Meisen sollen Eichenprozessionsspinner bekämpfen
„Wir müssen schauen, ob es funktioniert“

Heek/Nienborg -

1000 Nistkästen wurden in der Gemeinde für Meise und Co. aufgehängt. Die Vögel sollen die Larven des Eichenprozessionsspinners fressen. Doch kann das funktionieren?

Mittwoch, 04.03.2020, 17:12 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 18:02 Uhr
Sie sollen es demnächst richten: Meisen sollen so viele Larven des Eichenprozessionsspinners vertilgen, dass er nicht erneut zur Plage wird. Ob sie das tun werden, weiß niemand genau.
Sie sollen es demnächst richten: Meisen sollen so viele Larven des Eichenprozessionsspinners vertilgen, dass er nicht erneut zur Plage wird. Ob sie das tun werden, weiß niemand genau. Foto: Niepagenkemper

Die Antwort von Dr. Mathias Niesar , Leiter Walschutzmanagement vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW , ist so ernüchternd wie ehrlich: „Wir wissen es einfach nicht genau.“ Auch Bauamtsleiter Herbert Gausling ist verhalten optimistisch: „Wir müssen einfach schauen, ob es funktioniert.“

​Dr. Mathias Niesars Nachsatz macht hingegen Mut. „Es gibt aber Hinweise darauf, dass die Larven im ersten von sechs Stadien von Meisen gefressen werden.“ Das sind nur wenige Wochen im Jahr: Anfang April, wenn die Meisen erstmals brüten, schlüpfen auch die Larven des Eichenprozessionsspinners und haben noch keine Brennhaare ausgebildet. Das passiert erst im dritten Larvenstadium. „Ab diesem Zeitpunkt bezweifle ich, dass Meisen noch die Raupen fressen.“

Dann kommen nur noch der Kuckuck, Wiedehopf oder die Schlupfwespe als Fressfeinde infrage. Doch diese natürlichen Gegenspieler der Giftraupe seien, so erklärt Niesar, zu schwach aufgestellt, um diese effektiv dezimieren zu können.

​„Beim Eichenprozessionsspinner geht es nicht um ökologische Fragen, sondern den Schutz der Menschen und Nutztiere“, so der Experte. Darum sei auch der Mensch gefragt, der Sache Herr zu werden. Genau das versucht die Gemeinde. 40 000 Euro sind im aktuellen Haushalt für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners eingestellt. Den größten Kostenfaktor dabei verursache das Absaugen der Nester, so Herbert Gausling.

Generell sei bei der Bekämpfung der Raupe Weitsicht gefragt, stellt Dr. Mathias Niesar klar. Das gilt auch für das Aufhängen der Nistkästen. „Meisen sind territoriale Tiere. Sie bekämpfen sich bis aufs Blut, wenn das Nahrungsangebot knapp wird oder ist.“ Heißt: Einfach an jede Eiche einen Nistkasten packen, wird keine Lösung sein.

Das Zauberwort laute Abstand. Aber wie viel? „Ich empfehle, erst mal alle zehn Bäume einen Nistkasten anzubringen“, lautet Niesars Antwort. Und dann heißt es, beobachten und gegebenenfalls verdichten oder auflockern. Mit Blick auf den Ahauser Damm wird der vom Experten empfohlene Abstand über weite Strecken im Groben eingehalten. Ob das Experiment aber funktioniert, wird sich erst noch zeigen müssen.

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