitete, Licht ins Dunkel bringen. Dort sollen sich sowohl die Sicherheitsleute als auch einige der Angreifer im Sanitärbereich nach der Schlägerei „verarztet“ haben.

Dabei soll die „Pizzafrau“ einem der Sicherheitsleute einen Zettel mit dem Namen des Angeklagten überreicht haben. Dies brachte seinerzeit die Ermittlungen zusätzlich ins Rollen. Doch davon wollte die Frau in der Vernehmung nichts mehr wissen. „Ich habe nichts überreicht und ich habe nichts gesehen.“ Etwas, das dem Verteidiger des Angeklagten, merkwürdig vorkam. „Wieso sollten sich die beiden Männer das ausdenken?“, hakte der Staatsanwalt nach. „Was weiß ich denn? Mir wird das zu bunt hier“, entgegnete die Frau. „Mir scheint, Sie haben vor irgendetwas Angst“, merkte der Staatsanwalt an.

Mir scheint, Sie haben vor irgendetwas Angst.

Staatsanwalt

Der angebliche Zettel ist spurlos verschwunden und lag dem Gericht nicht vor. Auch die teilweise unterschiedlichen Aussagen der beiden Sicherheitsmänner blieben im Raum stehen. Denn im Gegensatz zum Geschädigten konnte sich dessen Kollegen nicht daran erinnern, den Angeklagten bei der Attacke gesehen zu haben.

Nicht zuletzt deshalb forderte der Verteidiger einen Freispruch für seinen Mandanten. Doch daraus wurde nichts: Der Richter folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Nienborger „auf Basis der Beweisaufnahme“ zu acht Monaten auf Bewährung inklusive der saftigen Geldstrafe.

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