Baden im Strönfeldsee ist ein Spiel mit dem Tod
Unterschätzte Gefahr

Heek -

Sonnenschein und angenehme Temperaturen – da lockt der Baggersee. Doch Achtung: Das Baden im Strönfeldsee ist verboten und lebensgefährlich. Das zeigt die Vergangenheit auf bedrückende Weise.

Freitag, 29.05.2020, 17:41 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 16:24 Uhr
Zahlreiche Rettungskräfte versuchten 2012 einen 22-Jährigen zu Retten, der im Strönfeldsee untergegangen war. Letztlich konnte er aber nur noch tot geborgen werden.
Zahlreiche Rettungskräfte versuchten 2012 einen 22-Jährigen zu Retten, der im Strönfeldsee untergegangen war. Letztlich konnte er aber nur noch tot geborgen werden. Foto: Markus Kampmann

Sonnenschein, angenehme Temperaturen und ein langes Wochenende vor der Tür. Was liegt da näher, als den Tag im Freien mit ein paar Runden Schwimmen zu verbringen? Was in NRW-Freibädern trotz Corona seit dem 20. Mai grundsätzlich möglich ist, kann am Strönfeldsee schnell zur tödlichen Falle werden. Experten heben warnend den Finger und erinnern an schreckliche Vorfälle aus der Vergangenheit.

Eigentlich ist die Sache am Strönfeldsee eindeutig geregelt. Die Fläche hat das Gremium Strönfeldsee, ein Zusammenschluss von sechs Angelvereinen, schon seit Jahren von der Firma Borgers gepachtet, die dort Sand abgräbt. Es handelt sich somit um eine Privatfläche. Schilder verbieten das Lagern, Baden und Schlittschuhlaufen. Zudem wird auf die Lebensgefahr hingewiesen. Etwas, das Feuerwehr und DLRG auf Nachfrage doppelt unterstreichen.

​Problem: Das interessiert offenkundig niemanden. „Leider. Aber uns sind die Hände gebunden. Wir sind machtlos“, so Christian Schubert , Vorsitzender des Angelvereins Nienborg. Platzverweise aussprechen? „Da hört doch keiner drauf“, so der Vorsitzende. Das Ordnungsamt ist wegen der Privatfläche ohnehin machtlos.

Maximal die Polizei kann regulierend eingreifen. „Wir fahren da Streife. Wir wissen schon, wann wir wo sein müssen“, sagt Pressesprecher Dietmar Brüning von der Kreispolizeibehörde auf Anfrage. „Wenn eine Gefahrensituation herrscht, schreiten die Kollegen natürlich auch ein.“ Problem: Rund um die Uhr kann die Polizei nicht vor Ort sein.

​Und so sind die Flächen am See stets voll, wenn das Wetter schön ist. „Sie können sich gar nicht vorstellen, was da manchmal los ist“, so Christian Schubert. Große Gruppen vornehmlich junger Leute vergnügen sich am Ufer. Alkohol, Grillen und Schwimmen sind keine Seltenheit.

Dabei ist Letzteres dort lebensgefährlich. Feuerwehr und DLRG warnen eindringlich vor dem Schwimmen im Baggersee. „Das ist leichtsinnig und lebensgefährlich“, stellt Heeks Feuerwehrleiter Heinz-Peter Rump im Gespräch mit der Redaktion klar.

Es lauern viele Gefahren im Wasser. ​Auch, weil noch immer Sand abgepumpt wird. Der aktuell knapp 17 Hektar große See wandelt sich stetig. Was die Sache für anrückende Einsatzkräfte nicht leichter macht. Stichwort: Zuwege. Hinzu kommen Tiefenströmungen und Abbruchkanten sowie mögliche Herzprobleme, Genickbrüche und Krämpfe bei den Schwimmern. Die Liste der potenziellen Gefahren im See ist lang.

Sie alle können den Tod mit sich bringen. So wie 2012, als ein 22-Jähriger ertrunken ist. Ein Ersthelfer hatte den jungen Mann noch zu packen bekommen, konnte ihn aber nicht halten. Der 22-Jährige glitt in die Tiefe und ertrank.

​Und wer denkt, Menschen in Not würden wie in Filmen stets wild mit den Armen fuchteln, der irrt. „Oftmals gleiten die Menschen einfach unbemerkt in die Tiefe“, erklärt Silvia Kemper von der DLRG-Ortsgruppe Ahaus auf Anfrage. Es ist der sogenannte „seichte Tod“.

Gerade, wenn man aufgehitzt ins kalte Wasser springe, könne das zu Herz- und Kreislaufproblemen führen. Die geweiteten Gefäße ziehen sich zusammen und die lebensgefährliche Situation ist plötzlich real. „Auch die die Sache mit dem Alkohol ist ein Problem“, sagt Silvia Kemper. „Die Leute überschätzen sich selbst und unterschätzen zugleich die Gefahr.“ Rationalität greife in diesem Fall zumeist nicht mehr.

​Und wer kann im Fall der Fälle helfen? Ersthelfer und die Feuerwehr. Wobei die Männer der Wehr auch gut zehn Minuten bis zum Einsatzort brauchen, wie Leiter Heinz-Peter Rump sagt. „Es geht um Minuten. Es müsste insgesamt alles glatt laufen, sonst hätte der Betroffene keine Chance.“ Erst recht vor dem Hintergrund, dass der See trüb und mittlerweile bis zu 15 Meter tief ist.

Noch deutlicher wird Silvia Kemper von der DLRG-Ortsgruppe Ahaus. Je nach Konstitution der Person und der Wassertemperatur trete der Tod in zwei bis drei Minuten ein. Wer ertrinkt, der erstickt. „An einem unbeaufsichtigten See ist es für gerufene Rettungskräfte kaum noch möglich, rechtzeitig einzugreifen.“

So wie 2012, als die zahlreichen Rettungskräfte inklusive Taucherstaffel der Feuerwehr Gronau den 22-Jährigen nach großer Suchaktion nur noch tot bergen konnten. „Ich rate darum allen eindringlich vom Baden im See ab. Die Gefahr ist dabei allgegenwärtig“, hebt Heinz-Peter Rump hervor.

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