Interview mit dem Vorsitzenden Martin Mensing
Großer Zusammenhalt bei RW Nienborg

Nienborg -

Die Pandemie hat den Sport mit voller Wucht getroffen. Meisterschaften und Pokalrunden wurden erst unterbrochen, dann vorzeitig beendet. Kursangebote im Breitensport mussten komplett ausfallen. Doch trotz des vermeintlichen Stillstands bringt Martin Mensing, der Vorsitzende des 1300 Mitglieder zählenden SC Rot-Weiß Nienborg, deshalb nicht weniger, sondern eher mehr Zeit als sonst für seinen Verein auf.

Sonntag, 24.05.2020, 17:38 Uhr aktualisiert: 25.05.2020, 17:10 Uhr
Langeweile hat Martin Mensing nicht. Der Vorsitzende des SC RW Nienborg stellt im Interview die Pläne des Vereins vor.
Langeweile hat Martin Mensing nicht. Der Vorsitzende des SC RW Nienborg stellt im Interview die Pläne des Vereins vor. Foto: Stefan Hoof

„Es kommt mir vor, als ob ich nicht Vorsitzender, sondern eher eine Art Krisenmanager zurzeit bin“, erklärt der 52-Jährige im Gespräch mit WN-Redakteur Stefan Hoof . „Weil viele zusätzliche Aufgaben von außerhalb zunächst bei mir auf dem Tisch landen, ehe sie gebündelt, gestreut und umgesetzt werden“, erläutert Mensing .

 

Martin, wie fühlt sich die Vereinsarbeit in der Corona-Krise für dich an?

Martin Mensing: Unwirklich. Wir stehen als Verein für den Sport, können aber nichts anbieten, weil uns die Hände gebunden sind.

Wie reagieren die Mitglieder, die für ihre Vereinsbeiträge keine Gegenleistung bekommen?

Mensing: Die stehen voll und ganz zu ihrem Verein, zu 100 Prozent. Kein einziges Mitglied hat sich deshalb abgemeldet. Da sind wir stolz drauf. Das macht eben den Zusammenhalt in einem Dorfverein aus, man hält zusammen.

Die ersten Lockerungen sind nun da, teilweise wird schon wieder in den Vereinen Sport angeboten. Wie plant Rot-Weiß?

Mensing: Wir setzen darauf, dass ab Pfingsten auf dem Sportplatz wieder mehr erlaubt ist. Die Zeit bis dahin werden wir nutzen, um den Re-Start auch in einer Vorstandsversammlung nochmals zu besprechen und ein Konzept zu erarbeiten, das wir auch der Gemeinde als Eigentümer der Anlage vorlegen. Wir wollen unbedingt wieder raus, dafür sind wir ein Sportverein. Aber es muss auch alles passen und bedacht sein. Doch selbst wenn die Gemeinde dann ihr Okay gibt, liegt die Verantwortung für die korrekte Umsetzung der Bestimmungen bei uns als Verein.

Dabei gäbe es nun die Rückkehr in die A-Liga zu feiern.

Mensing: Worüber wir uns natürlich riesig freuen. Jetzt fehlt ja nur noch die formale Bestätigung, dass wir Meister der Kreisliga B und damit Aufsteiger sind. Aber es fehlt natürlich was. Entscheidend ist auf dem Platz, sage ich immer. Dort wird auch gejubelt und gefeiert. Das ist uns, der Mannschaft und den Fans leider versagt geblieben. Wenn es wieder zugelassen ist, werden wir sicherlich eine Meisterfeier machen. Das wollen wir gerne nachholen. Noch können wir aber nichts in dieser Hinsicht planen. Wichtig ist aber auch, dass unsere 2. Mannschaft C-Ligist bleibt.

Wann soll denn die Saisonvorbereitung starten?

Mensing: Unsere Planungen zielten ursprünglich darauf ab, dass wir Anfang Juli beginnen. Am Wochenende erhielt ich durch den Kreisvorsitzenden Willy Westphal die Information, dass wir bis zum 31. August 2020 keinen Wettkampfsport, und damit auch keine Testspiele bestreiten, dürfen. Einen neuen Termin für den Start in die neue Saison gibt es noch nicht.

Wird sich die Mannschaft für die A-Liga verstärken?

Mensing: Im Kern bleibt die Aufstiegsmannschaft so zusammen. Ob ein, zwei Spieler aufhören oder ein, zwei als Verstärkung kommen, ist nicht spruchreif. Und mit unserem erfolgreichen Trainerduo Rick Reekers/Philipp Schlamann hatten wir ja schon verlängert.

Sehr ärgerlich ist, dass die für Pfingsten geplante Fahrt der Jugendabteilung nach Drewer ausfallen muss.

Mensing: Das ist das, was uns neben der ausgefallenen Aufstiegsparty besonders weh tut. Es wäre die Jubiläumsfahrt gewesen, die 25. Auflage. Dafür war alles vorbereitet. Doch Heiko Niemeier, der von Beginn an dabei ist, ist so wahnsinnig engagiert und hat mit der diesjährigen Abmeldung schon den Anmeldebogen für die Fahrt 2021 auf den Tisch gelegt. Die Schützenhalle ist schon angemietet. Das Jubiläum fällt also nicht aus, sondern wird nur verschoben.

