Sturmschaden trifft syrische Familie hart
Zerstörung weckt Erinnerungen

Heek -

Für die siebenköpfige Flüchtlingsfamilie aus Syrien war „Sabine“ ein Tragödie: Die Wucht des Sturms riss den Giebel ihres Hauses an der Ludgeristraße am Sonntagabend mit einem lauten Knall zu Boden. Ein traumatisches Erlebnis, besonders für die fünf Kinder.

Donnerstag, 13.02.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 13.02.2020, 19:43 Uhr
Der nächtliche Sturm hat eine ganze Familie erneut obdachlos gemacht – und sie an die Zerstörungen des Kriegs in ihrem Heimatland erinnert, vor denen sie vor sechs Jahren geflohen sind.
Der nächtliche Sturm hat eine ganze Familie erneut obdachlos gemacht – und sie an die Zerstörungen des Kriegs in ihrem Heimatland erinnert, vor denen sie vor sechs Jahren geflohen sind. Foto: Martin Klose

Die Zerstörung des Hauses, der Krach, die erneute „Flucht“ – all das habe Erinnerungen an die schrecklichen Erlebnisse im Syrienkrieg wieder real werden lassen. Das berichtet die Heekerin Claudia Kersten , eine enge Freundin der siebenköpfigen Familie. Jetzt möchte sie der Familie „einfach nur helfen.“ Die Menschen, so sagt sie, sollen erfahren, was diese Familie schon an Leid ertragen hat.

„Schön wäre es, wenn sich möglichst viele Menschen finden würden, die der Familie mit einer Spende in dieser Notsituation helfen.“ Möglich soll das bald über ein eigens dafür eingerichtetes Spendenkonto sein. Die Telefondrähte glühen. Wie bitter nötig jeder Cent ist, zeigt sich mit Blick auf das Hab und Gut, das der Familie nach dem Sturm noch geblieben ist: Fünf Tragetaschen, gefüllt mit ein bisschen Kleidung und Bettzeug. Und ein paar Elektrogeräte. Mehr nicht. Die Möbel wurden verschrottet. Zu groß war das Risiko, das Haus an der Ludgeristraße noch einmal zu betreten.

Sicherer Ort gesucht

Aktuell ist die Familie in einer Flüchtlingsunterkunft in der Brinkstraße untergebracht – unter mehr als einfachen Bedingungen. Doch mehr konnte die Gemeinde in der Kürze der Zeit für eine Familie dieser Größe nicht organisieren.

Hinter den Kulissen wird fieberhaft an einer angemessenen Lösung gearbeitet. „Eine Wohnung, ein Ort der Sicherheit ist jetzt ganz wichtig für die Familie.“ Es müsse nichts Extravagantes sein, nur etwas, das „menschenwürdig“ sei. „Alle brauchen jetzt Ruhe und das Gefühl von Geborgenheit, um das Erlebte aufarbeiten zu können.“ Besonders der psychische Zustand der Kinder sei kritisch.

Wohnhaus in Heek abgerissen

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  • In Heek riss Sturmtief „Sabine“ Teile des Giebels eines Wohnhauses weg.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Dabei fielen Trümmer zu Boden und teilweise auch auf die Straße.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Gebäude in der Ludgeristraße musste vollständig abgerissen werden.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Haus wurde von einer siebenköpfigen Familie bewohnt, die am Sonntag evakuiert worden waren.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Sturmschaden in Heek

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Sturmschaden in Heek

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Sturmschaden in Heek

    Foto: Wilfried Gerharz

Alte Ängste kommen hoch

Alte Ängste spielen plötzlich wieder eine Rolle​„Feuerwerkskörper zu Silvester haben schon ausgereicht, um den Kindern eine höllische Angst einzujagen“, weiß Claudia Kersten. Doch die seien nichts gegen die jüngste Sturmtragödie gewesen. „Das muss dem, was die Familie im Syrienkrieg erlebt hat, sehr nahe gekommen sein.“

Vier der fünf Kinder mussten 2014 miterleben, wie das Haus der Familie in der Nähe der libanesischen Grenze einem Bombenangriff zum Opfer fiel. Das fünfte Kind, jetzt im Kindergartenalter, wurde in Deutschland geboren. Nur mit viel Glück kam die Familie lediglich mit kleineren Blessuren davon. Innerhalb kürzester Zeit machte sie den spärlichen Rest ihres Besitzes zu Geld. Und flüchtete Richtung Deutschland.

Aus dem Leben gerissen

14 Tage marschierte die Familie nur mit dem allernötigsten zunächst in die Türkei, um von dort über Ungarn nach Deutschland in einem großen Sammellager zu landen. Mehr Details habe die Familie nicht preisgegeben, sagt Claudia Kersten. „Sie haben darüber nur wenig gesprochen. Sie schämen sich zudem, hier als Bittsteller dazustehen.“

Vor den Bombenangriffen führte die Familie in Syrien ein ganz normales Leben. Die Mutter arbeitete als Lehrerin, der Vater als selbstständiger Handwerker.

