Angeklagte bleiben dem Verhandlungstermin fern
Familienbande klaute 1,5 Tonnen Schrott

Schöppingen/Heek/Ahaus -

Als die Abrissarbeiten der Hallen auf der Ex-Hülstafläche an der B 70 im vergangenen Jahr in vollem Gang waren, schlug eine dreiste Familien-Diebesbande aus Schöppingen in Heek zu.

Montag, 22.06.2020, 17:02 Uhr

Drei Männer und eine Frau klauten geschätzt 1,5 Tonnen Stahlträger von dem Gelände. Wegen jener Tat am 18. Juni 2019 mussten sich die Vier jetzt vor dem Amtsgericht Ahaus verantworten. Eigentlich

Pünktlich um 10 Uhr waren Richter, Staatsanwältin, Zeuge und Dolmetscher im Saal 1 des Amtsgerichts Ahaus versammelt. Plexiglasscheiben trennen die drei Stühle auf der für die Angeklagten vorgesehenen Seite voneinander ab. Doch die Stühle bleiben leer. Nicht ein Familienmitglied erschien – trotz fristgerechter Ladung durch das Gericht.

Fahrzeug war gut vollgeladen

Dafür berichtete der geladene Zeuge dem Richter, dass das Diebesgut keinen sehr hohen Wert hatte. „Vielleicht 200 bis 300 Euro nach dem damaligen Preis.“ Immerhin: Das Fahrzeug der Diebesbande war gut vollgeladen. Das verdeutlichte ein Foto, das der Richter dem Zeugen zeigte.

„Das ist schon besonders dreist“, beschrieb der Richter die Entschuldigung der Angeklagten für ihr Nicht-Erscheinen: Etwa eine Stunde vor Verhandlungsbeginn habe sie den Richter angerufen und angegeben, nicht kommen zu können, weil sie ein drei Wochen altes Kinde habe. Schon kurios, wenn einem das plötzlich eine Stunde vor der Verhandlung einfällt.

Jeweils 1000 Euro Strafe

So sah das auch der Richter: „Das ist keine gültige Entschuldigung.“ Er habe der Frau zudem freigestellt, das Baby mitbringen zu können. Darauf sei sie allerdings nicht eingegangen. Vor einer Verurteilung bewahrte sie das ebenso wenig wie ihre drei mitangeklagten Komplizen – die gänzlich unentschuldigt fehlten. „Was schwebt Ihnen denn so als Strafe vor?“, fragte der Richter die Staatsanwältin. Prompte Antwort: „Ich hatte mir 50 Tagessätze vorgestellt.“

Weil der Richter eine ähnliche Größenordnung im Kopf hatte und die Aktenlage eindeutig war, konnte er schnell zu einem Urteil kommen: Die vier Angeklagten wurden in Abwesenheit jeweils zu 50 Tagessätzen zu je 20 Euro verurteilt. „Wenn das jemanden nicht passt, kann er ja Berufung einlegen“, merkte der Richter an.

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