Positiv auf Corona getestete Leiharbeiter lassen Infektionszahl in die Höhe schnellen
Anstieg kommt wenig überraschend

Heek -

Viele Wochen lang war die Dinkelgemeinde Schlusslicht im Kreis Borken mit Blick auf die Gesamtanzahl der Corona-Infektionen. Doch das ist längst Geschichte.

Dienstag, 12.05.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 13.05.2020, 17:46 Uhr
Der am Wochenende durchgeführte Massentest brachte die Infektionen ans Licht.
Der am Wochenende durchgeführte Massentest brachte die Infektionen ans Licht. Foto: Pixabay

Der jüngste Anstieg der Corona-Infektionen in der Gemeinde ist zwar wenig überraschend aber doch beunruhigend: Acht positiv getestete Mitarbeiter des Schöppinger Fleischzerlegebetriebs Boeser leben derzeit in Heek. Damit hat sich die Zahl der Corona-Infektionen im Ort sprunghaft mehr als verdoppelt. Aktuell sind laut Kreisgesundheitsamt 13 Personen in Heek mit dem Virus infiziert.

Für die örtliche Ordnungsbehörde bedeutet der jüngste Anstieg jetzt ordentlich Arbeit. Immerhin müssen alle Verfügungen zur angeordneten häuslichen Quarantäne zügig zugestellt werden. Die Informationen zu den betreffenden Personen hat der Kreis an die Gemeinde unverzüglich übermittelt.

In dem aktuellen Fall steht ja eine ganze Branche am Pranger.

Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff

​Normalerweise erfolge das Zustellen der Verfügungen aus Eigenschutz telefonisch, sagt Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff . Doch in dem aktuellen Fall sei das nicht möglich: Die betroffenen Personen seien größtenteils über Subunternehmer bei dem Betrieb in Schöppingen beschäftigt und nicht zwangsläufig der deutschen Sprache mächtig. „Das wäre mit der Verständigung am Telefon schwierig“, so der Bürgermeister.

Darum wurden die Verfügungen am gestrigen Dienstag von den Mitarbeitern der Ordnungsbehörde persönlich zugestellt. „Auch für uns ist das jetzt Neuland. Wir bauen auf die Mithilfe der Subunternehmer. Das klappt in der Regel sehr gut“, so Franz-Josef Weilinghoff.

​Der Bürgermeister macht keinen Hehl daraus, dass er die gesamte Entwicklung kritisch verfolgt: „Natürlich sehe ich das mit Sorgen. Die derzeitige Situation ist eine große Herausforderung für alle. Und in dem aktuellen Fall steht ja eine ganze Branche am Pranger.“

Ganz wichtig ist jetzt zudem, dass alle Kontaktpersonen der Infizierten ermittelt werden. Eine Aufgabe für die Spezialisten des Kreisgesundheitsamts. „Das läuft alles über die Kollegen. Sie sind darauf spezialisiert“, sagt Kreis-Pressesprecherin Ellen Bulten auf Nachfrage.

Das jetzt ist nicht der Standardfall bei uns. Wir werden dafür Lösungen finden, da bin ich mir sicher.

Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff

Das Zauberwort sei dabei Tempo. Nur durch eine zügige Ermittlung aller Kontaktpersonen könne eine (noch) weitere Ausbreitung des Virus verhindert werden. Doch genau dieser Punkt ist derzeit das große Fragezeichen.

Die acht Personen in der Gemeinde Heek sind in mehreren Sammelunterkünften untergebracht. Inwieweit sie überhaupt soziale Kontakte vor Ort hatten oder haben, ist jetzt die große Frage. „Das wissen wir ja alles nicht. Es haben sich in der Vergangenheit auch schon Leute einfach nicht bei uns abgemeldet, wenn sie wieder ausgezogen sind“, berichtet der Bürgermeister.

Und damit einhergehend ist nach derzeitigem Stand auch nicht klar, ob sich die Betroffenen die Infektion im Betrieb oder in den Unterkünften und damit auf Gemeindegebiet zugezogen haben.

Ebenfalls unklar ist noch, wie die tägliche Kontrolle der Infizierten erfolgen soll. Denn das ist wieder eine Sache der Gemeinde. Telefonisch dürfte das wegen der Verständigung schwierig werden.

„Das jetzt ist nicht der Standardfall bei uns. Wir werden dafür Lösungen finden, da bin ich mir sicher. Und wir müssen sehr wachsam bleiben“, stellt Franz-Josef Weilinghoff klar.​

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