Politik und Verwaltung finden nur einen vorläufigen Kompromiss
Klar ist noch lange nichts

Heek -

Die Miene von Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff wurde beim vierten Tagesordnungspunkt im jüngsten Bauausschuss mächtig düster. „Wie hier diskutiert wird, kann ich nicht mehr nachvollziehen“, sagte Weilinghoff in Richtung CDU-Fraktion.

Dienstag, 03.12.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 04.12.2019, 17:22 Uhr
Der Eppingsche Hof, dessen Außenbereich direkt an den Marktplatz grenzt, ist ein Zankapfel zwischen Bürgermeister und Fraktionen: Die streiten sich darum, in welcher Reihenfolge welche Sanierung durchgeführt werden sollte.
Der Eppingsche Hof, dessen Außenbereich direkt an den Marktplatz grenzt, ist ein Zankapfel zwischen Bürgermeister und Fraktionen: Die streiten sich darum, in welcher Reihenfolge welche Sanierung durchgeführt werden sollte. Foto: Till Goerke

Einmal mehr ging es um die Umgestaltung des Außenbereichs am Eppingschen Hof direkt angrenzend zum Marktplatz, Weilinghoffs „Projekt“.

Seit seiner Wahl zum Bürgermeister 2014 kämpft das parteilose Gemeindeoberhaupt in der CDU-Hochburg Heek für die Umgestaltung des Marktplatzes. Ein Baustein dieses Konzepts ist die Umgestaltung des Außenbereichs des Eppingschen Hofs. Jenem Ort, der für viele Heeker eine große Bedeutung hat. Nicht nur, weil er der älteste erhaltene Bauernhof der Gemeinde (1857) ist. Viele Vereine und Verbände nutzen die Räume des historischen Gebäudes. Bänke vor dem Gebäude sollen an diesem zentralen Platz zum Verweilen einladen.

Doch in Sachen Aufenthaltsqualität geht noch mehr. Darum beauftragte die Gemeindeverwaltung das Landschaftsarchitekturbüro Hoff aus Essen, ein Konzept zu entwickeln.

Hitzige Debatte

Und genau das sorgte (erneut) im Ausschuss für eine hitzige Debatte zwischen CDU- und SPD-Fraktion. Der primäre Grund: Die CDU in Person von Mario Strehlow stellte klar, dass die Sanierung der unmittelbar angrenzenden Brinkstraße/Ahler Straße zusammen mit dem Marktplatz angegangen werden müsse. „Wir möchten nicht, dass auf dem neuen Pflaster des Marktplatzes Material für den Straßenbau gelagert wird.“

Zudem störte Strehlow der angedachte Standort eines Sonnensegels auf dem Marktplatz. „Da stehen beim Schützenfest immer die Toiletten. Wurde das Konzept überhaupt zusammen mit den Vereinen erarbeitet? Für uns als CDU ist hier kein Gesamtkonzept erkennbar.“

Und das, obwohl die Gemeindeverwaltung bereits zuvor einen 65-Prozent-Förderantrag bei der Bezirksregierung Münster gestellt hatte. 96 000 Euro sind für die Maßnahmen veranschlagt. Bei Förderzusage müsste die Gemeinde selbst nur 36 600 Euro im Haushalt 2020 einplanen. „Wir können hier nicht einfach Fördergelder beantragen, ohne konkrete Maßnahmen anzugeben“, mahnte Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff an.

Seien Sie mal ehrlich: Sie wollen das alles einfach nicht.

Hermann-Josef Schepers

Ihmsprang die SPD-Fraktion in Person von Hermann-Josef Schepers zur Seite, der sich an Mario Strehlow wandte: „Auf dem Marktplatz wird niemals Material gelagert. Vergessen Sie es einfach. Und seien Sie mal ehrlich: Sie wollen das alles einfach nicht. Das ist ein Politikum. Sie betreiben Verhinderungsarbeit. Das ist ein Witz. Das muss so deutlich gesagt werden.“

Das Vorwurfskarussell nahm in der Folge richtig Fahrt auf. Die Palette reichte von „nicht fähig, ein Sitzungsprotokoll lesen zu können“ bis hin zu „wissen Sie überhaupt noch, was Sie wollen“. Bis Franz Josef Weilinghoff einschritt: „Ich will wissen, ob das Konzept jetzt gewollt ist oder nicht. Sonst können wir es auch einfach lassen.“

Einstimmig gewollt war es an diesem Abend logischerweise nicht. Die SPD nickte den Antrag auf Umsetzung geschlossen ab. Die CDU-Fraktion forderte eine Rückstellung, bis die Sanierung der Brinkstraße abgeschlossen ist.

Kompromiss gefunden

Der Förderantrag wird nicht zurückgezogen – im Haupt- und Finanzausschuss wurde später ein Kompromiss gefunden, mit dem alle Beteiligten zumindest „leben können“.

Im nächsten Jahr beginnt ein mehrgliedriges Verfahren, bei dem unter anderem mit einer Priorisierung der Maßnahmen gearbeitet, nochmals die Bürger beteiligt und die Planung mit der Sanierung der Brinkstraße verknüpft werden soll. „Mitte des kommenden Jahres rechnen wir mit einem Bescheid. Dann müssen wir sehen, wie die Mittel konkret zugewiesen werden“, erklärt Bauamtsleiter Herbert Gausling auf Nachfrage. Klar ist also noch lange nichts.

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