Autofahrer drängelt auf der A 31
Angeklagter streut mit Fotos Zweifel an seiner Schuld

Ahaus/Heek -

Wegen massiver Drängelei auf der Autobahn stand ein 55-Jähriger vor Gericht. Doch das Opfer konnte ihn nicht identifizieren. Um ein Haar hätte der Mann aber doch noch den Täter geliefert.

Mittwoch, 15.07.2020, 18:06 Uhr
Dicht aufgefahren ist ein Autofahrer auf der A 31 auf den vor ihm fahrenden Wagen einer 32-jährigen Essenerin.
Dicht aufgefahren ist ein Autofahrer auf der A 31 auf den vor ihm fahrenden Wagen einer 32-jährigen Essenerin. Foto: dpa

Auf der A 31 ist im vergangenen September eine 32-jährige Essenerin von einem anderen Autofahrer bedrängt, bedroht und ausgebremst worden. Der Vorfall hatte jetzt ein Nachspiel vor dem Ahauser Amtsgericht .

Die Polizeibeamtin war damals an einem freien Tag auf der A 31 unterwegs. In Höhe Heek fuhr ein anderes Auto auf der Überholspur erst sehr dicht auf. Später drohte ihr der Fahrer und scherte unmittelbar vor ihr ein. Beim nächsten Überholmanöver zog der Mann dann plötzlich wieder vor ihr auf die linke Spur und bremste sie extrem aus.

„Ich habe auf den Tacho gesehen. Es waren nur noch 40 Stundenkilometer“, sagte die Frau. Hätte sie nicht so schnell reagiert, wäre es wohl zum Unfall gekommen.

Die Frau merkte sich das Kennzeichen und zeigte den Vorfall an. Im Gericht erkannte sie im Angeklagten zunächst den Fahrer. Sie habe ihn bei der Vorbeifahrt kurz erkannt. Doch der 55-Jährige aus Nordhorn beteuerte, selbst nichtgefahren zu sein.

Das Auto werde von etlichen Familienmitgliedern bewegt. Wer es gewesen sein könnte, sagte der Mann jedoch nicht. Allerdings legte er Fotos mehrerer Familienmitglieder vor, die ihm ähnlich sahen. Auf den Bildern konnte die Frau dann nicht mehr zweifelsfrei erkennen, wer im Auto saß. Der Mann ließ über seinen Verteidiger weiter erklären, dass sein Name nur zufällig ins Spiel gekommen sei. Das Auto sei auf seine Frau zugelassen. Die habe nach der Anzeige Post von der Polizei bekommen, den Fragebogen aber wohl nicht richtig verstanden.

Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft schien die Lage dennoch eindeutig: Die Zeugin habe den Angeklagten ja erkannt. Die Unsicherheit habe ja nur daher gerührt, dass sie nichts Falsches sagen wollte. Eine Geld- oder sogar Freiheitsstrafe sei möglich.

Das ließ der Verteidiger nicht stehen: „Die Zeugin konnte nicht ausschließen, dass es vielleicht auch der andere Mann auf dem Foto gewesen ist“, sagte er und forderte Freispruch. Und in Richtung Staatsanwaltschaft: „Wenn solche Restzweifel bestehen, kann ein Gericht einen Angeklagten eben nicht verurteilen.“

Das sah der Richter auch so und sprach den Angeklagten frei. „Ich bin überzeugt, dass es diesen Vorfall gegeben hat, wir können nur nicht sagen, ob Sie der Täter waren“, machte er deutlich.

„Wenn einer Ihrer Angehörigen gefahren ist, sprechen Sie ein ernstes Wort mit ihm. Das ist saumäßig gefährlich und geht überhaupt nicht.“ Der Angeklagte nickte. Leise sagte er, dass er das schon gemacht habe. Der Verteidiger hob da nur noch die Hände: „Ist gut, ist gut. Einfach nur zuhören!“

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