Corona macht Hotel- und Gaststättenbetreibern schwer zu schaffen
Ein wirtschaftlicher Drahtseilakt

Heek -

Die Corona-Krise spitzt sich zu. Das öffentliche Leben kommt Stück für Stück zum Erliegen. Auch in Heek. Für Silke und Thomas Lanvermann vom Hotel am Markt und Restaurant M3 ist das gleich ein doppelter Albtraum.

Donnerstag, 19.03.2020, 16:32 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 17:06 Uhr
Für Silke und Thomas Lanvermann vom Hotel am Markt und Restaurant M3 ist die Situation gleich ein doppelter Albtraum.
Für Silke und Thomas Lanvermann vom Hotel am Markt und Restaurant M3 ist die Situation gleich ein doppelter Albtraum. Foto: Till Goerke

Seit Anfang 2020 hält das Ehepaar die Zügel im Hotel und Restaurant in der Hand. Doch der anfängliche Enthusiasmus der beiden ist mittlerweile dem Frust gewichen. Ein wirtschaftlicher Drahtseilakt hat begonnen.

​„Das ist so traurig. Es ist hier so gut angelaufen“, sagt Silke Lanvermann . Die Heeker hätten sie herzlich aufgenommen. Doch das nützt in der aktuellen Krisensituation nichts mehr. Erst blieben die Gäste im Hotel und Restaurant aus freien Stücken aus, dann gezwungenermaßen durch die sich täglich verschärfenden Verordnungen für Restaurant- und Hotelbetriebe.

Fünfstelliger Schaden

Schon jetzt habe das Virus einen mittleren fünfstelligen Euro-Schaden verursacht, berichtet Silke Lanvermann. Und eine Ende ist noch nicht in Sicht. „Der Betrieb ist bei uns um 95 Prozent runtergegangen.“ Das sei ein Wert zum Schaudern. Auch Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff habe sich bereits gemeldet, erzählt Silke Lanvermann. „Wir haben praktisch keine Gäste mehr.“

Dabei hat sie vollstes Verständnis für die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen, aber: „Als Unternehmer muss man das Ganze ja leider auch immer wirtschaftlich sehen.“ Und der Blick ist düster: Die Fixkosten für den Gesamtbetrieb betragen rund 35 000 Euro pro Monat. Dem gegenüber stehen derzeit praktisch null Einnahmen. Ein wirtschaftliches Desaster. Seit Mittwoch dürfen Hotels und Pensionen grundsätzlich keine touristischen Übernachtungen mehr erlauben. „Ja, was bleibt uns denn dann noch?“, fragt Silke Lanvermann hörbar frustriert. „Vielleicht der eine oder andere Berufskraftfahrer, aber das war es dann auch schon.“ Da helfe dann auch die Nähe und die gute Anbindung zur Autobahn 31 nicht mehr weiter.

Alles nachvollziehbar, aber es ist für uns wirtschaftlich eben bitter.

Silke Lanvermann

Schon vor der letzten Verschärfung der Auflagen für Restaurantbetriebe hätten etliche Gäste ihre gebuchten Übernachtungen oder Feiern abgesagt. „Alles nachvollziehbar, aber es ist für uns wirtschaftlich eben bitter.“ Und das werden in Kürze auch die Angestellten in Form von Kurzarbeit zu spüren bekommen. „Die Gespräche stehen jetzt an. Leider. Aber uns bleibt nichts anderes mehr übrig.“

Mögliche günstige Kredite zum Überbrücken der Krisensituation seien keine Lösung. „Es weiß ja keiner, wie lang das noch so weitergeht“, sagt Silke Lanvermann. Das Risiko, dann später auf einem hohen Kreditberg zu sitzen, sei einfach zu groß.

Klarer Erlass gewünscht

Also eine Situation ohne Ausweg? Nicht ganz, doch es bräuchte einen klaren Erlass auf Bundes- und Landesebene, also ein generelles Verbot, dass Restaurant- und Hotelbetriebe geöffnet haben dürfen. Genau dann würde laut Silke Lanvermann die sogenannte Betriebsausfallversicherung greifen.

„Das würde vermutlich vielen Betrieben helfen“, so Silke Lanvermann. Ein Blick in die Region zeigt: Etliche Hotels und Restaurants stehen exakt vor dem selben Problem. Und es scheint derzeit (noch) so, als ob viele Betriebe wirtschaftlich am langen Arm verhungern. „Es muss etwas passieren. Viele Unternehmen brauchen jetzt Hilfe – uns eingeschlossen.“

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