Die Geschichte des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Nienborg
Schützen mussten Nummern ziehen

Montag, 29.06.2020, 18:16 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 17:40 Uhr
Der Jubelkönig des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Nienborg von 1930, Gerhard Fiebach, trägt den neuen Holzvogel für das Nienborger Königsschießen.
Der Jubelkönig des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Nienborg von 1930, Gerhard Fiebach, trägt den neuen Holzvogel für das Nienborger Königsschießen. Foto: Bürgerschützenverein Nienborg

Bis zu diesem Jahr, so heißt es, fand bereits am Kirmes-Sonntag ein Festzug der Schützen statt. Dieser Brauch wurde jedoch jäh und für immer beendet, nachdem es zu einer Schlägerei mit Jugendlichen aus Epe kam. Diese sollen die Nienborger Schützen während des Festzuges durch ans Hemd geheftete Bohnen verspottet haben – die Kirmes in Nienborg wurde nämlich auch Bohnendöpper Kirmes genannt.

Vereinsfahne für 155 Mark

​Vereinsprotokolle befinden sich seit 1908 im Archiv. Das erste Protokoll behandelt die Generalversammlung vom 28. Juni 1908 beim Wirt Telkers. Es wurde beschlossen, eine Vereinsfahne für 155 Mark in Hannover in Auftrag zu geben. Bei der Wahl des Offizierskorps wurde Oberst Hermann Schilling wiedergewählt.

Schießwart Josef Kötte wurde damit beauftragt, zum Schützenfest Geschosse zum Preis von Stück zwölf Pfennige zu besorgen. Aus diesem Jahr existieren die ältesten Bestimmungen für die Festvergabe. Das Fest wurde meistbietend an einen einheimischen Wirt vergeben. Dieser musste das Zelt beschaffen und bezahlen und sich um die Verpflegung der Musik kümmern. Beim Fest durfte nur Bier der Rolinck-Brauerei ausgeschenkt werden.

Schießen nur nach Nummer

​Auf der Generalversammlung bei Hoffkamp Anfang 1910 wurde der Vorsitzende Josef Fabry wiedergewählt. Im Sommer beschloss der Verein neue Statuten. Derjenige, der den Königsschuss tut, erhält aus der Kasse 20 Mark. Sowohl beim Vogel- als auch Scheibenschießen wird nach gezogener Nummer geschossen, es darf weder ein Schuss verkauft noch verschenkt werden.

Zum Fest sollten die Schützen mit einem grünen Band und Hut und der Vorstand in Frack und Zylinder erscheinen. Im Sommer 1911 übergab der ehemalige Schriftführer Ferdinand Frerich gt. Schulte dem Verein ein Schilderbuch, in dem er in künstlerischer Weise sämtliche Schützenkleinodien in Tusche eingezeichnet hatte.

Kriegswirren

Auf der Nationalfeier zur „Erinnerung an die Befreiung Deutschlands und zur 25-jährigen Thronbesteigung seiner Majestät Kaiser Wilhelm II.“ beteiligte sich der Schützenverein 1912.

Infolge der des 1. Weltkriegs fand weder das Schützenfest noch die Kirmes statt. Das bereits aufgebaute Zelt und die Kirmes wurden abgebaut. Durch die Kriegswirren ruhte das Vereinsleben für mehrere Jahre.

​Die erste Generalversammlung nach dem Krieg hielt der Verein am 27. Juni 1920 beim Festwirt Gerhard Kock ab. Unter dem Vorsitz von Josef Fabry wurde der Verein neu ins Leben gerufen. Es wurde beschlossen, eine Deputation zum Schützenfest des neugegründeten Vereins Wext, Wichum, Ammert zu entsenden. Die gegenseitige Besuche bei den jeweiligen Festen werden seit der Zeit intensiv gepflegt.

Ein Jahr später wurde das erste Schützenfest gefeiert. Wegen der Inflationszeit kam das Vereinsleben fast zum Erliegen. 1924 konnte endlich wieder ein Schützenfest gefeiert werden, nachdem durch die Errichtung der Deutschen Rentenbank 1923 eine Stabilisierung der Währung herbeigeführt worden war.

Kein Fest zum 250-Jährigen

1926 wollte der Verein zuerst von der Feier eines Schützenfestes absehen, da Anfang Juli fünf Häuser in der Hauptstraße und zwei Häuser auf der Burg abgebrannt waren. Da niemand ums Leben kam, wurde das Schützenfest schließlich doch gefeiert.

​Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage nahm der Verein von der Idee Abstand, das 250-jährige Bestehen mit einem großen Jubiläumsfest zu feiern.

Die schlechte wirtschaftliche Lage führte in den Folgejahren ebenfalls zu Beeinträchtigungen bei den Festen. Nach dem Tod von Reichspräsident Paul von Hindenburg fiel das geplante Sommerfest 1934 wegen der angeordneten Staatstrauer aus, die Kirmes wurde allerdings gefeiert. ​Zwei Jahre später legte der langjährige 1. Vorsitzende Josef Fabry sein Amt nieder und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Durch Verfügung des Reichssportführers wurden 1936 alle Schützenvereine dem Deutschen Schützenbund im Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Sämtliche andere Schieß- und Schützenverbände wurden aufgelöst. Der Bürgerschützenverein wurde dem Verband unter der Nummer 10612 angegliedert. Josef Kötte junior wurde die Bildung einer Schießgruppe übertragen.

1938 fand das letzte Schützenfest vor dem 2. Weltkrieg statt. Königspaar waren August und Maria Nacke. Wenige Tage nach dem Fest erfolgte der vorerst letzte Eintrag im Archiv. Danach schweigt das Protokollbuch des Vereins für genau zehn Jahre.

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