Strönfeldsee darf nur von den Angelvereinen genutzt werden
Das „weiße Gold“ birgt Gefahren

Heek -

Der Strönfeldsee ist unter Ausflüglern längst kein Geheimtipp mehr. Gerade im Sommer suchen viele hier Spaß und Erholung. Doch das Baden ist auf dem Privatgelände aus gutem Grund verboten.

Donnerstag, 16.07.2020, 06:10 Uhr
Strönfeldsee darf nur von den Angelvereinen genutzt werden: Das „weiße Gold“ birgt Gefahren
Der Strönfeldsee ist zwar schön, kann aber durchaus für den Menschen sehr gefährlich sein. Das junge Teichhuhn muss sich aber keine Sorgen machen. Foto: Anna-Lena Haget

Weißer Sand, karibikblaues Wasser und lauschige Buchten liegen viel näher, als mancher denken mag. Der Strönfeldsee auf halbem Weg zwischen Heek und Metelen in der Bauerschaft Averbeck hat – bis auf Kokospalmen – alles zu bieten, was sich ein Erholungssuchender nur wünschen kann. Unter der Oberfläche birgt das idyllisch anmutende Gewässer allerdings tödliche Gefahren.

Eigentlich dürfte ich an diesem sonnigen Samstagnachmittag auch gar nicht hier sein. Ein Blick auf das Schild an der Einfahrt zum Gelände verstärkt nur mein schlechtes Gewissen. Denn dort wird aufgezählt, was alles verboten ist: Schwimmen, Bootfahren, freilaufende Hunde, offenes Feuer, Grillen, Angeln und Camping generell.​

Mehrere Angelvereine teilen sich die Aufsicht über das menschengemachte Gewässer, an dem noch immer Sand abgebaut wird. Und das Schild macht unmissverständlichklar: Der Strönfeldsee ist Privatgelände. Gleich auf der anderen Straßenseite liegt eine weitere, eingezäunte Wasserfläche auf dem Betriebsgelände, wo das „weiße Gold“ von Averbeck abgegraben wird.

Der See liegt zwischen Metelener Landstraße und Strönfeldstraße auf einem Gebiet von mehreren Quadratkilometern. Von den acht Ecken des Sees ist die, an der ich angehalten habe, wohl die malerischste. Dort ragt eine kleine Landzunge ins Wasser und ich möchte am liebsten meine Schuhe ausziehen und mit den Füßen ins Wasser gehen. Das ist aber überhaupt keine gute Idee.

Allein der Ausblick fasziniert mich. Das Licht bricht sich auf dem Wasser, über das immer wieder kleine, gekräuselte Wellen laufen und weit draußen paddeln einige Graugänse im Sonnenschein. Die Singvögel in den Bäumen scheinen nur für mich ihr Konzert zu geben.

Von schräg hinten schleicht sich ein junges Teichhuhn mit seinen riesigen Füßen an mich heran. Völlig ohne Angst kommt es arglos immer näher und betrachtet mich mit seinen dunklen Knopfaugen neugierig.

​Eigentlich war ich hierher gekommen, um die Natur zu beobachten. Stattdessen beobachtet die Natur jetzt mich – so schnell kann’s gehen. Libellen schwirren am Ufer und bunte Schmetterlinge suchen in den Blüten violetter Disteln und gelber Königskerzen nach Nektar.

Die schiere Vielfalt der Natur, die sich diesen See zurückerobert hat, macht mich sprachlos. Am gegenüberliegenden Ufer scheint es, als habe jemand viele schwarze Spazierstöcke ins hohe Gras gesteckt. Das will ich mir näher ansehen.

Leider finden sich auch in einem Naturparadies wie diesem Spuren der Zivilisation. Dort liegen Kronkorken, Glasscherben und sogar eine weggeworfene Gaskartusche im Sand. Offenbar scheint sich kaum ein Mensch um die Verbotsschilder zu scheren, die aus gutem Grund hier stehen.

Ich komme langsam näher und die Spazierstöcke fangen an, aufgeregt zu schnattern. Sie hatten mich längst bemerkt, die knapp 40 Kanadagänse und ihre grauen Verwandten, die ihre langen Hälse in die Luft recken, um mich, den Eindringling mit der Kamera, zu observieren. Einige treten die Flucht aufs offene Wasser an.

Den großen Vögeln macht das Schwimmen hier nichts aus. Für den Menschen kann das so ruhig wirkende Seepanorama jedoch lebensgefährlich werden. Unter der Wasseroberfläche lauern nämlich oft unterschätzte Gefahren.

Unterwasserströmungen, große Temperaturunterschiede und plötzlich auftauchende Untiefen sind allein in den letzten Jahren zwei Schwimmern zum Verhängnis geworden.

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