„Sie standen mitten im Leben. Hatten alles im Griff.“ Und auch in Deutschland arbeiteten die Eltern daran, diese Unabhängigkeit wieder zu erlangen. 2016 kam die Familie nach Heek.

Familie will bleiben

Seit 2018 wohnte sie in der Ludgeristraße. Bis der Sturm „Sabine“ alles zerstörte. Die Kinderbettchen und das Spielzeug, alles weg. Verschrottet. „Die Eltern haben viele Monate fast auf alles verzichtet, nur um den Kindern schöne Kinderzimmer einzurichten. Ihre Kinder sind ihr ein und alles.“

Ohne diese, vermutet Claudia Kersten, wäre die Familie auch nie nach Deutschland geflüchtet. Doch die Sicherheit der Kinder war in Syrien einfach nicht mehr gegeben.

Wie es für die Familie jetzt in der Dinkelgemeinde weitergeht, ist noch offen. Bleiben möchte sie, das versichert Claudia Kersten. Heek sei zu ihrem neuen Lebensmittelpunkt geworden. Doch dafür braucht es eine geeignete Bleibe und jede Menge Spenden.

Zum Thema

Geldspenden können unter dem Verwendungszweck „Heek, Ludgeristraße“ auf das Konto DE 33 4015 4530 0059 0979 72 des Caritasverbands eingezahlt werden.

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Orkantief "Sabine" im Münsterland

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  • In einer Bauerschaft in Gronau stürzte am Sonntagnachmittag ein Baum auf die Straße. Die Feuerwehr Gronau rückte zu ihrem ersten Einsatz aus.

    Foto: Feuerwehr
  • Kurzfristig wurde am Sonntagnachmittag der beliebte Flohmarkt auf der Zeche Westfalen in Ahlen abgesagt.  

    Foto: Ulrich Gösmann
  • In Gronau waren am Sonntagnachmittag Feuerwehr und THW im Einsatz, weil der Sturm Teile eines Flachdachs am Schäferweg umklappte. 

    Foto: Klaus Wiedau
  • Am Hauptbahnhof in Münster bildeten sich lange Warteschlangen vor dem Reisezentrum. Für wartende Reisende wurde außerdem ein Hotelzug aufgestellt. 

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Münsteranerinnen und Münsteraner wurden am dringend aufgefordert, die Promenade zu meiden. Teilbereiche wurden schon am Sonntag von der Polizei gesperrt. 

    Foto: diverse
  • Wegen umgestürzter Bäume war die Königsstraße in Greven von Sonntagabend an vollständig gesperrt, meldet die Feuerwehr. 

    Foto: Feuerwehr Greven
  • In Heek riss Sturmtief "Sabine" am Sonntagabend Teile des Giebels eines Wohnhauses an der Ludgeristraße weg. Die Bewohner des Hauses wurden evakuiert.

    Foto: THW Ahaus
  • Am Montagmorgen musste die Feuerwehr in Gronau erneut ausrücken, weil am Wackengoorweg eine Baumkrone über der Fahrbahn hing. 

    Foto: Klaus Wiedau
  • Am Zwinger in Münster musste am Montagmorgen ein Baum gefällt werden. 

    Foto: Martin Kalitschke
  • Auch das Albertus-Magnus-Familienwohnheim für Studierende am Horstmarer Landweg in Münster erlitt Sturmschäden. 

    Foto: Feuerwehr Münster
  • Zwischen Sonntagnachmittag und Montagvormittag gab es im Dorffeld in Vorhelm wegen umgestürzter Bäume kein Durchkommen mehr.

    Foto: Christian Wolff
  • In Heek musste das Haus, das am Sonntagabend durch den Sturm beschädigt wurde, komplett abgerissen werden. 

    Foto: Wilfried Gerharz
  • An dem beschädigten Haus in Heek war die Gefahr herabfallender Mauerteile zu hoch, weshalb das Gebäude abgerissen werden musste. 

    Foto: Bernd Schäfer
  • In dem Haus lebte eine siebenköpfige Familie, die am Sonntag evakuiert wurde. Für sie wird nun eine neue dauerhafte Unterkunft gesucht. 

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Feuerwehr Lengerich vermeldet 15 Einsätze am Sonntag. Sturmtief „Sabine" sorgte für umgestürzte Bäume, einen vollgelaufenen Keller - und ein umgestürztes Dixi-Klo. 

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde
  • Auch in Drensteinfurt musste die Feuerwehr Sturmschäden beseitigen. 

    Foto: Feuerwehr Drensteinfurt
  • In allen drei Ortsteilen Drensteinfurts mussten Feuerwehrleute insgesamt 19 Mal ausrücken. 

    Foto: Feuerwehr Drensteinfurt
  • Wegen des Sturms mussten Reisende teilweise unfreiwillig eine Nacht in Münster verbringen. 

    Foto: Björn Meyer

 

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