Notinseln als Anlaufstelle bei Problemen
Wo sie sind, sind Kinder sicher

Heek/Nienborg -

Schnell können Kinder in eine Situation geraten, in der sie sofort Hilfe benötigen. Doch wohin, wenn keine vertraute Person in der Nähe ist? In Heek muss sich diese Frage niemand mehr stellen.

Donnerstag, 02.07.2020, 17:40 Uhr
Eine vierte Klasse der Bischof-Martin-Grundschule in Nienborg freut sich über die Radiergummis mit dem Kindernotinsel-Logo. An dem auffälligen Aufkleber „Notinsel“ erkennen Kinder, in welchen Geschäften und Einrichtungen sie im Notfall Hilfe bekommen – so wie auf dem Foto rechts in der Eisdiele Venezia.
Eine vierte Klasse der Bischof-Martin-Grundschule in Nienborg freut sich über die Radiergummis mit dem Kindernotinsel-Logo. An dem auffälligen Aufkleber „Notinsel“ erkennen Kinder, in welchen Geschäften und Einrichtungen sie im Notfall Hilfe bekommen – so wie auf dem Foto rechts in der Eisdiele Venezia. Foto: privat

Kinder müssen einfach nur nach dem Aufkleber „Notinsel – wo wir sind, bist du sicher“ Ausschau halten. Denn diese Anlaufstellen bieten ihre Hilfe an. Immer. Es ist ein ganz besonderes Projekt, das jetzt auch in Heek seinen Platz gefunden hat.

Schlüssel verloren, den letzten Bus verpasst, sich verlaufen oder im ganz schlimmen Fall von einem fremden Menschen auf unangemessene Art und Weise angesprochen worden – Kinderprobleme können vielfältig sein. Schnelle Hilfe ist dann wichtig.

Das hat sich auch Beate Weuler (51) aus Heek, selbst Mutter, vor gut 15 Monaten gedacht. Zusammen mit der Bürgerstiftung Heek-Nienborg und unter viel Einsatz hat sie das Projekt „Notinsel“ in die Dinkelgemeinde geholt.

Aufkleber bereits an 39 Fensterscheiben

Aktuell sind die auffälligen Aufkleber bereits an 39 Fensterscheiben von ebenso vielen Betrieben zu finden. Sie alle sind somit für Kinder im Notfall eine Anlaufstelle. „Alle Betriebe, die ich bisher gefragt habe, waren sofort von der Idee begeistert“, berichtet Beate Weuler im Gespräch mit der Redaktion. In den zurückliegenden sechs Wochen habe sie dies getan. Jetzt ist das Projekt angelaufen.

Die Bürgerstiftung Heek-Nienborg ist Kooperationspartner der Stiftung Hänsel & Gretel aus Karlsruhe, die das Projekt 2002 ins Leben gerufen hat. Aus NRW nehmen derzeit 56 Kommunen daran teil.

Beate Weuler sieht sich selbst als Initiatorin des Ganzen. „Mir ist das vor Monaten mal in Münster aufgefallen. Als ich zu Hause war, habe ich direkt nachgeforscht, was das ist und war begeistert.“ ​

Beate Weulers Begeisterung teilt auch die Bürgerstiftung, welche die 52-Jährige um Hilfe bat. Schließlich musste mit der Stiftung aus Karlsruhe ein Notinsel-Partner-Vertrag inklusive Einmalgebühr unterzeichnet werden.

Richtig gut investiertes Geld

Hinzu kommen Kosten für die Verwendung der Aufkleber sowie die Anschaffung von Radiergummis und Lesezeichen mit dem „Notinsel“-Logo. „Wir sind mit einer vierstelligen Summe dabei, aber wir machen das sehr gerne, denn das ist einfach richtig gut investiertes Geld“, sagt Arnold Terliesner von der Bürgerstiftung. „Es ist toll, wenn jemand mit so einem Engagement wie Beate Weuler so ein wichtiges Projekt realisiert.“

​Übrigens sind auch die Grundschulen mit an Bord. Sie klären über das Projekt auf und verteilen an die Erst- und Zweitklässler – und zum Start an alle – die Radiergummis und Lesezeichen. „So haben die Kinder das Logo hoffentlich immer präsent vor Augen“, erklärt Beate Weuler die Idee dahinter.

Einen konkreten Anlass in Heek habe es für die Initiierung des Projektes nicht gegeben. Vielmehr ist es eine vorbeugende Maßnahme. „So wissen die Kinder, dass ihnen auch wirklich geholfen wird“, so Beate Weuler.

Wobei, das betont sie, alle Geschäftstreibenden gesagt haben sollen, dass sie auch ohne Aufkleber helfen würden. „Doch der Aufkleber senkt vielleicht auch die Hemmschwelle bei Kinder, nach Hilfe zu fragen“, so die 52-Jährige.

Geschäftstreibenden erhalten Handlungsanweisung​Alle teilnehmenden Geschäftstreibenden aus Heek und Nienborg haben im Vorfeld eine schriftliche Handlungsanweisung für den Fall der Fälle bekommen. Wichtig: Kinder können bei benötigter Hilfe jeglicher Art die Geschäfte aufsuchen. „Auch beim Thema häuslicher Gewalt zum Beispiel“, sagt Beate Weuler.

Und Ausruhen ist jetzt trotz erfolgreicher Initiierung nicht angesagt. Beate Weuler und die Bürgerstiftung müssen nun regelmäßig kontrollieren, wie das Projekt in Heek läuft.

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