Ex-Straftäter und heutiger Buchautor Hermann Wenning spendet seinem Ex-Verein Geld
„Absoluter Hammer“ für Rot Weiß

Heek -

Viel Beute haben sie nicht gemacht – aber der Schaden, den die Täter bei ihren beiden Einbrüchen am Vereinsheim von Rot Weiß Nienborg angerichtet haben, ist groß. Und teuer. Hilfe erhält der Verein jetzt von unerwarteter Seite: Buchautor Hermann Wenning, der mit seiner Lebensgeschichte als ehemaliger Straftäter und Drogensüchtiger heute in der Suchtprävention tätig ist, spendet seinem früheren Verein Geld.

Dienstag, 04.02.2020, 18:03 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 17:54 Uhr
Mit seinen Büchern und Lesungen will Hermann Wenning verhindern, dass Jugendliche den gleichen Weg einschlagen wie er in dem Alter. Seine Alkohol- und Drogensucht war auch der Grund, dass er vor fast 20 Jahren als Trainer in Nienborg die Brocken hinwarf.
Mit seinen Büchern und Lesungen will Hermann Wenning verhindern, dass Jugendliche den gleichen Weg einschlagen wie er in dem Alter. Seine Alkohol- und Drogensucht war auch der Grund, dass er vor fast 20 Jahren als Trainer in Nienborg die Brocken hinwarf. Foto: Daniela Smolka

Aufgebrochene Türen, eingeschlagene Fensterscheiben und durchwühlte Schubladen – Einbrecher drangen in den vergangenen Monaten zweimal in das Klubheim von Rot Weiß Nienborg ein. Und verursachten dabei hohen Sachschaden und geringe Beute.

Der Frust sitzt tief bei den Klub-Verantwortlichen. Doch jetzt sorgt die Nachricht eines Ex-Straftäters für hellere Mienen: Hermann Wenning , der Mitte der 90er-Jahre als Jugendtrainer bei den Rot-Weißen aktiv war, meldete sich bei RWN-Vorstand Martin Mensing und seinem Stellvertreter Heiko Niemeier.

Und verkündete laut Mensing einen „absoluten Hammer“: 1000 Euro überwies der 55-Jährige, der nach eigener Drogensucht mittlerweile als Buchautor und Redner unterwegs ist, spontan auf das Konto seines Ex-Clubs. Geld, dass der Verein gut gebrauchen kann, um die Sicherheitsmaßnahmen am Klubheim zu erhöhen oder um die Jugendarbeit zu fördern. Besonders letzteres liegt Hermann Wenning am Herzen.

„Ich war wegen einer Lesung in Legden und habe über den Einbruch in der Zeitung gelesen“, berichtet Wenning. Dabei habe sich sein Gewissen gemeldet. „Das ist immer noch schlecht, wenn bei Bekannten eingebrochen wird. Schließlich habe ich das ja auch selbst lange gemacht.“

Es war eine tolle, intensive Zeit. Leider ist sie viel zu früh und traurig zu Ende gegangen.

Hermann Wenning

Heute steht der gefragte Autor zu seinen Fehlern in der Vergangenheit. Auch zu seiner Zeit im Gefängnis. Und Hermann Wenning ist clean. Drogen und Alkoholkonsum gehören der Vergangenheit an. Seit über 20 Jahren. Drei Bücher hat Hermann Wenning mittlerweile veröffentlicht. Und er ist in der Suchtprävention tätig.

Bevor die Drogenproblematik ihren Lauf nahm, war Wenning von Juni 1992 bis Februar 1994 als A- und B-Jugend-Trainer bei RW Nienborg im Einsatz. Auch der heutige Zweite Vorsitzende Heiko Niemeier wurde einst von Hermann Wenning trainiert. „Es war eine tolle, intensive Zeit. Leider ist sie viel zu früh und traurig zu Ende gegangen“, blickt der 55-Jährige zurück.

Aufgrund seiner Alkoholabhängigkeit räumte er den Posten. damals aus freien Stücken. „Der Alkohol hatte mich immer mehr im Griff. Es ging einfach nicht mehr. Ich musste die Reißleine ziehen und hinschmeißen.“ Wenige Monate später geriet Wenning in eine Abwärtsspirale. Doch die „Liebe“ zu Rot Weiß habe er nie verloren, betont er.

Ich wollte einfach auch mal etwas Gutes tun.

Hermann Wenning

„Darum war für mich auch direkt klar, dass ich dem Verein helfen will, etwas zurückgeben will.“ Mit Blick auf die Spendensumme stellt sich die Frage: Warum in dieser Höhe? „Ich habe in meinem Leben und durch meine Sucht so viel Geld sinnlos verbrannt, da kann man für eine sinnvolle Sache auch mal etwas springen lassen“, sagt Wenning. „Ich wollte einfach auch mal etwas Gutes tun.“

Die Spende kommt an bei RWN. Im doppelten Sinne. „Das ist einfach grandios. Das Geld werden wir zeitnah und zweckgebunden einsetzen“, stellt Klubvorsitzender Martin Mensing klar.

Näheres werde kommende Woche bei einer Vorstandssitzung besprochen. Und vielleicht greifen die Verantwortlichen ja auch auf Wennings „Expertise“ in Sachen Einbruchschutz zurück. Denn diesem Thema hat der Ex-Einbrecher auch ein extra Kapitel in seinem neuen Buch „Einbruch“, das am 15. September im Geistkirch-Verlag erschienen ist, gewidmet.

„Man kann jedem Einbrecher das Leben schwer machen“, sagt der 55-Jährige. Mal mehr, mal weniger. Mit Blick auf eine mögliche Videoüberwachung am RWN-Klubheim sagt Wenning: „Mich würde das als Täter abschrecken. Da steht das Risiko erkannt zu werden in keiner Relation zur potenziellen Beute.“

Nicht von der Hand zu weisen, denn jüngst erbeuteten der oder die Täter mal gerade eine Kiste Fanta. „Solche Taten sprechen eher für Jugendliche, vielleicht im Rausch.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7239363?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F27962%2F
Rosenmontagszug mit fröhlichen Holländern und strahlendem Prinz Karneval
Für Prinz Thorsten II. Brendel (2.v.r.) ist der schönste Moment der ganzen Session gekommen: Mit den Adjutanten Frank Hoffmann (v.l.), Andreas Koch und Christian Lange rollt er auf den Prinzipalmarkt zu.
Nachrichten-Ticker