Heeker will Mitbürger für Natur- und Artenschutz sensibilisieren
Naturschützer Herbert Moritz: Gemeinsam etwas tun

Nienborg -

Die Zusammenhänge in der Natur erkennen, für die Problematik durch den menschlichen Einfluss auf diese sensibilisieren und die Menschen aufklären, wie jeder etwas für den Natur- und Artenschutz tun kann – dieser Aufgabe geht Herbert Moritz mit großer Leidenschaft nach. Seit vielen Jahren. Wildbienen liegen ihm dabei besonders am Herzen.

Dienstag, 26.11.2019, 19:00 Uhr
Der Heeker Herbert Moritz hat auf vier Grundstücken in seinem Wohngebiet Blühpflanzen auf brach liegende Flächen ausgesät, um Nahrungsquellen für Insekten und Vögel zu schaffen.
Der Heeker Herbert Moritz hat auf vier Grundstücken in seinem Wohngebiet Blühpflanzen auf brach liegende Flächen ausgesät, um Nahrungsquellen für Insekten und Vögel zu schaffen. Foto: Markus Gehring

Herr Moritz , man hört ja immer wieder vom akuten Bienensterben. Ist das etwas dramatisiert oder ist die Sache wirklich ernst?

Herbert Moritz: Also ein Insektensterben haben wir vor allem bei den Insekten, die keiner so wirklich wahrnimmt, wie zum Beispiel bei den Wildbienen und Käfern. Aber die normalen Bienen, die unsere heimischen Imker halten, nimmt man wahr, weil sie durch die Imker besonders gezüchtet und gut gepflegt, gehalten werden. Aber selbst da kommt es manchmal zu Ausfällen, zum Beispiel durch die Varroamilbe oder durch den fahrlässigen Einsatz bestimmter Pflanzenschutzmittel. Einige Mittel wurden mittlerweile verboten, aber das reicht noch nicht.

Welche Mittel meinen Sie konkret?

Moritz: Hier sind vor allem Neonikotinoide (hochwirksame Insektizide – d. Red.) im Einsatz. Leider werden immer wieder neue Mittel produziert, deren wahre Toxizität mit ihren negativen Begleiterscheinungen auf das ganze Ökosystem erst viel später festgestellt werden. Das ist natürlich krass, weil dessen Einsatz viele Organismen trifft.

Also ist generell der Einsatz von Insektiziden die größte Gefahr für Bienen?

Moritz: Ja, hier im Kreis Borken mit den agrarisch besonders intensiv genutzten Bereichen auf jeden Fall. Aber man darf auch den Mangel an Nahrung nicht vergessen, also fehlende Blühflächen und Blühpflanzen an Straßen und Wegen. Für die Nutztiere und Biogasanlagen wird großflächig Mais als Futtermittel angebaut ohne Nutzen für die Insekten. Das bringt den Bienen und anderen Insekten herzlich wenig, letztendlich fehlen generell einfach Nahrungsquellen für die Insekten. In den Wohngebieten der Kommunen fällt besonders die starke Zunahme steriler Steingärten auf, in denen sind keine Blühpflanzen mehr zu finden.

Was kann ich Privatperson machen, um Bienen etwas Gutes zu tun? Möglichst viele Blumen auf meinem Grundstück haben?

Moritz: Genau, und auf sterile Steingärten verzichten. Man muss das einfach nur wollen. Das ist ja nichts Kompliziertes oder Aufwendiges. Es gibt ja sogar bei der Gemeinde Heek kostenloses Saatgut zum Abholen. Einfach mal im Rasen eine kleine Fläche Blumensaatgut aussäen. Das hilft enorm und bewährt sich sofort.

Sie würden also jedem Heeker, der die Möglichkeit hat, dazu raten, sich das kostenlose Saatgut abzuholen und auszuprobieren?

Moritz: Ja, unbedingt. Hier in Heek gibt es viele unbebaute Grundstücke, die kann man doch ohne Probleme mit Blühpflanzen als Nahrungsquelle für Insekten und Vögel begrünen. Das habe ich bei uns in der Straße auch gemacht. Das sind jetzt vier Grundstücke im zweiten Jahr. Man muss natürlich testen, welches Saatgut bei den trockenen Sommern am besten passt, aber das sind eben Erfahrungswerte. Meistens setzen sich Sonnenblumen aber durch. Blühendes hilft nicht nur Bienen und Insekten, sondern sieht auch noch schön aus, ist also ein Mehrwert für die Gemeinde. Die Grundstücke müssen doch nicht einfach so brach rumliegen. Wenn es keine Insekten und keine Blühpflanzen mit ihren Samen mehr in unserer Kulturlandschaft gibt, bedeutet das auch, dass unsere heimischen Vogelarten keine Nahrung mehr finden und auch deren Bestände immer weiter zurückgehen.

Also ist so eine große Blühwiese, wie sie die Bürgerstiftung angelegt hat, genau der richtige Weg aus ökologischer Sicht?

Moritz: Das ist sehr gut. Eine tolle Aktion. Noch mehr solcher Flächen wären wünschenswert. Dabei kann ja jeder ein bisschen mithelfen. Und darum geht es ja: Gemeinsam etwas tun. Wichtig ist, dass die Menschen sensibilisiert werden.

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