Die Bauern putzten früher zum Schützenfest noch die Stallfenster
Wilhelm Mensing ist ein Nienborger Schützen-Urgestein

Nienborg -

Es muss 1958 oder 59 gewesen sein, als Wilhelm Mensing in den Schützenverein Nienborg eintrat. So ganz genau weiß der heute 80-Jährige es nicht mehr. Er kann sich jedoch daran erinnern, dass er erstmals 1964 mit auf den Vogel schoss. Und das mit gerade einmal 24 Jahren. Für damals keine Selbstverständlichkeit.

Freitag, 31.07.2020, 19:38 Uhr
Zahlreiche Pins hat Wilhelm Mensing schon zum Allgemeinen Bürgerschützenverein Nienborg gesammelt. Der Reichsapfel stammt noch vom Königsvogel, den Mensing 1990 abschoss.
Zahlreiche Pins hat Wilhelm Mensing schon zum Allgemeinen Bürgerschützenverein Nienborg gesammelt. Der Reichsapfel stammt noch vom Königsvogel, den Mensing 1990 abschoss. Foto: Rupert Joemann

 

Es war die Zeit, als die älteren Schützen das Heft noch fest in der Hand hatten. Da wurde auch mal ganz direkt über einen Jungschützen gesagt: „Was will der Schnösel.“ Im Fall von Wilhelm Mensing war das klar: König werden. „Das waren erste Schussversuche“, erzählt Mensing lächelnd.

Den Thron bestieg der Nienborger mit seiner Frau Mechthild schließlich am 6. August 1990. Zwölf ernsthafte Anwärter hielten voll auf das hölzerne Federvieh. Den entscheidenden Schuss landete jedoch Wilhelm Mensing.

Das war Ende der 50er-Jahre bei seinem Eintritt noch nicht absehbar. „Wir sind mit sieben Kumpels eingetreten, vier Wilhelms davon“, erzählt Wilhelm Mensing schmunzelnd. Damals sei jeder in den Schützenverein gegangen, erinnert er sich. „Die Bauern haben acht oder 14 Tage vor dem Schützenfest noch die Fenster in den Schweineställen geputzt“, sagt Wilhelm Mensing. Ein Verwandter schnitt sogar die Rasenkanten. Der Verwandte wurde spaßeshalber gefragt, ob er denn König werden wollte – was er auch prompt wurde.

Die Königswürde ist nur ein Kapitel seines Engagements im Allgemeinen Bürgerschützenverein Nienborg. Wilhelm Mensing hat über Jahrzehnte den Verein mitgeprägt. Am 15. Dezember 1974 wurde er während der Versammlung in der Gaststätte Borgers neben Theodor Vöcking und Franz Brunsmann zum Fahnenträger gewählt. Damit gehörte er dem Offizierskorps an.

Von 1988 bis 2006 war er Hauptmann. Und noch heute gehört er als Vereinskaiser mit Stimmrecht dem Vorstand an. Am 3. August 2007 schoss Wilhelm Mensing zum zweiten Mal einen Vogel ab, dieses Mal war die Kaiserwürde der Lohn.

Dazu animiert hatte ihn seine Frau Mechthild. „Sie ist die Initiatorin“, sagt der 80-Jährige. Eine Woche vor dem Kaiserschießen sah sie, wie die Vogelstange geschmückt wurde. Daraufhin fragte Mechthild Mensing ihren Gatten, ob er nicht antreten wolle.

Das Kaiserschießen war notwendig geworden, weil Hans Mensing als Vereinskaiser zurückgetreten war. Er regierte als Kaiser von 1995 an. Wilhelm Mensing kann sich vorstellen, dass der Verein auf Dauer die Regentschaft des Kaisers von derzeit 25 Jahren verkürzen wird. „Das ist doch eine lange Zeit.“ Seine Kaiser-Ära hätte an diesem Wochenende während des Jubiläumsschützenfestes anlässlich des 500-jährigen Bestehens enden sollen. Doch das Fest musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden und soll im nächsten Jahr nachgeholt werden. Damit verlängert sich auch die Regentschaft von Wilhelm Mensing.

Dann treten die Schützen wieder in weißem Hemd und schwarzer Hose an. Das ist mittlerweile eine Tradition. Auf die Einhaltung der Anzugsordnung wird penibelst geachtet. Da ist es auch schon vorgekommen, dass der verantwortliche Offizier die Hose eines Schützen hochgezogen hat und die Sockenfarbe kontrolliert hat. Prompt wurde der Schütze nach Hauses geschickt, weil er keine schwarzen Socken anhatte.

Wilhelm Mensing, der seit vielen Jahren Anstecker sammelt, hat die zahlreichen Pins des Bürgerschützenvereins auf einem eigenen bezogenen Pinbrett gesteckt. In der Vitrine liegen daneben unter anderem die Patronen, mit denen er den Königs- und den Kaiserschuss abgegeben hat, sowie der Reichsapfel des Königsvogels.

Für Wilhelm Mensing sind das schöne Erinnerungsstücke an eine zum Teil arbeitsintensive Zeit. Aber er ist überzeugt: „Es kann einem nichts passieren, wenn man sich für die Gemeinschaft engagiert hat.“ In schlechten Zeiten stünden einem dann andere hilfreich zur Seite.

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