Gemeinde genehmigt Vier-Parteienhaus im Brinker Esch
Anwohner können es nicht fassen

Heek -

Daniel Gausling kann nur noch mit dem Kopf schütteln, wenn er in seinem Garten im Brinker Esch steht. „Unfassbar, was hier gerade passiert“, sagt der 43-Jährige und deutet auf die Baustelle, die derzeit rückwärtig an sein Grundstück angrenzt. Als „Bausünde“ bezeichnet er die Mauern, die dort seit Januar hochgezogen werden.

Dienstag, 10.03.2020, 17:34 Uhr aktualisiert: 11.03.2020, 17:12 Uhr
Logenplatz für die Terrasse nebenan: Die neuen Nachbarn von Daniel Gausling werden einen perfekten Ausblick auf die Sitzecke hinterm Haus haben.
Logenplatz für die Terrasse nebenan: Die neuen Nachbarn von Daniel Gausling werden einen perfekten Ausblick auf die Sitzecke hinterm Haus haben. Foto: Till Goerke

Ende der 90er-Jahre hat die Gemeinde Heek im Brinker Esch mit dem Bebauungsplan „Heidkamp II“ Häuselbauern die Möglichkeit eröffnet, Eigenheime in Form von Einfamilienhäusern zu bauen. So ist im Lauf der Jahre eine Siedlung entstanden, die ein einheitliches Straßenbild prägt. Zwei Grundstücke blieben jedoch unbebaut. Auf einem der beiden entsteht aktuell jenes Bauvorhaben, das das idyllische Bild der Siedlung laut Daniel Gausling untergräbt.

​Dort entsteht eine Doppelhaushälfte mit insgesamt vier Wohneinheiten. Ein Novum in der beschaulichen Siedlung. Das Treppenhaus soll laut Planung mit einer Stahltreppe außerhalb des Gebäudes liegen. Die zwei geplanten Balkone ragen unmittelbar an die Grundstücksgrenze der Gauslings heran, denn die eigentlich geltende Baugrenze wurde um 1,30 Meter überschritten.

​Schließlich mussten auch noch fünf der sechs rechtlich notwendigen Stellplätze ihren Platz auf dem Grundstück finden – im vorderen Bereich. Darum musste der Bau nach hinten rücken. Auf den sechsten Stellplatz verzichtet der Bauherr. Stattdessen zahlt er der Gemeinde eine Ablöse. Das ist über die Stellplatzsatzung der Gemeinde möglich. Rechtlich alles sauber. Das bestätigt Bauamtsleiter Herbert Gausling auf Nachfrage.

Komplexes Thema

​Aber wie sieht es mit dem Bauvorhaben insgesamt aus? Es sei ein komplexes Thema, an dem viele Parteien beteiligt seien, so der Bauamtsleiter.

Mehrfach sei das Bauvorhaben im nicht-öffentlichen Teil des Bauausschusses behandelt worden. „Die Planungen wurden mehrfach geändert. Es ist jetzt eine rechtlich zulässige Lösung.“ Und eine Entscheidung der Lokalpolitiker. Die Baugenehmigung erteilte der Kreis Borken als Bauaufsichtsbehörde.

Dinge, die Daniel Gausling herzlich wenig interessieren. „Für uns und die umliegenden Nachbarn ist es ist auch eine Wertminderung der Grundstücke. Es ist schade, dass die Gemeinde die Bebauungsrichtlinien einfach so über den Haufen geworfen hat.“ Im Spätsommer des vergangenen Jahres habe er, so erzählt der 43-Jährige, von dem Bauvorhaben durch den Bauherrn erfahren. „Wir haben da schon unsere Bedenken geäußert.“ Letztlich vergeblich.

Finanzielle Einzelinteressen?

​Daniel Gausling sagt: „Die Gemeinde hat ihr Einvernehmen zu einem Bauvorhaben erteilt, das die Festsetzungen des Bebauungsplans ‚Heidkamp II‘ grundlegend in Frage stellt.“

Und: „Warum leistet die Gemeinde Heek finanziellen Einzelinteressen ohne nachvollziehbaren Grund Vorschub, obwohl damit eine ausgewogene, seit Jahrzehnten tragfähige Planung konterkariert wird?“

Denn grundsätzlich wäre es ja möglich gewesen, dort nur zwei Wohneinheiten und somit eine „normale“ Doppelhaushälfte zu bauen. „Es ist der politische Wille, maßvoll nachzuverdichten“, stellt Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff klar. Natürlich sei der aktuelle Fall das Maximum, was baurechtlich an dieser Stelle zulässig sei. „Wir haben über die Entscheidung intensiv diskutiert und uns diese nicht leicht gemacht.“

Rechtliche Schritte werden geprüft

​Letztlich prallen viele Einzelinteressen aufeinander: Pläne des Bauherren, Wille der Politik und das Interesse der Nachbarn. Eine klassische Zwickmühle. „Wir als Gemeinde müssen zusehen, dass Baugebiete in Zukunft zu hundert Prozent erschlossen werden“, so Franz-Josef Weilinghoff. Damit eine Situation wie im Brinker Esch gar nicht mehr erst entstehen könne.

Und wie geht es für Daniel Gausling und seine Familie jetzt weiter? Kurzfristig sei das Pflanzen eines weiteren großen Baums im Garten geplant. Als natürlicher Sichtschutz. „Und wir prüfen weitere rechtliche Schritte. Auch mit Blick darauf, dass so etwas hier in der Gemeinde nicht noch mal passiert“, so der 43-Jährige.

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