Wie sieht es mit dem Höketurnier aus?

Mensing: Wir müssen schauen, was die Lockerungen in den nächsten Wochen und Monaten hergeben. Wir sind uns da noch nicht ganz einig. Vielleicht findet sich da noch ein Datum im Spätsommer oder Frühherbst. Wir wollen ja was bieten, was machen. Vielleicht auch einen RWN-Tag, da ließe sich das Turnier möglicherweise integrieren. Wir überlegen noch.

Verzichten müssen auch die Altherrenfußballer.

Mensing: Leider. Das 50-jährige Bestehen dieser Abteilung steht in diesem Jahr auf dem Programm. Da war für den 20. Juni einiges geplant, unter anderem ein Turnier. Das ist gestrichen. Im Herbst wird intern wohl eine Feier der Abteilung nachgeholt werden, die sportlichen Aktivitäten dazu entfallen.

Besser sieht es für die Ferien-Fußballschule aus.

Mensing: Stand heute finden die Sparkassen-Fußballferien vom 6. - 8. August bei uns im Eichenstadion statt. Mit dem Team der Erlebniswelt Fußball, mit dem wir in den vergangenen Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht haben, sind wir in Kontakt. An diesen drei Tagen in den Sommerferien soll sich für die Spielerinnen und Spieler der Mini-Kicker bis zur C-Jugend alles nur um Fußball drehen.

Die Plätze im Stadion sehen prima aus. Auch während der Corona-Krise herrschte hier wohl kein Stillstand.

Mensing: Schon im Winter haben wir auf Platz vier eine nagelneue Fluchtlichtanlage mit sechs Masten und LED-Strahlern errichtet. Auch den Bereich zwischen den Plätzen zwei und drei haben wir komplett neu aufgearbeitet. Wir haben viel Geld und Arbeitskraft in die Anlage investiert. Trotzdem: Platz zwei ist noch immer nicht in Ordnung. Da warten wir auf eine Entscheidung der Gemeinde. Wir sind gespannt, wie es da weitergeht. Insgesamt sieht man aber, dass unser Platzwart Anton Gerwers und auch der Bauhof der Gemeinde Heek tolle Arbeit geleistet haben. Das läuft hier. Nicht zu vergessen natürlich die Ehrenamtlichen, die auch jetzt unter Einhaltung der Abstandsregeln an vielen Arbeitseinsätzen teilgenommen haben.

Nun droht Gefahr von oben und unten, wenn im Eichenstadion in den nächsten Wochen mit dem Eichenprozessionsspinner zu rechnen ist, im schlimmsten Fall auch noch mit dem Juni-Käfer.

Mensing: Aktuell haben wir keinen Befall. Es sind vorab Maßnahmen ergriffen worden, unter anderem 49 Meisen-Kästen aufgehangen worden. Ein Teil der Bäume wurde auch gespritzt. Jetzt hoffen wir mal, dass wir verschont bleiben – auch vom Juni-Käfer, der uns ja alle paar Jahre heimsucht und unsere schönen Spielfelder nahezu zerstört.

Sind weitere infrastrukturelle Maßnahmen geplant?

Mensing: Es sind viele Sachen im Fluss. Wir haben den Antrag gestellt, dass das Umkleidegebäude, also Kabine drei und vier, umgebaut wird. Das ist in die Jahre gekommen. Dieses Vorhaben packen wir mit Blick auf das 100-jährige Vereinsbestehen in drei Jahren an. Wir wollen auch den Weg vom Eingang zum Umkleidegebäude neu anlegen. Aber auch der Eingangsbereich rund um den Gedenkstein und das Clubheim sollen zum runden Vereinsgeburtstag hin aufgehübscht werden. An Platz drei und vier werden zudem zwei Ballfangzäune errichtet werden. Und, auch wichtig für uns, Mitte Juni werden wir hier im Eichenstadion Glasfaser bekommen

Darüber freuen sich besonders die jugendlichen Mitglieder, die nun hier E-Sports betreiben?

Mensing: Dann haben wir einen vernünftigen Internetanschluss für den elektronischen Spielbetrieb. Aber ja, den ersten erfolgreichen Gehversuch in Richtung E-Sports haben wir dank der Initiative unseres neuen Jugendobmannes Frank Große-Vestert erfolgreich geschafft.

Wie wichtig ist E-Sports für den Verein?

Mensing: Aktuell ganz wichtig. Wir sind ein Breitensportverein, dann müssen wir uns auch breit aufstellen. Wir hatten beim internen Fifa-Onlineturnier 40 Teilnehmer, nahezu alle auch aktive Fußballer, die an dem Turnier teilgenommen haben. Aktuell spielen wir gegen Fortuna Gronau. Wir wollen weitere Angebote schaffen, damit halten wir die Leute am Ort.

An Aufgaben und Wünschen, aber auch Arbeit mangelt es nicht.

Mensing: Hinter den Kulissen sind wir sehr aktiv. Langeweile gibt es nicht. Aber wir wünschen uns alle, bald auf dem Platz und später auch wieder in den Hallen aktiv sein zu dürfen. Das ist unser Antrieb.

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