Osterfeuer hat auch in Nienborg eine Jahrhunderte lange Tradition / In diesem Jahr fällt es jedoch aus
Feuerwehr musste das Feuer retten

Mittwoch, 01.04.2020, 18:32 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 16:08 Uhr
In diesem Jahr sollte das Feuer eigentlich zum zweiten Mal nach 2019 auf dem Festplatz in der Niestadt entzündet werden
In diesem Jahr sollte das Feuer eigentlich zum zweiten Mal nach 2019 auf dem Festplatz in der Niestadt entzündet werden Foto: privat

Der Brauch des Osterfeuers ist germanisch-heidnischen Ursprungs. Das älteste schriftliche Zeugnis ist ein Briefwechsel zwischen dem Missionar Bonifatius und Papst Zacharis aus dem Jahr 751. In diesem Brief wird ein Brauch beschrieben, der als „ignis pachalis“ (Passahfeuer) bezeichnet wird. Da die Frage aufgeworfen wird, wie im Sinne der Kirche damit umzugehen sei, lässt sich schließen, dass die römisch-katholische Kirche Osterfeuer noch nicht kannte.

So ist das Brauchtumsfeuer auch in der Nienborger Orts- und Glaubensgemeinschaft eine fest verankerte öffentliche Veranstaltung für Jedermann, bei der das Gemeinschaftserlebnis gefördert wird. Der Brauch stammt aus alten Zeiten und diente dazu, den Winter zu vertreiben. Man glaubte, dass der Schein des Feuers eine reinigende Wirkung habe und die keimende Saat vor bösen Geistern schütze. So galten die Feuer auch als Kult zur Sicherung der Fruchtbarkeit, des Wachstums und der Ernte. Später wurde dieser Brauch von den Christen übernommen.

Vor der Feier der Osternacht am Samstagabend wird an der Pfarrkirche St. Peter und Paul ein kleines Feuer entfacht. Daran entzündet der Priester die Osterkerze, die er anschließend ins Gotteshaus trägt.

Während heute das Holz für das Osterfeuer auf Veranlassung des Schützenvereins durch verschiedene Vereine zusammengefahren wird, hatten vor 1900 zwei durch das Los bestimmte Schäffer für das notwendige Holz zu sorgen. Auf ihre Veranlassung hin fuhren Nienborger Ackerbürger am Karfreitagmorgen das Holz für das Osterfeuer zusammen und stockten es auf. Dafür bekamen sie nach getaner Arbeit von den Schäffern „Zuckerbier“.

Das vom Schützenverein organisierte Osterfeuer, zu dessen Gestaltung traditionell der Musikverein Nienborg beiträgt, fand bis 1939 auf der Kusenborg statt. Ab 1950 wurde es alljährlich neben dem Nienborger Sportplatz abgebrannt, ehe es in den 90er Jahren zur Callenbeck weiterzog. Am Ostersamstag des Jahres 1982 setzten Unbekannte das Osterfeuer in Brand. Bei den Löscharbeiten hatte das neue Tanklöschfahrzeug 8/18 der Nienborger Feuerwehr seine Premiere.

In stundenlangem Einsatz gelang es den Feuerwehrmännern, den kompletten Abbrand zu verhindern – der dann am Tag darauf nachgeholt wurde: Strahlende Kinderaugen dankten es den Feuerwehrmännern, als das Feuer am Ostersonntag normal abbrannte.

Eine sehr große Veränderung erfuhr das zentrale Osterfeuer in Nienborg im vergangenen Jahr. Über den bisherigen Ablauf waren die Mitglieder des Schützenvereins nicht mehr glücklich. Die Stelle lag weit außerhalb des Orts, sanitäre Anlagen waren nicht vorhanden, es bestand kein Schutz vor der Witterung und der Weg ab der Straße Hoge Stegge in Richtung Callenbeck war nicht ausgeleuchtet.

Die Bürgerschützen vermuteten darin den Grund, dass in den vergangenen Jahren immer weniger Bürgerinnen und Bürger nach der Messe am Ostersonntagabend mit dem Schützenverein und dem Musikverein zum Osterfeuer marschierten. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Stefan Callenbeck, Daniel Bußmann, Christian Hoffkamp und Hendrik Wolbeck nahm sich der Sache an und erarbeitete mit der Verwaltung der Gemeinde Heek eine Lösung: Im vergangenen Jahr wurde das Osterfeuer erstmals auf dem Festplatz in der Niestadt angezündet.

Pater Joy Madassery entzündete in der Abendmesse in der Pfarrkirche an der Osterkerze eine Fackel. Damit wurde das Feuer in der Nie­stadt entzündet. Anstelle eines großen Osterfeuers wurde hierfür eigens eine Feuerschale angefertigt.

Die Feuerwehr Nienborg sorgte für ein sicheres Abbrennen des Feuers. Der Erlös des Volksfests war für die karitative Einrichtung „Familie in Not“ bestimmt.

Wegen der aktuellen Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie muss das zentrale Osterfeuer in diesem Jahr ausfallen.

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