Drei junge Albanerinnen werden in Heek zu Altenpflegerinnen ausgebildet
Einfach immer wieder fragen

Heek -

Halbzeit für Artemisija, Alma und Marieta. Im kommenden Jahr wollen die jungen Albanerinnen endlich geprüfte Altenpflegerinnen sein. Das Handwerkszeug dazu lernen sie in der Dinkelgemeinde.

Freitag, 07.02.2020, 18:04 Uhr aktualisiert: 09.02.2020, 22:12 Uhr
Begegnung im Werkraum der neuen Caritas-Zentrale: Alma, Artemisija und Marieta (v.l.) spielen mit Karl Kazia (84) Bingo. ​
Begegnung im Werkraum der neuen Caritas-Zentrale: Alma, Artemisija und Marieta (v.l.) spielen mit Karl Kazia (84) Bingo. ​ Foto: Hildebrand-Stubbe

Vor eineinhalb Jahren hatte der Caritas-Verband Ahaus-Vreden mit einem Projekt Neuland betreten und drei jungen Frauen aus Albanien einen Ausbildungsplatz in der Altenpflege in Heek angeboten.

Eineinhalb Jahre, in denen das Trio (alle 20 Jahre alt) nicht nur die große Distanz zu ihren Familien verkraften, sondern sich auf eine völlig neue Kultur, auf ein ganz anderes Leben einstellen musste.

Aus den schüchternen Mädchen der Anfangszeit sind mittlerweile selbstbewusste Frauen geworden, die in der jetzt gar nicht mehr so fremden Sprache ihre Halbzeit-Bilanz ziehen. Und alle drei sind davon überzeugt, dass die Entscheidung für die neue „Welt“ die richtige war. Nein, der Schriftzug auf Marietas T-Shirt („Still not amused“) sei nicht als Statement, sondern nur als modisches Accessoire zu verstehen, sagt sie und lacht. Allgemeiner Tenor: „Wir haben viel gelernt.“

Dabei haben sie naturgemäß die fachliche Seite im Auge, sie alle haben in Theorie und Praxis, in der Schule, im Altenheim wie in der ambulanten Pflege erste Erfahrungen gesammelt. Artemisija nennt Stichworte: Körperpflege, Blutdruck messen, Stoma-Versorgung, Insulin-Spritzen . . .

Den Umgang mit den alten Menschen, mit Kollegen und Mitschülern beschreiben alle als richtig positiv: „Alle sind einfach nur nett und helfen uns, wenn etwas mal nicht klappt.“ Nicht ganz so leicht fällt es ihnen allerdings nach wie vor, sich in der deutschen Sprache zurechtzufinden. „Ja, wir haben uns sicher verbessern können, verstehen vieles ganz gut“, sagt Marieta und bekommt Zustimmung von ihren Mitstreiterinnen. Allerdings sind sich auch alle darin einig, dass Deutsch einfach unglaublich schwierig zu lernen ist. Und das habe nicht nur etwas mit den Fachbegriffen in ihrem beruflichen Umfeld zu tun. Bis zur Prüfung gibt es da sicher noch einiges zu tun.

Bis dahin überbrücken sie Verständnislücken mit Übersetzungsprogrammen oder stellen einfach immer wieder Fragen. Marieta ist stolz, dass sie sogar schon einige Begriffe auf Platt gelernt hat, wie „upstoan“ oder „in‘t Be goahn“.

Außerdem haben sie auch ihre ganz eigenen Methoden der Kommunikation entwickelt. Marieta: „Wenn wir einige Wörter nicht so gut verstehen, hilft uns die seelische Sprache.“ Alma nennt es: „Mit Liebe sprechen.“ Dass sie es vielleicht leichter hätten, im Deutschen sattelfest zu werden, wenn sie nicht zusammen wohnen würden, glauben sie zwar, setzen jedoch ein deutliches Aber dahinter. „Ich könnte das nicht hinbekommen, wenn ich alleine wohnen würde“, sagt Artemisija. Es helfe einfach, wenn sie sich zu Hause, in der Ferienwohnung der Familie Kaul, in ihrer Sprache über alles Wichtige unterhalten könnten. Und die Gelegenheit, Deutsch zu sprechen, nutzen sie ja auch. Zum Beispiel, wenn sie ins Kino gehen, was mittlerweile häufiger der Fall sei.

Marieta erzählt vom Film „Das perfekte Geheimnis“, den sie gemeinsam gesehen haben. „Kino, das ist fast wie eine Prüfung, wenn man alles verstehen will.“ Auch andere Freizeitvergnügen haben die angehenden Altenpflegerinnen schon ausprobiert und schwärmen von Kirmes und Weihnachtsmärkten, vom Shoppen im nahen Outlet-Center. Nur in Heek, da sei für junge Menschen einfach nicht so viel los, bedauern sie.

Für Freizeit wird aber in der zweiten Halbzeit der Ausbildung zunehmend weniger Zeit sein. Alle drei nennen die Abschlussprüfung als oberstes Ziel. Wenn sie die geschafft haben, sehen sie ihre berufliche Zukunft auf jeden Fall in Deutschland. Ob in Heek oder anderswo, da hat sich noch keine entschieden.

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