Sturm lässt Giebel eines Hauses an der Ludgeristraße einstürzen
Der Tag der kleinen Dienstwege

Heek -

Die Nachbarin hatte ihr Auto extra so geparkt, dass keine Ziegel darauf fallen können. Sie konnte ja nicht ahnen, dass der Sturm „Sabine“ wenig später einen kompletten Giebel aus dem Nachbarhaus in Heek brechen und ihren Wagen schwer beschädigen sollte.

Montag, 10.02.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 10.02.2020, 19:35 Uhr
„Sabine“ hat ganze Arbeit geleistet: Der Giebel eines Hauses in Heek, in dem eine siebenköpfige Flüchtlingsfamilie wohnte, ist komplett heruntergebrochen. Bereits gestern begann die Gemeinde mit Abrissarbeiten an dem nunmehr unbewohnbaren Gebäude.
„Sabine“ hat ganze Arbeit geleistet: Der Giebel eines Hauses in Heek, in dem eine siebenköpfige Flüchtlingsfamilie wohnte, ist komplett heruntergebrochen. Bereits gestern begann die Gemeinde mit Abrissarbeiten an dem nunmehr unbewohnbaren Gebäude. Foto: Wilfried Gerhartz

Im Vergleich zum restlichen Münsterland hat es Heek damit in der Nacht zum Montag am schwersten erwischt.

Die Konsequenzen zu tragen hat eine syrische Flüchtlingsfamilie, die seit etwa eineinhalb Jahren in dem rund 100 Jahre alten Haus gelebt hat. Die Sorge eines Nachbarn, dass die Familie mit fünf Kindern durch den Zwischenfall zusätzlich traumatisiert sein könnte, zerstreut Doris Reufer aber am Morgen danach: „Gefasst“ hätten die sieben Bewohner die Beschädigung des Hauses aufgenommen.

Sie mussten noch am Sonntagabend gegen 20 Uhr das Haus verlassen, berichtet die Leiterin des Ordnungs- und Sozialamts der Gemeinde Heek. Sie hätten die nötigsten Kleidungsstücke und Lebensmittel aus dem Kühlschrank holen dürfen und seien dann zunächst in eine erste Notunterkunft gebracht worden.

Neue Bleibe gefunden

Die haben sie aber inzwischen wieder verlassen und eine neue Bleibe gefunden. Auch die ist nur für den Übergang. Zunächst müssen in Heek die einen oder anderen Flüchtlinge, die „großzügig“ lebten, umziehen, damit die siebenköpfige Familie ein neues Zuhause bekommen kann.

Der 16-jährige Julius Kemper nutzt derweil den schulfreien Tag, um sich in aller Ruhe den Abriss seines bisherigen Nachbarhauses anzuschauen und dabei zu fotografieren. Er hat am Sonntag zwar einen lauten „Rums“ gehört, als er bei seiner Großmutter saß. Doch Sturm und Regen erschwerten die Ursachenforschung. „Ich habe erst gedacht, dass da eine Dachplatte runtergekommen sein könnte“, erzählt er. Dass gleich ein ganzer Giebel aus der Häuserwand gebrochen ist, bekam er erst mit, als seine Mutter ihn auf den Schaden neben hingewiesen hatte.

Schon am Montagmittag beginnt ein Bagger, das Haus abzubrechen. Die Bauarbeiter gehen davon aus, dass die Arbeiten „mehrere Tage“ dauern werden. Auch wenn der Auftrag kurzfristig hereinkam, werden die einzelnen Bestandteile des Hauses fein säuberlich voneinander getrennt.

Wir haben Glück gehabt, dass da keiner gelaufen ist.

Bauamtsleiter Herbert Gausling

Bauamtsleiter Herbert Gausling begründet den schnellen Abriss mit „Verkehrssicherungspflichten“, denen die Gemeinde genügen will. Er fürchtet, dass weitere Teile des Hauses auf die viel befahrene B 70 direkt vor der Haustür fallen könnten. „Wir haben Glück gehabt, dass da keiner gelaufen ist“, sagt er auf Anfrage. So sind schon am Morgen die ersten Handwerker und Bauarbeiter damit beschäftigt, das Haus von der Strom- und Gasversorgung zu trennen. Ein Bagger eines Unternehmens aus Heek steht schnell bereit, ein Trecker bringt den ersten Container. Der Montag ist der Tag der kleinen Dienstwege in Heek.

Wohnhaus in Heek abgerissen

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  • In Heek riss Sturmtief „Sabine“ Teile des Giebels eines Wohnhauses weg.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Dabei fielen Trümmer zu Boden und teilweise auch auf die Straße.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Gebäude in der Ludgeristraße musste vollständig abgerissen werden.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Haus wurde von einer siebenköpfigen Familie bewohnt, die am Sonntag evakuiert worden waren.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Sturmschaden in Heek

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Sturmschaden in Heek

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Sturmschaden in Heek

    Foto: Wilfried Gerharz

Den Zustand des Hauses, das die Gemeinde vor etwa fünf Jahren von einer alleinstehenden Frau gekauft hatte, beschreibt Gausling so: Damit es als Flüchtlingsunterkunft dienen konnte, sei das Bad in Schuss gebracht und der Rest „bewohnbar“ gemacht worden.

Die Kosten hätten sich in einem normalen Rahmen bewegt, allerdings wäre es wegen seines Zustands auf dem freien Markt wohl nicht zu vermieten gewesen.

Das Haut habe aber einen höheren Standard als eine Gemeinschaftsunterkunft gehabt.

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