Blutspendetermin in Corona-Zeiten
Alles andere als Routine

Nienborg -

Die Sicherheitsvorkehrungen waren am Mittwoch in der Kreuzschule hoch, die Angst bei den DRK-Mitarbeitern förmlich spürbar. Denn dort, wo normalerweise Kinder lernen und spielen, fand in ​Zeiten der Corona-Pandemie eine Blutspende statt. Selbst für erfahrene DRK-Mitarbeiter alles andere als Routine.

Sonntag, 29.03.2020, 16:50 Uhr aktualisiert: 31.03.2020, 17:56 Uhr
Auch außerhalb der Kreuzschule wurde darauf geachtet, genügend Abstand einzuhalten.
Auch außerhalb der Kreuzschule wurde darauf geachtet, genügend Abstand einzuhalten. Foto: Till Goerke

„Sie kommen hier nicht rein“, stellt eine junge DRK-Mitarbeitern mit Mundschutz, Handschuhen und Temperaturmesser in der rechten Hand in der Sicherheitsschleuse klar. „Nur Spender haben Zutritt. Auch Begleitpersonen und Pressevertreter sind verboten.“ Nichts zu machen. Die Sorge vor dem Virus schwingt praktisch in jedem ihrer Worte mit.

​Vor der Sicherheitsschleuse, einem Seiteneingang der Kreuzschule, hat sich bereits um kurz nach 16 Uhr eine lange Schlange gebildet. Doch „normal“ ist auch dabei wenig. Gut zwei Meter Abstand lassen die Spendenwilligen zwischen sich Platz. Die meisten stehen alleine an. „Es ist ein komisches Gefühl, aber der Abstand gibt mir wenigstens ein kleines Gefühl von Sicherheit“, sagt eine ältere Damen. Sie spende regelmäßig, aber so etwas wie dieses Mal habe sie noch nicht erlebt.

Mehr Spender als erwartet

Nach vier Stunden haben 79 Personen jeweils einen halben Liter Blut gespendet. „Gerechnet hatten wir mit maximal 70 Spendern“, berichtet DRK-West-Pressesprecherin Claudia Müller. Und dabei habe man gar nicht allen potenziellen Spendern Blut abnehmen können. Um 20 Uhr war Feierabend. Einige Spendenwillige schieden gleich in der Sicherheitsschleuse aus. Denn wer sich in den vergangenen vier Wochen im Ausland - ganz gleich wo – aufgehalten hatte, wurde nicht zur Spende zugelassen. „Für mich nicht ganz nachvollziehbar. Ich war vor drei Wochen kurz mal in den Niederlanden“, schüttelt eine junge Frau mit dem Kopf, als sie der Sicherheitsschleuse verwiesen wird. Ein Blick durch die Fenster zeigt, dass auch drinnen der Sicherheitsabstand gewahrt wird.

​Eine der Mitarbeiterinnen aus Münster ist Doris Prahl-Reihs . Sie nimmt sich weit abseits der Sicherheitsschleuse einen Moment Zeit, um über die Blutspende in der Krisenzeit zu sprechen. Auch sie trägt Mundschutz und Handschuhe. „Es ist ein mulmiges Gefühl. Das kann ich nicht anders sagen. Jeder aus dem Team geht damit anders um. Gewöhnlich ist es aber für niemanden von uns.“

Junge Menschen spenden mehr

Auch an diesen Worten merkt man, die Sorge vor dem Virus ist allgegenwärtig. Doch letztlich überwiegt die Freude, dass der Blutspendetermin in Heek trotz Corona so gut angenommen wurde. „Es ist bemerkenswert, wie viele hier heute schon hingekommen sind“, so Doris Prahl-Reihs. Und sie hat vor allem eines beobachtet, nicht nur in Heek: „Die Spendenbereitschaft bei den jungen Menschen hat seit der Corona-Krise deutlich zugenommen.“

Auch gebe es seit Ausbruch der Pandemie deutlich mehr Erstspender. „Die Menschen möchten in dieser Ausnahmesituation einfach helfen. Das ist bemerkenswert und animiert hoffentlich noch mehr Menschen.“

Und dann muss die DRK-Mitarbeiterin auch schon wieder rein. In den Sicherheitsbereich. „Die Arbeit ruft. Wir haben noch viel zu tun.“

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